mini|Villarde auf der Weide

Das Villard de Lans, auch Villard-de-Lans oder kurz Villarde genannt, ist eine seltene, vorwiegend milchbetonte Zweinutzungsrinderrasse aus den französischen Voralpen. Sie stammt ursprünglich aus dem Massif du Vercors südwestlich von Grenoble im Département Isère in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Nach einem drastischen Bestandseinbruch in der Mitte des 20. Jahrhunderts wird sie seit den 1970er-Jahren durch ein Erhaltungsprogramm geschützt. Ihre Milch wird traditionell für die Herstellung des geschützten Herkunftskäses Bleu du Vercors-Sassenage verwendet.

Geschichte

Entstehung und Anerkennung Die Ursprünge der Rasse Villard de Lans liegen im Vercors-Gebiet, insbesondere in der historischen Region der Quatre Montagnes rund um die Gemeinden Villard-de-Lans, Lans-en-Vercors, Autrans und Méaudre. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die homogenen Blondvieh-Bestände im Vercors erstmals systematisch beschrieben. Die offizielle Rasseanerkennung folgte 1864. Zur Förderung der Zucht wurde 1875 in Villard-de-Lans eine Zuchtstation gegründet. Der Aufstieg der Rasse war eng mit dem Wachstum der Stadt Grenoble und dem steigenden Bedarf an Milch und Fleisch verknüpft, wodurch die Rinderhaltung auf dem Vercors-Plateau die Schaf- und Ziegenhaltung verdrängte.

Niedergang im 20. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte die Population mit rund 15.000 Tieren ihren Höchststand. Als robustes Dreinutzungsrind verrichtete die Villarde schwere Zugarbeit in der Feld- und Forstwirtschaft, lieferte fettreiche Milch für Dorfmolkereien und erzeugte begehrtes Fleisch. Der Niedergang der Rasse begann Mitte des 20. Jahrhunderts durch das Aufkommen von Traktoren in den 1950er-Jahren, wodurch die Zugkraft der Ochsen und Kühe überflüssig wurde. Zudem setzte die französische Zuchtpolitik der 1960er-Jahre ausschließlich auf hochspezialisierte Einnutzungsrassen wie Montbéliarde für Milch oder Charolais für Fleisch. Die Kriegsfolgen im Vercors während des Zweiten Weltkriegs sowie das spätere Höfesterben dezimierten die Bestände zusätzlich, sodass um 1968 nur noch rund 1000 Tiere existierten. Bis Mitte der 1970er-Jahre schrumpfte der Reinzuchtbestand auf einige Dutzend Kühe.

Rettung und Erhaltungsprogramm Auf Grundlage des französischen Viehzuchtgesetzes von 1966 initiierten das Institut de l'Élevage und die regionalen Landwirtschaftskammern 1976 ein staatlich gefördertes Schutzprogramm. Wichtige Maßnahmen des Programms umfassten die Anlegung einer Genreserve durch das Einfrieren von Sperma zahlreicher Zuchtstiere sowie den Abschluss von Verträgen mit Landwirten, die sich zur Reinzucht verpflichteten und im Gegenzug kostenlose künstliche Besamung sowie Unterstützung bei der Leistungsprüfung erhielten. Zudem wurde die Association des éleveurs de bovins de la race Villard de Lans zur Koordinierung der Züchter gegründet. Durch diese Maßnahmen konnte die Rasse vor dem Aussterben bewahrt werden, woraufhin der Bestand bis 2010 wieder auf circa 300 weibliche Tiere anwuchs. Seit 2020 muss jeder Erzeuger des Käses Bleu du Vercors-Sassenage Kühe dieser Rasse in seiner Herde halten. Die FAO stufte den Bestand der Rasse zuletzt 2023 mit 501 Tieren weiterhin als kritisch ein.

Rassemerkmale Das Villard-Rind ist ein mittelgroßes bis großwüchsiges und kräftig gebautes Rind. Die Kühe erreichen eine Widerristhöhe von etwa 140 Zentimetern und wiegen im Durchschnitt rund 700 Kilogramm. Das Fell ist einfarbig semmelgelb, weizenfarben bis hellbraun ohne weiße oder schwarze Flecken. Die Schleimhäute sind unpigmentiert und rosa. Die Hörner sind mittellang, eher fein, hell mit etwas dunkleren Spitzen und seitlich sowie leicht nach oben geschwungen. Der Körperbau zeichnet sich durch einen breiten Rücken, tief angesetzte Keulen, ein breites Becken, muskulöse Extremitäten und eine straffe Haut aus.

Die Rasse zeichnet sich durch eine hohe Langlebigkeit, Mütterlichkeit, hervorragende Anpassung an das raue Gebirgsklima sowie eine ausgeprägte Resistenz gegen lokale Krankheiten aus. Zudem gilt das Villard-Rind als extrem gutmütig und leicht handhabbar.

Nutzung und Leistung Das Villard-Rind wird heute als milchbetontes Zweinutzungsrind geführt, wobei sich die Bestände in zwei Hauptnutzungsrichtungen teilen. In der Milchwirtschaft beträgt die Jahresmelkleistung durchschnittlich 3800 bis 4000 Kilogramm Milch pro Laktation mit einem Fettgehalt von etwa 4,1 bis 4,2 Prozent und einem Eiweißgehalt von ca. 3,2 Prozent. Die eiweiß- und fettreiche Milch besitzt sehr günstige Käsereieigenschaften und gehört zu den offiziell zugelassenen Rassen für die Herstellung des AOP-Käses Bleu du Vercors-Sassenage. Etwa die Hälfte der Tiere wird heute in der Mutterkuhhaltung zur Fleischerzeugung genutzt. Das Fleisch zeichnet sich durch feine Muskelfasern und eine hohe Qualität aus.

Verbreitung Das Hauptverbreitungsgebiet liegt nach wie vor in der historischen Region Vercors im Département Isère sowie in Teilen des Départements Drôme.

Siehe auch Liste domestizierter Rinder

Einzelnachweise

Weblinks

Rasseporträt Villard de Lans bei der SAVE Foundation / Fundus Agricultura Valeurs Parc naturel régional du Vercors

Kategorie:Rasse des europäischen Hausrindes Kategorie:Landwirtschaft (Frankreich) Kategorie:Tierhaltung (Frankreich)