Carmen Añón Feliú (* 15. Mai 1931 in Barcelona, Spanien) ist eine spanische Landschaftsarchitektin und Hochschullehrerin. Als Spezialistin für historische Gärten leitete sie 25 Jahre lang Restaurierungsprojekte im Real Jardín Botánico de Madrid und lehrte zudem Gartengeschichte und die Restaurierung von Kulturlandschaften an der Polytechnischen Universität Madrid (UPM). Sie leitete das Internationale Wissenschaftliche Komitee für Historische Gärten des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS), den Internationalen Beirat und zahlreiche Welterbebewertungen. Sie war maßgeblich an der Aufnahme zahlreicher spanischer Stätten in die UNESCO-Welterbeliste beteiligt und insbesondere an der ersten spanischen Kulturlandschaft Aranjuez.

Leben und Werk Añón Feliú zog 1941 nach Madrid und heiratete mit fünfzehn Jahren. Mit sechzehn Jahren wurde sie Mutter und bekam acht weitere Kinder. In den 1950er-Jahren gründete sie ein Unternehmen für gestrickte Babypullover auf Basis eines Heimarbeitssystems für Frauen. Aufgrund der nicht mehr zu bewältigenden großen Nachfrage ging das Unternehmen bankrott. Mit etwa vierzig Jahren begann sie ihr Landschaftsarchitekturstudium an der Castillo de Batres Schule. Der Kurs dauerte fünf Jahre und bereits im zweiten Jahr wurde sie selbst Dozentin an der Schule. Sie begann ihre umfangreiche Studienbibliothek aufzubauen und ihre Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin war im Wesentlichen autodidaktisch.

Von 1979 bis 1983 war sie Stadträtin in Madrid unter Tierno Galván und befasste sich dort mit den Grünflächen Madrids. Sie arbeitete über zehn Jahre im Retiro-Park und war von 1997 bis 2005 Koordinatorin des Sanierungsplans für die Retiro-Gärten. Anschließend war sie noch einige Jahre als Direktorin des Nutzungs- und Managementplans für den Retiro-Park tätig. Sie war Leiterin der Sanierungsprojekte für die Insel- und Königsgärten in Aranjuez (1980 und 1998). Sie leitete auch Projekte für La Granja de San Ildefonso, Campo del Moro, Zarzuela, den Moncloa-Palast, die Gärten der Casita del Príncipe in El Pardo, die Gärten der Casita del Príncipe in El Escorial, die Gärten der Quinta del Duque del Arco, die Gärten des Klosters El Escorial sowie den Kreuzgang und die Gärten der Descalzas Reales. Sie arbeitete außerdem am Herzoglichen Garten von Parma und an der Landschaftsrestaurierung von Sintra.

Ohne Hochschulabschluss wurde sie mit Unterstützung von Professor Pedro José Navascués Palacio Professorin für Geschichte der Gärten und Landschaften an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura de Madrid (UPM) und lehrte dort von 1980 bis 1997.

In den 1980er Jahren war sie bei ICOMOS an der Bewertung von Kulturerbe-Nominierungen beteiligt. Von 1993 bis 1999 nahm sie als Mitglied des ICOMOS-Vorstands an den Sitzungen des Welterbekomitees teil und war ab 2001 als Beraterin der spanischen Delegation tätig. Als langjähriges Mitglied von ICOMOS war sie Vizepräsidentin des spanischen Nationalkomitees von ICOMOS und Ehrenpräsidentin des Internationalen Wissenschaftlichen Komitees für Kulturlandschaften von ICOMOS und IFLA. In den 1990er Jahren war sie außerdem für die UNESCO tätig. Ihr größter Erfolg war die Anerkennung des Konzepts der Kulturlandschaft als neue Welterbekategorie auf der Welterbekonferenz 1992 in Cartagena de Indias. Diese neue Kategorie ermöglichte die Aufnahme von Stätten wie Aranjuez und den Palmenhain von Elche. Als Mitglied des Instituts für Madrider Studien (CSIC) wirkte sie an der Aufnahme spanischer Stätten in die UNESCO-Welterbeliste mit, wie zum Beispiel dem Jakobsweg, Las Médulas in León und der ersten spanischen Kulturlandschaft Aranjuez.

Sie ist ordentliches Mitglied des Instituts für Madrider Studien CSIC, Ehrenakademikerin der Accademia di belle arti in Florenz , Mitglied des Wissenschaftlichen Ausschusses der Fondazione Benetton Studi e Richerce. Sie erhielt das Offizierskreuz des Ordens Isabel la Católica, das Offizierskreuz des Ordens für Zivilverdienste und ist Chevalier de l'Ordre du Mérite. Im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn erhielt sie weitere zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Europa Nostra Award für die Restaurierung des Kreuzgangs des Klosters Guadalupe in Cáceres, sowie den Preis des Recoletos-Prado Sonderplanwettbewerbs des Madrider Stadtrats.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl) 1995: Europa Nostra Award 2012: Kulturpreis der autonomen Gemeinschaft Madrid 2017: Nationaler Preis für Restaurierung und Erhaltung des kulturellen Erbes, verliehen vom Ministerium für Bildung, Kultur und Sport 2023: Adoptivtochter des königlichen Standorts und der Stadt Aranjuez 2024: Medaille von Madrid 2024: Richard H. Driehaus Medal for Heritage Conservation

Veröffentlichungen (Auswahl) Real Jardín Botánico de Madrid. Sus orígenes: 1755-1781. (1987, Madrid : Real Jardín Botánico, C.S.I.C.) ISBN 978-8400065003 El Capricho de la Alameda de Osuna. El Avapiés, 1994, ISBN 978-8486280833. El Lenguaje oculto del jardín: jardín y metáfora. Editorial Complutense, 1996, ISBN 978-84-89365-91-9. Respecter la force du temps. Deux labyrinthes espagnols, du XVIIIe siècle à nos jours. In: Hervé Brunon (Hrsg.): Le jardin comme labyrinthe du monde. Musée du Louvre, Paris 2008, ISBN 978-2-84050-602-7.

Weblinks YouTube Video: ICOMOS 60 - A Conversation with Carmen Añón Feliú (französisch)

Einzelnachweise

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