Die Passion nach G.H.B. (Originaltitel: A Paixão Segundo G.H.B., internationaler Titel: The Passion According to G.H.B.) ist ein brasilianischer Film von Gustavo Vinagre und Vinícius Couto aus dem Jahr 2026. Der Film verbindet fiktionale und dokumentarische Elemente und setzt sich mit Chemsex, Sexualität und Intimität auseinander. Einen zentralen Bezugspunkt bildet der Roman A paixão segundo G.H. (deutsch: Die Passion nach G.H.) der brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector. Die Weltpremiere fand am 1. Februar 2026 beim International Film Festival Rotterdam statt.
Handlung Matias verabredet sich über die Dating-App Grindr mit einem Mann in einer Wohnung in São Paulo. Weitere Männer kommen hinzu. Aus den zunächst individuellen Begegnungen entwickelt sich eine Gruppendynamik. Sexuelle Handlungen wechseln sich mit Gesprächen über frühere Begegnungen, Begehren, HIV und Chemsex ab.
Matias erzählt von seinen Erfahrungen und beschäftigt sich zugleich mit Clarice Lispectors Roman A paixão segundo G.H. Die Protagonistin G.H. aus Lispectors Roman erscheint ihm schließlich als Figur, mit der er in einen Dialog tritt. Die literarische Auseinandersetzung verbindet sich zunehmend mit den Gesprächen und körperlichen Begegnungen der Männer.
Produktion Regie führten Gustavo Vinagre und Vinícius Couto. Vinagre schrieb auch das Drehbuch und produzierte den Film.
Der Film ist durch Improvisation entstanden. Vinagre erklärte in einem Interview anlässlich des Olhar de Cinema 2026, dass sich das Drehbuch während der Dreharbeiten aus dem von den Darstellern eingebrachten Material entwickelte.
Der Film verbindet inszenierte Situationen mit dokumentarisch wirkenden Gesprächen und sexuellen Begegnungen. Während die sexuellen Handlungen der Darsteller nicht simuliert wurden, ist der dargestellte Drogenkonsum inszeniert. Die Einnahme der Substanzen wird durch Gesten und Requisiten angedeutet.
Bezug zu Clarice Lispector Der Titel bezieht sich auf Clarice Lispectors 1964 erschienenen Roman A paixão segundo G.H. Der Film übernimmt dessen Handlung nicht als klassische Literaturverfilmung, sondern verwendet den Roman und seine Protagonistin G.H. als Bezugspunkte. Der Filmtitel erweitert die Initialen G.H. um den Buchstaben B und verweist damit auf die als Partydroge verwendete Substanz GHB.
Die Figur G.H. tritt im Verlauf des Films als Erscheinung auf und wird zur Gesprächspartnerin von Matias. Auf diese Weise verbindet der Film Lispectors Auseinandersetzung mit Körperlichkeit und existenzieller Erfahrung mit gegenwärtigen Erfahrungen von Sexualität und Drogenkonsum.
Veröffentlichung A Paixão Segundo G.H.B. wurde am 1. Februar 2026 beim International Film Festival Rotterdam uraufgeführt und dort in der Sektion Harbour gezeigt. Im weiteren Verlauf des Jahres wurde der Film unter anderem beim Buenos Aires International Festival of Independent Cinema (BAFICI), beim Sicilia Queer Filmfest und beim US-amerikanischen LGBTQ-Filmfestival Frameline gezeigt.
Der Film wird in Deutschland unter dem Titel Die Passion nach G.H.B. durch den Verleih Salzgeber ins Kino gebracht. 2026 läuft er im Programm des Queerfilmfestivals.
Rezeption Francisco Carbone ordnete den Film in Vertentes do Cinema in Gustavo Vinagres bisheriges Werk ein und hob die Verbindung von fiktionalen und dokumentarischen Formen hervor. Durch die Auseinandersetzung mit Clarice Lispector erweitere Vinagre seine Beschäftigung mit Sexualität und Körperlichkeit um eine literarische Ebene. Carbone stellte den Film zugleich in einen Zusammenhang mit dem brasilianischen Cinema Marginal und verwies auf Filmemacher wie Rogério Sganzerla und Carlos Reichenbach.
Enoe Lopes Pontes beschrieb den Film bei Coisa de Cinéfilo als Fortsetzung von Vinagres Beschäftigung mit Sexualität, Begehren, HIV und körperlicher Intimität. Sie hob die unmittelbare Darstellung der Körper sowie die Konzentration auf einen abgeschlossenen Schauplatz hervor, durch die eine große Nähe zwischen Publikum und Figuren entstehe.
Die argentinische Filmwebsite EscribiendoCine sah die Verbindung von Sexualität, Drogenkonsum und politischen Fragen als zentral für den Film. Die Gespräche zwischen Matias und seinen wechselnden Partnern über Sex, HIV und Drogen seien eng mit den körperlichen Begegnungen verbunden. Die Darstellung erhalte dadurch eine dokumentarische Qualität.
In Taller de Crítica wurde der Film anlässlich des BAFICI als queere Auseinandersetzung mit Lispectors A paixão segundo G.H. betrachtet. Die Kritik hob hervor, dass der Roman über die titelgebende Anspielung hinaus Bestandteil der filmischen Konstruktion werde.
Auch die italienische Filmzeitschrift Birdmen Magazine beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Realität und Inszenierung. Marco Maratta hob hervor, dass der Film tatsächliche sexuelle Handlungen mit simuliertem Drogenkonsum verbindet und dadurch die Grenze zwischen Darstellung und körperlicher Realität verschiebt.
Weblinks
The Passion According to G.H.B. beim International Film Festival Rotterdam (englisch) Die Passion nach G.H.B.beim Queerfilmfestival 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Brasilianischer Film Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Literaturverfilmung