Johann Michael III. Ritter und Edler von PoschingerDie Ordnungszahl „III.“ dient der Unterscheidung von gleichnamigen Vorfahren und stammt aus der Familienchronik. (* 8. Dezember 1834Die Lebensdaten sind uneinheitlich überliefert. Das Nachkommenverzeichnis vermerkt abweichende Angaben in Grabstein, Adelsregister und Sterberegister, der Grabstein in Tutzing nennt als Geburtsjahr 1835. in Oberfrauenau; † 18. Februar 1908 in München) war ein bayerischer Glasfabrikant und Gutsbesitzer. Er führte über drei Jahrzehnte die Glashütte Theresienthal, übertrug 1899 das Schlossgut Ismaning der Stadt München und errichtete daraus mit seiner Frau eine Wohlfahrtsstiftung.
Herkunft und Familie mini|Schloss Theresienthal Poschinger entstammte dem bayerischen Adelsgeschlecht Poschinger. Er war der älteste Sohn des Fabrikanten und Landtagsabgeordneten Johann Michael II. von Poschinger (1794–1863) und der Anna Maria geb. Schweikl (1810–1878).Karl und Ludwig Ritter von Poschinger, Hippolyt Freiherr Poschinger von Frauenau et al.: Verzeichnis der Nachkommen des Joachim Poschinger. o. O. 2014.
Am 9. Juni 1863 heiratete er in Zwiesel Henriette Emilie Julia Elisabeth Steigerwald (1844–1903), eine Tochter des Guts- und Glashüttenbesitzers Wilhelm Steigerwald in Regenhütte und Rabenstein. Sie trat als Dichterin unter dem Namen Heriberta von Poschinger hervor. Aus der Ehe ging der Sohn Egon (1864–1915) hervor.
Glashütte und Gutsbesitz mini|Das Grabmal der Familie Poschinger auf dem Alten Friedhof in Tutzing Sein Vater hatte am 1. April 1861 die daniederliegende Glashütte in Theresienthal erworben, die Franz Steigerwald 1836 gegründet hatte. Johann Michael III. führte den Betrieb als Guts- und Glashüttenbesitzer fort. Einige Jahre vor seinem Tod übergab er Gut und Glasfabrik seinem Sohn Egon.Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908. mini|Schloss Ismaning 1894 kam das Schlossgut Ismaning bei München hinzu. Fünf Jahre später trennte sich Poschinger davon: Im April 1899 übertrug er Schloss Ismaning sowie das Gut Karlshof und das Torfwerk Zengermoos der Stadt München zur Errichtung einer wohltätigen Stiftung. Im Zuge des Verkaufs schenkte das Ehepaar dem Bayerischen Nationalmuseum die beiden Gemälde Hofkonzert in Ismaning und Hofkonzert in Lüttich von Peter Jakob Horemans, die sich seit der Barockzeit im Schloss befunden hatten.
mini|Hofkonzert in Ismaning von Peter Jakob Horemans, 1899 dem Bayerischen Nationalmuseum geschenktPoschinger erwarb daraufhin eine Villa in Tutzing und verbrachte dort die Sommermonate. Beigesetzt wurde er auf dem Tutzinger Friedhof. Das Familiengrabmal auf dem Friedhof der alten Pfarrkirche St. Peter und Paul entstand um 1910 und ist ein geschütztes Baudenkmal.Denkmalliste für Tutzing (PDF; 0,2 MB) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Stiftung Der Mindestwert der übertragenen Besitzungen wurde zeitgenössisch auf eine Million Mark beziffert, die Übertragung war mit Bedingungen wohltätigen Charakters verbunden.
Am 9. Februar 1900 entstand die Michael und Heriberta von Poschinger’sche Stiftung mit Sitz in München. Sie ist eine örtliche Stiftung des bürgerlichen Rechts, wird von der Landeshauptstadt München verwaltet und dient heute der Förderung von Kindern im Münchner Kindl-Heim und im Münchner Waisenhaus. Die Stiftungsurkunde ist im Stadtarchiv München überliefert.Stadtarchiv München, Bestand Land- und Forstwirtschaftsamt, Signatur DE-1992-LFA-139: Bewirtschaftung der städtischen Güter Ismaning, Zengermoos und Karlshof, 1900–1949; enthält die Stiftungsurkunde von Michael und Heriberta Poschinger.
Die jährlichen Erträge waren nach der Stiftungsurkunde wie folgt zu verteilen: 13,3 % an bedürftige Arbeiter der Glashütte Theresienthal, solange diese besteht – als monatliche Unterstützung für Erwerbsunfähige sowie zur Unterbringung von Arbeiterkindern in Waisen- und Erziehungshäusern 6,7 % an den Marktmagistrat Zwiesel für wohltätige und gemeinnützige Zwecke 25 % für die unentgeltliche Verpflegung unbemittelter Lungenkranker im städtischen Sanatorium Harlaching 20 % als Aussteuern von je etwa 750 Mark an Zöglinge des städtischen Kinderasyls (heute Münchner Kindl-Heim) und des städtischen Waisenhauses in München, ohne Unterschied des Geschlechts und der Konfession 10 % an den Verein für Arbeiterkolonien in Bayern (siehe Herzogsägmühle) 25 % zur Förderung billiger und gesunder Arbeiterwohnungen in München
Bürgermeister Wilhelm von Borscht würdigte die Stiftung in der Sitzung des Magistrats als „soziale Großthat“. Poschinger sei bei ihrer Errichtung „einzig und allein geleitet“ gewesen „von der Absicht, für all das Gute, was ihm die Vorsehung in seinem Leben und in seiner Familie erwiesen, zu danken, sowie erfüllt […] von dem Wunsche, das Glück derer zu fördern, die nicht mit materiellen Gütern gesegnet sind“. Auf Borschts Antrag beschloss die Versammlung, Poschinger den Dank der Gemeinde durch eine künstlerisch ausgestattete Adresse zu überbringen, die ihm eine Deputation aus Mitgliedern beider Gemeindekollegien überreichen sollte.
Bei Poschingers Beisetzung im Februar 1908 gingen Kinder des Münchner städtischen Kinderasyls im Trauerzug mit. Kränze widmeten unter anderem die Stadtgemeinde München, das Kinderasyl, das Sanatorium Harlaching, der Verein für Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München sowie die Arbeiter der Theresienthaler Kristallglasfabrik.
Bereits im Juni 1899 hatte sich Poschinger bereit erklärt, 3.000 Mark für den Bau einer Kinderbewahranstalt in Ismaning zu spenden. Die Gemeinde sollte die Mehrkosten tragen und die Spende zurückzahlen, falls der Bau unterbliebe. Die Pläne für ein „Kinderasyl“ als Anbau an das Mädchenschulhaus sind erhalten, umgesetzt wurde das Vorhaben jedoch erst zwanzig Jahre später.
Ehrungen Poschinger wurde zum königlich bayerischen Kommerzienrat ernannt und trug den Verdienstorden vom Heiligen Michael IV. Klasse.Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1900. München 1900, S. 55 (Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klasse, Inländer), . Das Hof- und Staatshandbuch von 1911 führt ihn in der IV. Klasse mit der Krone.Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1911. München 1911, S. 49 (Verdienstorden vom heiligen Michael, IV. Klasse mit der Krone). Seit 1906 ist die Poschingerstraße in München-Bogenhausen nach ihm benannt. Auch die Von-Poschinger-Straße in Ismaning erinnert an ihn.
Literatur Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908. Ingeborg Seyfert: Daten zur Glasgeschichte der Poschinger. Lindberg 1990.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Johann Michael 03 Johann Michael 03 Kategorie:Unternehmer (Bayern) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Stifter Kategorie:Person (Ismaning) Kategorie:Bayer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1834 Kategorie:Gestorben 1908 Kategorie:Mann