mini|alt=Porträtfoto, Farbbild|Antoinette Fouque Antoinette Fouque (geboren am 1. Oktober 1936 in Marseille; gestorben am 20. Februar 2014 in Paris) war eine französische Psychoanalytikerin, Politikerin und Feministin.
Leben Ihr Vater, Alexis Grugnardi, war Gewerkschafter, Kommunist und Anarchist. Ihre Mutter, die aus Kalabrien stammte, wanderte aus wirtschaftlichen Gründen nach Frankreich aus und ließ sich in einem Arbeiterviertel von Marseille nieder.Siehe Weblink Maitron.
Nach ihrem Studium der Geisteswissenschaften in Aix-en-Provence heiratete Antoinette Grugnardi René Fouque. Sie zog nach Paris, um an der Sorbonne Literaturwissenschaft zu studieren. In den 1960er Jahren schrieb sie sich an der École pratique des hautes études ein, um eine Dissertation über die literarischen Avantgarden zu verfassen, die sie nach eigenen Angaben jedoch nie fertigstellte.Siehe Werkliste Il y a deux sexes 2004, S. 26. Sie zog stattdessen das Engagement an der Seite der Frauen vor. Allerdings absolvierte sie nach eigenen Angaben ein „Diplôme d’études approfondies bei Roland Barthes“.Siehe Literaturliste Bourseiller 2009, S. 147.
1964 brachte sie eine Tochter, Vincente, zur Welt. Dies trug dazu bei, dass sie sich der Schwierigkeiten bewusst wurde, mit denen Frauen konfrontiert sind, sobald sie Mütter und verheiratet sind, insbesondere im intellektuellen Milieu.Siehe Weblink Radiofrance; À voix nue 2/5. Sie sagte auch, dass ihr die Unüberwindbarkeit des Geschlechtsunterschieds und die spezifische Kompetenz der Frauen, nämlich die Schwangerschaft, bewusst geworden sei.Siehe Werkliste Génération MLF 2008, S. 16.
Feminismus mini|alt=Demonstrationsplakat mit der (hier übersetzten) Aufschrift: „Wenn iranische Frauen ihre Fesseln sprengen, schreiten Frauen auf der ganzen Welt mit ihnen voran. (Antoine Fouque, MLF, 1979) Alliance des Femmes pour la Démocratie“|Iran-Demonstration in Paris, 17. Januar 2026 Antoinette Fouque war überrascht über das vorherrschende Machotum in intellektuellen und aktivistischen Kreisen zur Zeit des Mai 1968 und diese Feststellung war der Ausgangspunkt für ihr Engagement in der Frauenbewegung.Siehe Weblink Radiofrance, À voix nue. Bereits 1968 beteiligte sie sich an der Seite der Schriftstellerin Monique WittigSie hatte Wittig bei Barthes kennengelernt; siehe dazu Literaturliste Bourseiller 2009, S. 40. an einer der verschiedenen Gruppen, die sich schließlich zur Frauenbefreiungsbewegung zusammenschlossen.
Das Mouvement de libération des femmes (MLF, Frauenbefreiungsbewegung) verstand sich weder als Organisation noch als Verein (keine Mitgliedskarten, kein gewähltes Präsidium, keine Vertreterin), sondern als Ort der Diskussion und des individuellen Wortes von Frauen untereinander, wobei das Kollektiv geschlechtergetrennt war. Innerhalb des MLF leitete sie die Strömung „Psychoanalyse und Politik“, einen Ort der Begegnung und des Austauschs, der sich aus einer zugleich psychoanalytischen und revolutionären Perspektive für die Befreiung der Frauen einsetzte. Diese Verknüpfung von Unbewusstem und Geschichte – Psychoanalyse und Politik – machte die Besonderheit eines Teils der französischen Bewegung aus. Im April 1971 unterzeichnete sie das Manifest der 343 für das Recht auf Abtreibung.
Psychoanalyse Antoinette Fouque geht von der Existenz einer spezifisch weiblichen Libido aus, die sich „in einem postphallischen genitalen Stadium befindet“ und oral-genitaler Art ist: eine „uterine Libido“ oder „weibliche Libido“, die sie als „Libido 2“ und später, in den 2000er Jahren, als „Libido creandi“Vom lateinischen Verb creare, das sowohl erschaffen als auch Zeugung bedeutet. bezeichnete. Damit möchte sie die Grundlagen für eine Theorie der Genitalität legen, an deren Schwelle Sigmund Freud und Jacques Lacan stehen geblieben seien. Indem sie Psychoanalyse und Politik miteinander verknüpft, vertritt sie die Ansicht, dass der Frauenfeindlichkeit der ursprüngliche Neid auf die Fortpflanzungsfähigkeit der Frauen zugrunde liege. Laut Bibia Pavard ist für Fouque das weibliche Begehren als „Penisneid“ nach Freud eine Reduktion und eine Verschleierung dessen, was sie als „Neid auf die Gebärmutter“ bei Jungs bezeichnet.Siehe Werkliste Il y a deux sexes 2004.
Nach Ansicht der Psychoanalytikerin Martine Menès interessierte sich Lacan zwar für die Debatten der MLF, lehnte jedoch den von Fouque geprägten Begriff einer spezifisch weiblichen Libido ab, ohne dabei die Besonderheit einer weiblichen Sexualität zu leugnen.
Antoinette Fouque widerspricht der Vorstellung, dass Frauen unvollendete Männer seien, und sieht darin die Quelle der Frauenfeindlichkeit, die ihrer Meinung nach „in allen Bereichen zu realer und symbolischer Gewalt gegen Frauen“ führe.Siehe Werkliste Il y a deux sexes 2004. Diese Dimension der politischen Analyse, die in den Ansatz der Psychoanalyse integriert ist, charakterisiert dieses neue „epistemologische Feld in den Frauenwissenschaften“, das Antoinette Fouque als „Féminologie“ bezeichnet.
Élisabeth Roudinesco sagte: „Die Strömung (der MLF), die sie vertritt, ist im Übrigen die einzige, die den Freudschen Diskurs wirklich hinterfragt, ohne ihn von vornherein als reinen Phallokratismus abzutun, wie es viele Beauvoir-Anhängerinnen tun“. Sie fügte hinzu: „Für sie wird man nicht zur Frau, man ist Frau. Aber ebenso gut findet man sich als Frau wieder, indem man das phallische oder feministische Stadium hinter sich lässt, eine Sexualität, die nach dem Bild des väterlichen Phallus gestaltet ist“. Darüber hinaus betont Antoinette Fouque die „Produktion des Lebendigen“ als grundlegenden Beitrag der Frauen zur Menschheit, wie die französische Psychoanalytikerin Janine Chasseguet-Smirgel schreibt.
Sie war nach eigenen Angaben als Psychoanalytikerin tätig, einige Zeit davon in den USA.Siehe Weblink Radiofrance; À voix nue 3/5.
Verlegerin und weitere Aktivitäten Fouque arbeitete als Lektorin bei Seuil. 1972 gründete sie gemeinsam mit Aktivistinnen der Gruppe „Psychanalyse et Politique“ und dank der finanziellen Unterstützung der Aktivistin und Mäzenin Sylvina Boissonnas den Verlag Éditions des femmes. Es folgten Buchhandlungen in Paris, Marseille und Lyon sowie mit Bibliothèque des voixSiehe weiterführend zu dieser vielfach preisgekrönten Reihe in der frankophonen Wikipédia Bibliothèque des voix. die erste Hörbuchreihe (für Erwachsene) in Frankreich. Des Weiteren arbeitete sie bei verschiedenen Zeitungen wie Le Quotidien des femmes und danach Des femmes en mouvements mit.
Antoinette Fouque gründete 1978 das Collège de Féminologie, 1980 das Institut de recherches en sciences des femmes (Forschungsinstitut für Frauenforschung) und 1990 den Club Parité 2000. Sie erwarb 1992 einen Doktortitel in Politikwissenschaft.
Politik 1994 wurde sie bei der Europawahl auf Bernard Tapies Liste Énergie radicale in das Europaparlament gewählt. Sie gehörte dort der Parti radical de gauche an. Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 rief sie zur Wahl von Ségolène Royal auf.
Tod Antoinette Fouque wurde auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt.
Kritik Antoinette Fouque ließ das Kürzel MLF (Mouvement de libération des femmes) als Marke schützen, was die Bewegung spaltete und als Aneignung einer Idee durch eine Person kritisiert wurde. 2008 kam es zu einer Kontroverse, als Fouque den 40. Jahrestag des MLF ausrief und ihr darauf vorgeworfen wurde, sie würde sich die Gründung der Frauenbewegung zu eigen machen.
Von verschiedener Seite wurde ihr vorgeworfen, dass sie den Beruf eines Psychoanalytikers und den feministischen Aktivismus vermengt habe. Dabei stand auch der Vorwurf der Bereicherung im Raum.
Auszeichnungen mini|alt=Blick auf die im 20. Arrondissement liegende Straße, eine kleine, ruhige Allee.|Rue Antoinette Fouque, Paris Sie wurde 2006 als Kommandeur der Ehrenlegion ausgezeichnet. Derselbe Titel wurde ihr 2009 vom Ordre des Arts et des Lettres verliehen.. In: culture.gouv.fr. 12. April 2010. 2010 wurde ihr der Ordre national du Mérite im Rang eines Großoffiziers verliehen.
Eine Vielzahl von Straßen sind nach ihr benannt. 2026 wurde der Verdienstpreis Prix Antoinette Fouque ins Leben gerufen.
Werke
Literatur
Weblinks
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Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Verleger Kategorie:Psychoanalytiker Kategorie:Mitglied des Europäischen Parlaments für Frankreich Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Kommandeur) Kategorie:Träger des französischen Nationalverdienstordens Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Frau