mini|300px|Römischer Bergbaubezirk Stolberg Der Römische Bergbaubezirk Stolberg bezeichnet mehrere archäologische Fundstellen auf dem Gebiet der nordrhein-westfälischen Stadt Stolberg in der Städteregion Aachen, an denen in römischer Zeit Bergbau sowie Metallgewinnung und -verarbeitung stattgefunden hat.
Lage, Geologie und Geomorphologie Die Spuren römischen Bergbaus im Raum Stolberg konzentrieren sich im Wesentlichen auf drei Bereiche westlich, südlich und östlich der Kernstadt. Diese Bereiche beinhalten Lagerstätten von Galmei (ZnO, ZnCO₃), Bleiglanz (PbS), Eisenoxiden (FeO, Fe₂O, Fe₂O₃, Fe₃O₄), Schwefelkies (FeS₂), sowie Steinkohle, die am dort verlaufenden Nordrand der Eifel an die Oberflächen treten. Schon vor über 2000 Jahren wussten sich die Menschen diese Vorkommen sowohl durch Tagebau (Pinge) als auch durch untertägigen Abbau (Stollen) zunutze zu machen, zum Teil vor Ort zu verhütten oder von dort aus vor allem an den Rhein zu exportieren.August Voigt: Gressenich und sein Galmei in der Geschichte. Eine historisch-lagerstättenkundliche Untersuchung. In: Bonner Jahrbücher 155/156, 2, 1955/1956, S. 318–335, (Digitalisat).Walter Sölter: Archäologische Untersuchungen zur antiken Wirtschaft und Technik in der Nordeifel. In: RGZM (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 25, Nordöstliches Eifelvorland. Teil I: Einführende Aufsätze. Zabern, Mainz 1974, ISBN 3-8053-0140-5, S. 50–68. Die Lagerstätten befinden sich zumeist um Geländeerhebungen, wie dem Schlangenberg,Pingenfeld Schlangenberg bei dem BrockenbergPingenfeld Brockenberg bei und dem Bereich um die neuzeitliche Erzgrube Diepenlinchen.Erzgrube Diepenlinchen bei
Archäologische Befunde Die westliche Fundkonzentration liegt im Bereich des Naturschutzgebiets Brander Wald, westlich von Münsterbusch und östlich von Aachen-Brand, die südliche zwischen dem Vichttal und Breinig und die westliche im Bereich von Gressenich. Ferner liegen im Großraum auch noch nichtbergmännische Befunde im Raum Atsch und bei Kornelimünster vor.
Schlangenberg bei Breinigerberg mini|Pingenlandschaft am Schlangenberg (2011) Der Schlangenberg ist eine auf 276 m NHN gelegene Hügelkuppe am östlichen Rand des Stadtteils Breinigerberg, mit einem Durchmesser von rund 650 m an der Basis und einem 50 m mal 30 m messenden Plateau, die sich an drei Seiten rund 30 m über das umliegende Land erhebt. Lediglich nach Nordosten hin hat sie Anschluss an einen bis zum Vichttal reichenden Höhenrücken, dessen Geländeoberfläche jedoch durch neuzeitliche Tagebaue und Steinbrüche gestört ist. Der Schlangenberg weist eine der größten Konzentrationen an Galmei, Blei- und Eisenerzen am Nordrand der Eifel aus, die bereits in der Frühen Kaiserzeit ausgebeutet und zumindest teilweise vor Ort verarbeitet wurden. Darauf weisen neben den Pingen und Stollen auch die Befunde der sogenannten „Knappensiedlung“ hin, eines kleinen Vicus' von Berg- und Hüttenarbeitern, der bereits in den 1920er Jahren zwischen Breinig und Breinigerberg ergraben wurde und der sich beiderseits einer von VarnenumVarnenum bei über Breinig, Breinigerberg und Mausbach zum Vicus Gressenich führenden römischen Straße erstreckt, deren Verlauf in etwa dem der heutigen Landstraße 12 („Essiger Straße“/„Kurt-Schuhmacher-Straße“) entspricht. Die Siedlungsbefunde zeigten langrechteckige Streifenhäuser, die offenbar nicht nur als Wohn-, sondern auch als Verhüttungsstätten genutzt worden waren. Das Fundmaterial reicht zurück bis in das erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und reicht bis ans Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung und ist damit deckungsgleich zum Fundmaterial vom Schlangenberg selbst, dessen jüngste Fundmünze eine Prägung des Domitian aus den Jahren 92/93 ist.Hartwig Löhr, Volker Zedelius: Der „Schlangenberg“. Ein Platz der frührömischen Okkupation bei Stolberg-Breinigerberg, Kreis Aachen. In: Ausgrabungen im Rheinland '79. Rheinland Verlag, Köln 1980, ISBN 3-7927-0531-1, S. 93–99.Heinz-Günter Horn: Stolberg-Breinigerberg AC. Römisches Pingenfeld. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 602 f.
Brockenberg bei Büsbach mini|Pingenlandschaft am Brockenberg (2007) mini|Galmei; Fund- und Aufbewahrungsort unbekannt Nur rund einen Kilometer nordnordöstlich des Schlangenbergs, jenseits des südöstlichen Ortsrands von Büsbach, befindet sich der auf 260 m NHN gelegene Brockenberg an der Oberfläche eines devonischen Kalksteinrückens im gleichnamigen Naturschutzgebiet. Wie am Schlangenberg zeugen Pingen vom jahrtausendelangen Übertagebau der Mineralien und darüber hinaus Schächte und Stollen vom Untertagebau ab dem 2./3. Jahrhundert.Heinz-Günter Horn: Stolberg-Büsbach AC. Römische Bergbauspuren. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 603.
Brander Wald bei Münsterbusch Am westlichen Ortsrand von Münsterbusch, rund 600 m südlich der „Buschmühle“ im „Brander Wald“, östlich dem Aachener Stadtteil Brand, wurde ein Pingenbereich identifiziert, in dem in römischer Zeit Steinkohle abgebaut worden war.Fundstellen Brander Wald weitläufig um Die Kohle wurde vermutlich an Ort und Stelle zur Verhüttung von Eisenerz genutzt, worauf der Befund einer 0,40 m mächtigen Schicht aus Eisenschlacke weist, deren Hitzewirkung den anstehenden Lehmboden teilweise verziegeln ließ. In der unmittelbaren Nähe konnten die Mauerzüge eines schiefergedeckten Steingebäudes nachgewiesen werden. Das Fundmaterial datiert den Werkplatz auf das zweite Jahrhundert.Heinz-Günter Horn: Aachen-Brand AC. Römischer Eisenverhüttungsplatz. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 328.Heinz-Günter Horn: Stolberg-Münsterbusch AC. Römische Pingenfeld. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 604.
Würselener Wald bei Atsch Nordöstlich des Stolberger Stadtteiles Atsch – im Würselener Wald – zeichneten sich einst zwei Teilstücke der römischen Straße im Gelände ab, die von Aquae Granni (Aachen) nach Iuliacum (Jülich) führte.Fundstellen Würselener Wald weitläufig um Die beiden Abschnitte konnten, teils als Damm, teils als Graben über jeweils rund 150 m Länge nachverfolgt werden. Rund 20 m nördlich dieser Trasse befand sich ein vereinzelter, heute verflachter, zum Zeitpunkt seiner Entdeckung noch 0,35 m hoher und zwölf Meter durchmessender römischer Grabhügel. In Atsch selbst, auf dem Grundstück des Igelwegs 8, wurden im Jahr 1977 insgesamt zehn römische Brandgräber freigelegt.Gräberfeld Atsch, Igelweg 8 bei Jahresbericht des Staatlichen Vertrauensmanns für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer vom 1. Januar bis 31. Dezember 1977. In: Bonner Jahrbücher 179, 1979, S. 707–712 (Digitalisat). Die Gräber datieren in den Zeitraum von der Mitte des zweiten bis zur Mitte des dritten Jahrhunderts.Heinz-Günter Horn: Stolberg-Atsch AC. Römischer Grabhügel. Römische Straße. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 602.Joseph Hagen: Römerstraßen der Rheinprovinz. Schroeder, Bonn 1931², S. 250–254 (Digitalisat).
Erzgrube Diepenlinchen und Vicus Gressenich Die östlichsten Erzvorkommen im Stolberger Raum befanden sich in der antiken Zeit im Einzugsbereich der neuzeitlichen Erzgrube Diepenlinchen im Mausbacher Ortsteil Diepenlinchen auf einer Höhe von rund 296 m NHN. Unweit östlich lag der vom ersten bis zum vierten Jahrhundert besiedelte Vicus Gressenich (in der Antike: Crasciniacum),Vicus Gressenich weitläufig um in dem nachgewiesenermaßen Galmei zu Zink reduziert und anschließend zu Messing und seinen Endprodukten weiterverarbeitet und gehandelt wurde.Thomas Ibeling: Grabungsbericht zur Maßnahme NW 2002/1078. Stolberg-Gressenich, Städteregion Aachen. Wurzel, Jülich 2003.
Wehebachtalsperre Heute von der Wehebachtalsperre überflutet sind mehrere Fundstellen am Abhang nordwestlich der Roten Wehe. Dort wurden noch 1979 vom Arbeitskreis Geschichte der VHS Hürtgenwald in Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn mehrere, 15 m bis 20 m messende römische Eisenverhüttungsplätze durch Schlacken-, Verziegelungs- und Holzkohleschichten festgestellt.Jahresbericht des Staatlichen Vertrauensmanns für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer vom 1. Januar bis 31. Dezemberg 1979. In: Bonner Jahrbücher 181, 1981, S. 538 (Digitalisat).
Villa rustica Hastenrath Zwischen Stolberg und Eschweiler wurden 1980 rund einen Kilometer südöstlich von Hastenrath, im Bereich der aufgelassenen, ehemaligen Grube Albert römische Mauerzüge untersucht, die zu einem mindestens zweiphasigen Großgebäude aus der Zeit des zweiten bis dritten Jahrhunderts gehörten. Das Gebäude war mit seiner Frontalseite, von der noch eine Länge von 17,5 m mit Resten des südlichen Eckrisaliten festgestellt werden konnte, nach Osten zum Tal hin ausgerichtet. Aufgrund seiner Baustruktur wurde es als Villa rustica angesprochen. Mindestens ein Raum war mit einem Hypokaustum ausgestattet. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wurde das ursprüngliche Gebäude von einem Schadfeuer vernichtet, wovon eine dicke Brandschuttschicht zeugt, danach aber wieder auf den Resten des alten Gebäudes neu aufgebaut.Jahresbericht des Staatlichen Vertrauensmanns für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer vom 1. Januar bis 31. Dezemberg 1980. In: Bonner Jahrbücher 182, 1982, S. 492 f. (Digitalisat).Jahresbericht des Staatlichen Vertrauensmanns für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer vom 1. Januar bis 31. Dezemberg 1981. In: Bonner Jahrbücher 183, 1983, S. 639 f. (Digitalisat).Ausgrabungen und Funde 1989. In: Bonner Jahrbücher 191, 1991, S. 554 f. (Digitalisat).
Siehe auch Aquae Granni Porcetum Varnenum
Literatur Joseph Hagen: Römerstraßen der Rheinprovinz. Schroeder, Bonn 1931², S. 250–254 (Digitalisat). Heinz-Günter Horn: Aachen-Brand AC. Römischer Eisenverhüttungsplatz. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 328. Heinz-Günter Horn: Stolberg-Atsch AC. Römischer Grabhügel. Römische Straße. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 602. Heinz-Günter Horn: Stolberg-Breinigerberg AC. Römisches Pingenfeld. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 602 f. Heinz-Günter Horn: Stolberg-Büsbach AC. Römische Bergbauspuren. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 603. Heinz-Günter Horn: Stolberg-Münsterbusch AC. Römische Pingenfeld. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Ausgabe von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 604. Antonius Jürgens: Die Außenstelle des Rheinischen Landesmuseums in Zülpich. In: Ausgrabungen im Rheinland 1979/80. Rheinland Verlag, Köln 1981, ISBN 3-7927-0601-6, S. 32. Hartwig Löhr, Volker Zedelius: Der „Schlangenberg“. Ein Platz der frührömischen Okkupation bei Stolberg-Breinigerberg, Kreis Aachen. In: Ausgrabungen im Rheinland '79. Rheinland Verlag, Köln 1980, ISBN 3-7927-0531-1, S. 93–99. Walter Sölter: Archäologische Untersuchungen zur antiken Wirtschaft und Technik in der Nordeifel. In: RGZM (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 25, Nordöstliches Eifelvorland. Teil I: Einführende Aufsätze. Zabern, Mainz 1974, ISBN 3-8053-0140-5, S. 50–68. August Voigt: Gressenich und sein Galmei in der Geschichte. Eine historisch-lagerstättenkundliche Untersuchung. In: Bonner Jahrbücher 155/156, 2, 1955/1956, S. 318–335 (Digitalisat).
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