Mirjam Josephsohn (* 1928 in Furtwangen) ist eine Schweizer Philologin, Übersetzerin und Sprachlehrerin. Sie lebt seit 1946 in Zürich.
Leben Mirjam Josephsohn ist als nichteheliche Tochter des Philosophen Ernst Bloch unter dem Namen Abeles geboren. Ihre Mutter Frieda Abeles emigrierte 1933 mit ihr ins Tessin, wo Mirjam die italienischsprachige Volksschule in Ascona und die Mittelschule in Locarno besuchte. 1946 zog sie nach Zürich, um dort 1948 die Matura an der Höheren Töchterschule abzulegen. Ab dem Wintersemester 1948/49 studierte sie an der Universität Zürich Französisch, Italienisch und Komparatistik. Das Wintersemester 1951/52 verbrachte sie in Paris. 1954 heiratete sie den Bildhauer Hans Josephsohn. Im Februar 1956 wurde sie auf Antrag von Theophil Spoerri mit einer Arbeit über Antoine-François Prévost, genannt Abbé Prévost, zur Dr. phil. promoviert. 1962 bekam das Ehepaar einen Sohn. 1967 wurde die Ehe geschieden, ohne weitere Auswirkung auf den Namen. Mirjam Josephsohn unterrichtete etliche Jahre Französisch und Italienisch in der Erwachsenenbildung AKAD und war auch Mitglied der Schulleitung.
Veröffentlichungen mini|hochkant=0.6|Josephsohns Lehrbuch Französisch I Ende der 1950er Jahre begann Mirjam Josephsohn, für den S. Fischer Verlag aus dem Französischen zu übersetzen: mehrere Essays von Jean Starobinski sowie den Roman Der letzte der Gerechten von André Schwarz-Bart. Le dernier des justes war 1959 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden. Der deutsche Verlag bemühte sich um eine schnelle Übersetzung, die von dem gerade erst eingetretenen Berufsanfänger Klaus Wagenbach lektoriert wurde. Mit dem broschierten Leseexemplar wurde der Buchhandel derart geflutet, dass auch fast 70 Jahre später immer wieder Stücke auf dem Gebrauchtwarenmarkt auftauchen. Dabei enthält es haarsträubende Fehler. Der renommierte Originalverlag Éditions du Seuil wurde «Senil» geschrieben, was empörte Reaktionen aus Paris nach sich zog. Insbesondere ist auch der Name der Übersetzerin falsch wiedergegeben, nämlich am Ende -son ohne h. Dieser Fehler wurde niemals korrigiert, weder in der gebundenen Fischer-Buchhandelsausgabe, noch in der zeitnahen Lizenz für den Verlag Volk und Welt in der DDR und auch nicht im Fischer-Taschenbuch.
Mirjam Josephsohn erstellte während ihrer Tätigkeit bei der Akademikergemeinschaft eigene Methoden für den Französisch- und Italienischunterricht.
Bibliographie als Übersetzerin Jean Starobinski: Racine und die Poetik des Blicks. Übertragen von Mirjam Josephsohn. In: Die Neue Rundschau, 69. Jahrgang 1958, S. 655–669. André Schwarz-Bart: Der letzte der Gerechten. Roman. Deutsch von Mirjam Josephso[h]n. S. Fischer, Frankfurt am Main 1960. Jean Starobinski: Jean-Jacques Rousseau und die List der Begierde. Aus dem Französischen von Mirjam Josephsohn. In: Die Neue Rundschau, 72. Jahrgang 1961, S. 118–142. Jean Starobinski: Montaigne oder die Bekehrung zum Leben. Deutsch von Mirjam Josephsohn. In: Die Neue Rundschau, 73. Jahrgang 1962, Seiten 384–401. als Autorin unter Mitarbeit von Irène von Niederhäusern: Französisch I. Akademikergemeinschaft, Zürich 1962/63. Die Romane des Abbé Prévost als Spiegel des 18. Jahrhunderts. Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. P. G. Keller, Winterthur 1966. unter Mitarbeit von Traugott Naunin: Italienisch I. Akademikergemeinschaft, Zürich 1968. Italienisch II. Akademikergemeinschaft, Zürich 1969. mit G. Del Lungo, Traugott Naunin: Italienisch 3. Akademikergemeinschaft, Zürich 1970. Ascona in Zeiten der Emigration. In: Romantik und Exil. Festschrift für Konrad Feilchenfeldt. Hrsg. von Claudia Christophersen und Ursula Hudson-Wiedenmann in Zusammenarbeit mit Brigitte Schillbach. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2673-X, S. 406–415.
Einzelnachweise
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