Jean Cotelle der Jüngere (getauft 8. April 1646 in Paris; † 24. September 1708 in Villiers-sur-Marne) war ein französischer Maler, Kupferstecher, Miniaturmaler und Dekorationskünstler. Er ist vor allem für seine Gemäldeserie in der nach ihm benannten Galerie des Grand Trianon in Versailles bekannt.
Leben mini|Jean Cotelle, Vue de la Salle de Bal avec Armide couronnant Renaud, 1688 Jean Cotelle war der Sohn des Malers Jean Cotelle des Älteren, in dessen Werkstatt er die ersten Grundlagen des Zeichnens erlernte. Seine weitere Ausbildung erhielt er bei der Miniaturmalerin Élisabeth-Sophie Chéron sowie beim Porträtmaler Claude Lefebvre. Er reiste nach Italien und hielt sich in den 1660er- und frühen 1670er-Jahren mehrfach in Rom auf, was für die Jahre 1665, 1668 und 1670 belegt ist. Aus dieser Zeit stammt sein Porträt des befreundeten Malers Pierre Paul Sevin, das später von Cornelis Vermeulen gestochen wurde. In Toulouse arbeitete er mit seinem Schwager François de Troy an einem Gemälde der Mariengeburt für die Kapelle Notre-Dame du Mont-Carmel zusammen, welches als verschollen gilt. Im Jahr 1671 wurde Jean Cotelle zunächst als Miniaturmaler in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. Am 4. April 1671 präsentierte er die Miniatur Raub der Sabinerinnen (verschollen), am 10. Oktober 1672 erfolgte seine eigentliche Aufnahme mit der Miniatur L’Entrée du roi et de la reine à Paris sous des figures allégoriques (ebenfalls verschollen). 1673 beteiligte er sich an einer von der Akademie organisierten Ausstellung mit einem Landschaftsbild (Moses und die Pharaonentochter) und einer Miniatur (Eine Opferung).
1674 heiratete er Marie Amelot, die Tochter des Pariser königlichen Sachverständigen für Maurerarbeiten (juré du Roy des œuvres de maçonnerie) Jean-Baptiste Amelot. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1706 in zweiter Ehe Jacqueline Bouquet de Bremont. mini|Galerie Cotelle im Grand Trianon von Versaillesmini|hochkant|Jean Cotelle der Jüngere, Vue de l’entrée du bosquet du Labyrinthe avec des nymphes et des amours prenant des oiseaux dans leurs filets. Schloss Versailles, Grand Trianon In den 1670er Jahren arbeitete Jean Cotelle unter anderem für den Pariser Teppichhändler Simon Lebel, für den er ein heute verschollenes Deckengemälde mit Venus, drei Grazien und Amoretten schuf. Zusammen mit Pierre Bedeau und Sylvain Bonnet malte er außerdem ein vierbändiges Manuskript zu den Feldzügen Ludwigs XIV. zwischen 1675 und 1678 aus. Im Jahr 1679 dekorierte er im nicht erhaltenen Hôtel prieural du Temple Räume für Philippe III. de Vendôme, und 1681 entstand als Maigeschenk für die Kathedrale Notre-Dame in Paris das Gemälde Die Hochzeit zu Kana, das später von Nicolas-Henri Tardieu gestochen wurde. Für den Duc d’Orléans arbeitete Jean Cotelle wiederholt am Schloss Saint-Cloud. Unter anderem schuf er mythologische Darstellungen zum Thema Venus und Äneas für das Cabinet des Bijoux. Diese sind durch Stiche von Tardieu und Jean-Baptiste Massé überliefert.
Den bedeutendsten Auftrag seiner Laufbahn erhielt Jean Cotelle im Jahr 1688 von Louis XIV. für das Grand Trianon. Im Rahmen der Ausgestaltung der dortigen Galerie schuf er 21 Ölgemälde mit Ansichten der Gärten und Bosketts von Versailles, die er um mythologische Figuren ergänzte. Zu den Gemälden existieren auch entsprechende Gouache-Entwürfe. Die Ausführung erfolgte im Wesentlichen zwischen 1688 und 1691; zwei weitere Gemälde des Zyklus stammen von Étienne Allegrain und eines von Jean-Baptiste Martin. Nach zwei der Gemälde fertigte Louis Simonneau Kupferstiche an.
Zwischen 1690 und 1691 arbeitete Jean Cotelle im Auftrag von Henri-Jules de Bourbon, Prinz von Condé, für das Schloss Chantilly (die Gemälde sind verschollen). Zwischen 1693 und 1703 hielt sich Jean Cotelle nicht in Paris auf. Von 1696 bis 1699 war er in Marseille tätig, wo er den großen Rathaussaal ausmalte und von 1697 bis 1698 zweiter Direktor der dortigen Oper war. Im Jahr 1701 leitete er zusammen mit dem Bildhauer Jean Péru die Ausgestaltung von Avignon anlässlich des Einzugs der Herzöge von Burgund und Berry. Louis David stach drei zugehörige Zeichnungen. Ende 1703 kehrte Cotelle nach Paris zurück. Am 17. März 1704 wurde er zum Adjoint à Professeur an der Akademie gewählt. Im selben Jahr war er mit zehn Gemälden, darunter sechs Landschaften, an einer Ausstellung beteiligt. 1705 schenkte er der Akademie eine Folge von Radierungen zur Geschichte der Venus. Gegen Ende seines Lebens zog sich Jean Cotelle aus gesundheitlichen Gründen nach Villiers-sur-Marne zurück, wo er am 24. September 1708 im Alter von 66 Jahren starb.
Werk mini|hochkant|Jean Cotelle der Jüngere, L’enlèvement de Proserpine. Nationales Historisches Museum Athen Jean Cotelle war als Historien-, Landschafts-, Porträt- und Dekorationsmaler sowie als Miniaturmaler und Kupferstecher tätig. Sein Hauptwerk bilden die 21 Gemälde und zugehörigen Gouache-Entwürfe für die Galerie des Grand Trianon in Versailles (in situ). Weitere Werke sind das Gemälde Aufbruch des Adonis zur Jagd in der Eremitage in Sankt Petersburg sowie Die Hochzeit zu Kana (1681) in der Kirche St-Pierre in Yssingeaux (Haute-Loire). Seit den 1960er Jahren gelangten mehrere Gemälde, Gouachen und Zeichnungen aus Privatbesitz in den Kunsthandel. Zeichnungen von Jean Cotelle befinden sich unter anderem im British Museum in London, an der École nationale supérieure des beaux-arts sowie im Louvre in Paris. Weitere ihm zugeschriebene Werke in öffentlichen Sammlungen bedürfen laut AKL noch der kunsthistorischen Überprüfung. Als Kupferstecher schuf Jean Cotelle unter anderem eine Folge von Darstellungen zur Geschichte der Venus sowie eine größere Zahl von Illustrationen biblischer Szenen. Stilistisch wird sein Werk mit dem Einfluss Francesco Albanis sowie der Schule von Fontainebleau in Verbindung gebracht.
Literatur
Béatrice Sarrazin (Hrsg.): Jean Cotelle (1646–1708). Des jardins et des dieux. Ausstellungskatalog, Musée national du Château de Versailles et de Trianon, Grand Trianon, 12. Juni–16. September 2018, Liénart, Paris 2018. Jacqueline de Lacroix-Vaubois: Les Cotelle. Biographie de Jean I Cotelle. Mémoire de maîtrise, Université Paris IV-Sorbonne, unter der Leitung von Antoine Schnapper, 1998. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Weblinks
Jean II Cotelle (1642–1708) bei chateauversailles.fr Ausstellungsseite Jean Cotelle (1646–1708). Des jardins et des dieux
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Kupferstecher (Frankreich) Kategorie:Miniaturmaler Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1646 Kategorie:Gestorben 1708 Kategorie:Mann