Robert A. Siegel (* 1913; † 3. Dezember 1993) war ein US-amerikanischer Philatelist, Briefmarkenhändler und Auktionator. Er gründete die Robert A. Siegel Auction Galleries, ein auf Briefmarken und postgeschichtliche Belege spezialisiertes Auktionshaus. Während seines Berufslebens leitete Siegel 756 Auktionen.

Siegel versteigerte unter anderem bedeutende US-amerikanische Sammlungen und die British Guiana 1¢ magenta, die bei seinen Auktionen 1970 und 1980 jeweils einen neuen Preisrekord für eine einzelne Briefmarke erzielte. Das nach seinem Tod fortgeführte Auktionshaus verkaufte weitere bekannte Raritäten wie den Dawson-Brief, mehrere Exemplare der Inverted Jenny, den brasilianischen „Pack Strip“ und seltene US-amerikanische Marken mit Z Grill. Mehrere dieser Stücke sind in der Liste bekannter philatelistischer Objekte und der Liste der teuersten philatelistischen Objekte verzeichnet.

Leben und berufliche Anfänge Als Jugendlicher lebte Siegel in Kansas City und begann während der Weltwirtschaftskrise vom Haus seiner Eltern in der Harrison Street aus mit Briefmarken zu handeln. Zeitweise unterhielt er einen Briefmarkenstand im hinteren Bereich einer Filiale der Einzelhandelskette S. S. Kresge. Im Jahr 1930 gründete er in Kansas City das später als Robert A. Siegel Auction Galleries firmierende Unternehmen.

Seine erste Auktion war eine Fernauktion mit 160 Losen, die am 28. Mai 1931 endete. Angeboten wurden überwiegend US-amerikanische Briefmarkenbestände, darunter Bögen und Blöcke der 1929 erschienenen Kansas-Aufdruckausgabe. Noch im selben Jahr mietete Siegel sein erstes Büro im Shukert Building in der Innenstadt von Kansas City; 1932 zog das Geschäft in die Main Street um.

Im Jahr 1934 verlegte Siegel den Hauptteil seines Geschäfts nach New York City. Seine 25. Versteigerung am 17. Oktober 1934 war zugleich die erste öffentliche Saalauktion des Unternehmens. Sie fand in Siegels Büro in der Nassau Street statt, die damals ein Zentrum des New Yorker Briefmarkenhandels war. Eine Niederlassung in Kansas City bestand zunächst weiter.

Siegel eröffnete 1935 ein Geschäft im Rockefeller Center. Da dort keine öffentlichen Versteigerungen zugelassen waren, führte er zunächst wieder ausschließlich Fernauktionen durch. Ab 1938 veranstaltete er erneut Saalauktionen; 1940 bezog das Unternehmen Räume an der Fifth Avenue. Die nun regelmäßig stattfindenden öffentlichen Auktionen umfassten zunehmend seltene Briefmarken, Einheiten, besondere Entwertungen und Ganzstücke.

Ausbau des Auktionshauses In den 1950er- und 1960er-Jahren versteigerte Siegel zahlreiche bedeutende Sammlungen US-amerikanischer Briefmarken. Dazu gehörten die Bestände von Clarence W. Brazer, Saul Newbury, Clifford C. Cole, Morton D. Joyce und Josiah K. Lilly Jr.

Die Sammlung von Josiah K. Lilly Jr. wurde 1967 und 1968 in zehn Auktionen aufgelöst. Die Versteigerungen erzielten zusammen 3.144.752 US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Siegel zu den international bekannten Auktionatoren für hochwertige Briefmarkensammlungen.

Rarities of the World Am 27. Februar 1964 veranstaltete Siegel erstmals eine Auktion unter der Bezeichnung Rarities of the World. Das Konzept bestand darin, eine begrenzte Zahl besonders seltener und wertvoller philatelistischer Objekte in einer jährlichen Spezialauktion zusammenzuführen. Die erste Versteigerung fand im Crystal Room des Plaza Hotels statt und umfasste 166 Lose. Ein Mittelstück-Viererblock der Inverted Jenny erzielte 67.000 US-Dollar. Die Auktionsreihe wurde anschließend regelmäßig fortgeführt.

mini|hochkant=1.1|Die British Guiana 1¢ magenta, die Siegel 1970 und 1980 zu damaligen Rekordpreisen versteigerte

Im Jahr 1970 versteigerte Siegel die einzigartige British Guiana 1¢ magenta im Waldorf Astoria New York für 280.000 US-Dollar. Der Verkauf wurde international beachtet und stellte einen neuen Preisrekord für eine einzelne Briefmarke auf.

Am 5. April 1980 kam die Marke bei Siegels Auktion Rarities of the World erneut zum Aufruf. Der Zuschlag betrug 850.000 US-Dollar. Einschließlich eines zehnprozentigen Käuferaufgelds zahlte der Käufer John Eleuthère du Pont 935.000 US-Dollar. Auch dieses Ergebnis war seinerzeit ein Rekordpreis für eine Briefmarke.

Während seiner beruflichen Laufbahn führte Siegel insgesamt 756 Auktionen durch. Neben US-amerikanischen Briefmarken versteigerte sein Unternehmen auch ausländische Ausgaben, vollständige Sammlungen, Ganzstücke, Autografen und historische Dokumente.

Verbandsarbeit und Auszeichnungen Siegel gehörte zwölf Jahre dem Vorstand der American Stamp Dealers Association an. Er war außerdem Vizepräsident des Verbandes und amtierte von 1962 bis 1963 als dessen Präsident.

Seit der Gründung der Philatelic Foundation unterstützte Siegel die Organisation als Berater bei der Prüfung und Beurteilung philatelistischer Raritäten. Im Jahr 1987 erhielt er die Mortimer-Neinken-Medaille der Stiftung. Er war der erste noch aktiv tätige Briefmarkenhändler, dem diese Auszeichnung verliehen wurde.

Die American Stamp Dealers Association ernannte ihn 1990 zu ihrem Man of the Year. Im Jahr 1994 wurde er postum in die Hall of Fame der American Philatelic Society aufgenommen.

Fortführung des Unternehmens Anfang 1992 trat der Philatelist und Auktionator Scott R. Trepel als Teilhaber mit einem Anteil von 49 Prozent in das Unternehmen ein und übernahm dessen Präsidentschaft. Das Büro wurde gleichzeitig in den Park Avenue Tower in New York verlegt.

Siegel starb am 3. Dezember 1993, wenige Wochen nachdem er seine dreißigste Auktion der Reihe Rarities of the World geleitet hatte.

Im Jahr 1998 erwarb Trepel die verbliebenen Unternehmensanteile von Siegels Tochter und dessen Schwiegersohn. Das Unternehmen firmiert weiterhin als Robert A. Siegel Auction Galleries, Inc. und wird von Trepel als Präsident geleitet.

Seit 2012 leitet Charles F. Shreve die internationale Abteilung des Unternehmens. Sie bietet unter der Bezeichnung Siegel International vor allem Briefmarken und Postgeschichte außerhalb der Vereinigten Staaten an.

Das National Postal Museum würdigte insbesondere die unter Trepels Leitung entstandenen wissenschaftlich aufbereiteten Auktionskataloge. Diese enthalten neben Losbeschreibungen vielfach Zensusdaten, Provenienzen und historische Hintergrundinformationen und wurden mit philatelistischen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Bedeutende Auktionen nach 1993 Zu den bedeutenden Verkäufen des Auktionshauses nach Siegels Tod gehören:

1995 die Sammlung Honolulu Advertiser mit Briefmarken und Postgeschichte Hawaiis. Sie erzielte insgesamt 9,8 Millionen US-Dollar. Der darin enthaltene Dawson-Brief mit einer 2-Cent-Marke der Hawaiian Missionaries wurde für 2,09 Millionen US-Dollar verkauft. Bei einer erneuten Versteigerung durch Siegel im Jahr 2013 erzielte er 2.242.500 US-Dollar. 1998 die vollständige Sammlung US-amerikanischer Briefmarken von Robert Zoellner für 8,03 Millionen US-Dollar. Die darin enthaltene 1-Cent-Marke mit Z Grill wurde für 935.000 US-Dollar versteigert. 2005 der Plattennummern-Viererblock der Inverted Jenny für 2,97 Millionen US-Dollar. Der Käufer Bill Gross tauschte ihn anschließend gegen die 1-Cent-Z-Grill-Marke, die ihm noch zur Vervollständigung seiner Sammlung fehlte. 2008 der brasilianische „Pack Strip“, ein zusammenhängender Streifen aus drei Wertstufen der Ausgabe Ochsenauge von Brasilien, für 2,185 Millionen US-Dollar. 2023 eine einzelne Inverted Jenny aus der Bogenposition 49 für 2.006.000 US-Dollar. 2024 die einzige in Privatbesitz befindliche 1-Cent-Z-Grill-Marke für 4.366.000 US-Dollar sowie eine 15-Cent-Z-Grill-Marke für 2.773.000 US-Dollar.

Zu den Verkäufen des Hauses, die in der Liste der teuersten philatelistischen Objekte geführt werden, gehören der Dawson-Brief, der brasilianische Pack Strip, eine einzelne Inverted Jenny sowie die 1-Cent- und die 15-Cent-Marke mit Z Grill. Weitere vom Unternehmen versteigerte Raritäten, darunter die British Guiana 1¢ magenta und der Inverted-Jenny-Plattennummernblock, sind in der Liste bekannter philatelistischer Objekte verzeichnet.

Forschungsangebote und Auktionsarchive Das Auktionshaus stellt einen großen Teil seiner früheren Kataloge, Losbeschreibungen und Auktionsergebnisse online zur Verfügung. Die Datenbank Power Search umfasst die Auktionen seit 1993, sämtliche Auktionen der Reihe Rarities of the World seit 1964 sowie mehrere ältere bedeutende Sammlungsverkäufe.

Daneben führt das Unternehmen Zensusdatenbanken zu seltenen US-amerikanischen Briefmarken und postalischen Belegen. Darin werden bekannte Exemplare, Prüfbescheinigungen, Provenienzen und frühere Auktionsergebnisse dokumentiert.

Weblinks Website der Robert A. Siegel Auction Galleries Geschichte des Auktionshauses Robert A. Siegel in der Hall of Fame der American Philatelic Society Robert A. Siegel bei der American Stamp Dealers Association

Einzelnachweise

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