Das Trylling-Schloss Białystok (polnisch: Pałac Tryllingów w Białymstoku) ist ein neobarockes Stadtpalais im polnischen Białystok in der polnischen Woiwodschaft Podlachien. Das Gebäude befindet sich an der ul. Warszawska 7 und wurde um 1898 bis 1899 für die Industriellenfamilie Trylling errichtet. Es gilt als charakteristisches Beispiel eines repräsentativen Fabrikantenpalais des späten 19. Jahrhunderts in Białystok.
Geschichte
Die Familie Trylling gehörte zu den bedeutenden jüdischen Industriellenfamilien Białystoks. Bereits 1863 gründete Izrael Trylling eine Textil- und Bekleidungsfabrik. Sein Sohn Chaim Abram Trylling und dessen Ehefrau Helena erwarben 1898 ein Grundstück an der damaligen Aleksandrowska-Straße, der heutigen Warszawska-Straße, am Rand der Altstadt von Białystok.
Kurz darauf begann die Umgestaltung des dort vorhandenen eingeschossigen Wohnhauses zu einer repräsentativen Stadtresidenz. Chaim Abram Trylling starb bereits 1899. Das Gebäude wurde anschließend unter seiner Witwe Helena (Elena) Trylling fertiggestellt. Ihre Initialen „ET“ befinden sich bis heute im Schmuckdekor des Palais.
In der Zwischenkriegszeit wohnte zeitweise der Sohn Anatol Trylling im Palais. Bis 1932 war es auch Sitz der Tuch- und Deckenfabrik Trylling und Sohn (Trylling i Syn). Die Familie veräußerte die Immobilie vor dem Zweiten Weltkrieg und emigrierte in die Vereinigten Staaten. Nach 1945 ging das Gebäude in das Eigentum des polnischen Staates über.
Nach dem Krieg wurde das Palais unter anderem als Touristenhaus „Rubin“ genutzt. Später stand es zeitweise leer und wechselte mehrfach seine vorgesehene Nutzung. 2011 übernahm die Stadt Białystok das leerstehende Palais. 2019 wurde es an einen privaten Eigentümer verkauft.
Gebäude und Architektur
Das eingeschossig überhöhte, zweigeschossige Palais ist ein Beispiel des Eklektizismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die repräsentative Straßenfassade ist reich gegliedert und mit Stuck- und Skulpturenschmuck versehen. Auf der Gartenseite befindet sich ein halbkreisförmiger Risalit, hinter dem ursprünglich der Salon lag und von dem eine Terrasse in den Garten führte.
Im Inneren sind Teile der historischen Ausstattung, darunter eine allegorische Deckendekoration, erhalten. Der Architekt des Gebäudes ist nicht bekannt; die kunsthistorische Forschung konnte die Urheberschaft bislang nicht eindeutig bestimmen.
Das Trylling-Palais wurde am 8. August 1979 in das polnische Register der unbeweglichen Kulturdenkmäler (Rejestr zabytków) eingetragen. Es trägt heute die Registernummer A-176; die ursprüngliche Eintragung erfolgte unter der Nummer 454.
Das Gebäude ist außerdem Bestandteil des denkmalgeschützten städtebaulich-architektonischen Ensembles der Warszawska-Straße.
Literatur Małgorzata Dolistowska: Z historii ulicy Warszawskiej w Białymstoku. Pałac Tryllingów. In: Białostocczyzna, Nr. 3 (47), 1997, S. 34–46. Małgorzata Dolistowska: Architektura mieszczańska Białegostoku na przełomie XIX i XX wieku. In: Studia i materiały do dziejów miasta Białegostoku, Band 5, Białystok 2001. Adam Miodowski: Przewłaszczenia dóbr dojlidzkich na tle kampanii politycznej przełomu 1921/1922. Białystok: Wydawnictwo i Drukarnia Libra, 2003. ISBN 83-88463-23-3.
Siehe auch Liste der Burgen und Schlösser in der Woiwodschaft Podlachien
Weblinks
Pałac Tryllingów bei Wirtualny Sztetl Pałac Tryllingów auf dem Fabrikantenweg der Stadt Białystok
Einzelnachweise
Białystok Kategorie:Bauwerk in Białystok Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Podlachien Białystok Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren Kategorie:Palais Kategorie:Neobarockes Bauwerk in Polen Kategorie:Bauwerk des Historismus in der Woiwodschaft Podlachien