mini|Cornelis Vermeulen nach dem Selbstporträt von Pierre Mignard im Louvre. Schloss Versailles mini|Cornelis Vermeulen nach Peter Paul Rubens (Gemälde) und Jean-Marc Nattier: La Reine s'enfuit de la ville de Blois (Die Königin flieht aus der Stadt Blois) Radierung und Kupferstich, handkoloriert, 1710. Royal Academy of Arts, London Cornelis Martinus Vermeulen (* um 1654 in Antwerpen; † um 1708 ebenda) war ein flämischer Kupferstecher.

Leben Nach der älteren kunsthistorischen Literatur (Allgemeines Künstlerlexikon, Thieme-Becker, Wurzbach) wurde Cornelis Vermeulen um 1644 in Antwerpen geboren. Neuere, auf archivalischer Forschung basierende Angaben des RKD (Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie) nennen hingegen 1654 oder 1655 als Geburtsjahr und benennen Geeraert Vermeulen und Christina de Gande als seine Eltern. Der Vater war als stoffeerder (Dekorateur) in der Antwerpener Lukasgilde eingetragen. 1668/69 wurde Vermeulen als Lehrling bei Peeter Clouwet in der Antwerpener Lukasgilde verzeichnet. Im Jahr 1681 trat er der Sodaliteit van de Bejaerde Jongmans bei, einer von Jesuiten gegründeten Bruderschaft für unverheiratete Männer. Am 18. September 1682 wurde er als wijnmeester (Meistersohn) in die Lukasgilde aufgenommen und war somit Meister in Antwerpen.

1682/83 hielt Cornelis Vermeulen sich in Paris auf, wo er Kontakt zu ansässigen flämischen Künstlern hatte, darunter der Antwerpener Schlachten- und Bildnismaler Constantijn Francken. Zudem stand er in Verbindung mit der Werkstatt des flämischen Kupferstechers Gérard Edelinck. Laut AKL kehrte er später nach Antwerpen zurück und hielt sich in der Folge im Auftrag des Sammlers Pierre Crozat alljährlich zeitweise in Paris auf, um Kunstverkäufe abzuwickeln. Vor dem 18. Dezember 1706 heiratete er Maria Anna van de Wee. Sein genauer Todeszeitpunkt ist nicht überliefert, jedoch wurde der Betrag für die Sterbegebühren zwischen dem 18. September 1708 und dem 18. September 1709 an die Gilde entrichtet, sodass sein Tod in diesen Zeitraum datiert wird. Nach seinem Tod heiratete seine Witwe den Maler Pieter Andreas Rijsbrack.

Werk Cornelis Vermeulen war vor allem als Porträtstecher tätig. Er stach Bildnisse nach Vorlagen u. a. von Antoine Coypel, Anthonis van Dyck, Nicolas de Largillière, Pierre Mignard, Guido Reni, Hyacinthe Rigaud, Peter Paul Rubens, Jean-François de Troy, Adriaen van der Werff und Francesco Trevisani. Als Hauptblätter nennt das AKL das Bildnis des Dominicus Nicolaus van der Borcht nach Anthonis van Dyck sowie das Bildnis des Jean-Antoine de Mesmes nach Nicolas de Largillière. Zudem schuf er thematische Bildnisfolgen, darunter die 1697 erschienene Serie Elf Porträts aus der englischen Geschichte nach Entwürfen von Adriaen van der Werff, zu der auch das Bildnis der Lady Jane Grey gehört. Es zeigt Lady Jane Grey in einem von zwei weinenden Putti gehaltenen Oval. Unter dem Oval ist eine Axt zu sehen, die auf ihre Hinrichtung verweist.

Daneben fertigte Vermeulen Frontispize und Buchillustrationen, unter anderem für Hugo Grotius’ und Antoine de Courtins Le droit de la guerre et de la paix (Arnould Seneuze, Paris 1687) sowie für Isaac de Larreys Histoire d’Angleterre (Rotterdam 1697–1713). Für Guy Tachards Voyage de Siam des Peres Jesuites (Paris 1686) lieferte er eine Illustration einer Schlange in einer Landschaft. Für Gabriel Dellons Relation de l’inquisition de Goa (Paris, Daniel Horthemels, 1688) stach er sechs Tafeln nach Entwürfen von Pierre Paul Sevin, darunter Darstellungen der von der Inquisition in Goa verhängten Büßergewänder (Sanbenitos). Das Werk wurde 1690 auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.

Literatur

Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Band 2. Halm und Goldmann, Wien/Leipzig 1910. Arnold Houbraken: De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. Band 1. 2. Auflage, Den Haag 1753, S. 68. Louis Abel de Fontenai: Dictionnaire des artistes. Band 2. Paris 1776. Henri Hymans: La gravure dans l’école de Rubens. Bruxelles 1879. Gustave Macon: Les arts dans la maison de Condé. Paris 1903. Bertha Linnig: La gravure en Belgique. Antwerpen 1911. Hippolyte Mireur: Dictionnaire des ventes d’art. Band 7. Paris 1912. Mercure de France. Janvier 1691, S. 227. Frederic O'Donoghue: Catalogue of Engraved British Portraits preserved in the Department of Prints and Drawings in the British Museum. Band 6. London 1925, S. 704. Philippe Rombouts, Théodore van Lerius (Hrsg.): De Liggeren en andere historische archieven der Antwerpsche Sint Lucasgilde. Band 2. Antwerpen 1872, S. 14, 386, 390, 490. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009. Weblinks

RKD Cornelis Vermeulen im British Museum Cornelis Vermeulen bei der National Gallery of Art, Washington

Einzelnachweise

Kategorie:Kupferstecher (Flandern) Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 18. Jahrhundert Kategorie:Mann