Schnell wirksame Antidepressiva (engl. rapid-acting antidepressants, RAAD) grenzen sich durch die Wirklatenz (Dauer bis zum Wirkungseintritt) von den klassischen Antidepressiva ab. Sie stellen damit eine Erweiterung der bisherigen Behandlungsmöglichkeiten dar.

Substanzen Zuranolon: in Europa seit Herbst 2025 zugelassen zur Behandlung der postpartalen Depression (nach der Geburt auftretenden Depression). Die Verabreichung erfolgt als Tablette über 2 Wochen. Esketamin: (S)-Enantiomer von Ketamin. Zugelassen in Europa in Kombination bei therapieresistenten Depressionen, auch bei psychiatrischen Notfällen. Die Gabe erfolgt als Nasenspray. Ketamin: Anästhetikum, in der Psychiatrie off-label (außerhalb der Zulassung) eingesetzt. Dextromethorphan/Bupropion: als fixe Kombination in den USA zugelassen. Brexanolon: in den USA zugelassen. Die Vermarktung wurde – da nur parenteral verfügbar – zugunsten Zuranolon eingestellt. Psychedelika insbesondere Psilocybin: rascher Effekt, jedoch noch viele Unklarheiten.Matthias J. Müller, Francesca Regen (Hrsg.): Benkert/Hippius Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 15. Auflage. Springer, Berlin 2026, ISBN 978-3-662-72451-4, S. 13.

Abgrenzung zu klassischen Antidepressiva Die medikamentöse Wirkung ergibt sich bei klassischen Antidepressiva nur bei regelmäßiger Einnahme und erst nach Tagen oder meist Wochen. Meist werden Antidepressiva aufdosiert (schrittweise erhöht, um anfängliche Nebenwirkungen zu vermeiden). Eine Wirkungsüberprüfung sollte nach Erreichen der Standarddosis nach 3–4 Wochen erfolgen. Bei älteren Patienten kann die Wirklatenz länger sein (4–6 Wochen).Matthias J. Müller, Francesca Regen (Hrsg.): Benkert/Hippius Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 15. Auflage. Springer, Berlin 2026, ISBN 978-3-662-72451-4, S. 115. Bei Zwangsstörungen stellt sich der Therapieerfolg oft erst nach 8–12 Wochen ein.

RAAD zeigen eine rasche antidepressive Wirkung innerhalb von Stunden bis zu wenigen Tagen. Ketamin hatte in mehreren randomisierten Studien eine Wirkung innerhalb 24–48 Stunden. Es ist eine gute Wirksamkeit gegen therapieresistente Depressionen beschrieben.

Weiterführende Literatur Matthias J. Müller, Francesca Regen (Hrsg.): Benkert/Hippius Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 15. Auflage. Springer, Berlin 2026, ISBN 978-3-662-72451-4.

Einzelnachweise

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