Die Mariä-Tempelgang-Kirche () war ein denkmalgeschützter Sakralbau in der ukrainischen Stadt Beryslaw. Die Kirche galt als letztes erhaltenes Beispiel sakraler Kosakenarchitektur des 18. Jahrhunderts in der Ukraine. Zudem handelte es sich bei ihr um die einzige Holzkirche der Oblast Cherson.

mini|Mariä-Tempelgang-Kirche, 2016 mini|Luftaufnahme, 2021 mini|Innenansicht, 2009 Geschichte In den Jahren von 1725 bis 1726 wurde in Perewolotschna eine Holzkirche errichtet. Als man die Saporoger Kosaken 1784 umsiedelte, zerlegten sie die Kirche in Einzelteile und flößten diese mehrere hundert Kilometer weit auf dem Dnepr zur Festung Kizi-Kermen, aus der in dieser Zeit Beryslaw wurde. Der neue Ortsname soll von einer Inschrift am Floß stammen. Die Kirche war zunächst der Auferstehung Jesu Christi geweiht und befand sich in der Ortsmitte. Im Jahr 1853 setzte man sie aber auf den Mariä-Tempelgang-Friedhof um und weihte die Kirche dementsprechend neu.

An der alten Stelle in der Ortsmitte wurde eine neue Auferstehungskirche errichtet. Nach der Eroberung der Ukraine im Russischen Bürgerkrieg schlossen die Bolschewiki die Kirche und wandelten sie in ein Lagerhaus um. Zudem gab es Pläne, sie abreißen zu lassen, um sie als Brennholz zu nutzen, da dieses in der Gegend rar war. Ihre Nachfolgekirche in der Ortsmitte wurde von der Sowjetunion abgerissen. Im Zweiten Weltkrieg öffneten die deutschen Besatzer die Kirche wieder und legten einen eigenen Militärfriedhof bei ihr an.

Auch nach der Gründung verschiedener neuer ukrainisch-orthodoxer Kirchen und dem russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 verblieb die Kirche unter dem Moskauer Patriarchat und nachdem die Stadt russisch besetzt wurde, kooperierte der Pfarrer mit den Behörden, so dass er nach der ukrainischen Gegenoffensive in Cherson 2022 in russisch besetzte Gebiete fliehen musste, wohingegen sein Nachfolger aus eben diesen Gegenden der Oblast Cherson nach Beryslaw kam. Versuche, die Kirche in ukrainischen Staatsbesitz zu überführen, blieben 2023 ohne Ergebnis. Am 2. August 2026 geriet die Kirche bei einem russischen Drohnenangriff in Brand und wurde vollständig zerstört. Erhalten blieb nur das Steinfundament, auf dem sie stand.

Beschreibung Die Kirche wurde aus Eichenholz errichtet und mit Brettern verkleidet. Die einzelnen Bauteile verband man mit Holznägeln. Durch die Errichtung von Anbauten rund um die Kirche entstand ein kreuzförmiger Grundriss. Der zentrale Turm wurde von einer Laterne mit Zwiebelhaube bekrönt und war 17 Meter hoch. In den Jahren vor der Zerstörung begann seine Hauptkuppel sich zu neigen. An der Ostseite des achteckigen Zentralbaus befand sich die Apsis, an den anderen drei Seiten Narthexe. Über dem Haupteingang wurde ein kreuzförmiges Fenster eingefügt. Zudem befand sich dort eine Tafel mit der undatierten Weiheinschrift, die u. a. den Erzbischof Warlaam II. Wanatowitsch erwähnte.

Ausstattung In der Kirche befanden sich u. a. ein Evangelium von 1695, einzigartige Ikonen des 18. Jahrhunderts, ein Altarkreuz, das die Kreuzigung Jesu und den Heiligen Nikolaus zeigte, sowie eine geschnitzte Ikonostase von 1776.

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Einzelnachweise

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