mini|Eine der ersten Karten Jamaikas, 1528 Die Geschichte Jamaikas umfasst die Entwicklung auf dem Gebiet des heutigen Inselstaates Jamaika von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Die erste Besiedlung Jamaikas durch Menschen begann vermutlich im 7. Jahrhundert nach Christus und erfolgte in mehreren Einwanderungswellen. Die aus Südamerika stammenden Arawaken, zu denen auch das Volk der Taíno gehörte, kamen im Zuge der zweiten Einwanderungswelle um das Jahr 800 auf die Karibikinsel, die sie in ihrer Sprache Xaymaca nannten, was so viel wie „Wasserland“ bedeutet. Auf diesen alten Namen leitet sich der heutige Landesname Jamaika ab.
Mit der Ankunft der Spanier und der darauf folgenden Conquista wurde Jamaika unter dem Namen Santiago im Jahr 1509 eine Kolonie Spaniens. 1655 fielen die Engländer auf Jamaika ein und besiegten die Spanier. Jamaika war darauf für über 300 Jahre eine englische bzw. britische Kolonie. Während der britischen Herrschaft entwickelte sich die Insel zu einer bedeutenden Kolonie mit zahlreichen Plantagen, auf denen Sklaven aus Westafrika eingesetzt wurden. Im 18. Jahrhundert galt Jamaika als größter Zuckerproduzent im britischen Weltreich und die jamaikanische Hafenstadt Kingston als der wichtigste Umschlagplatz für den britischen Sklavenhandel in der Karibik. Die Nachfahren der ehemaligen spanischen Sklaven, die im Landesinneren lebten und von den Briten Maroons genannt wurden standen ab den 1730ern häufig im Konflikt mit der Kolonialherrschaft, da sie sich weigerten entflohene Sklaven auszuliefern. Es folgten Unruhen die in Konflikten wie den ersten Maroon-Krieg und der Tacky’s Rebellion mündeten. Die Sklaverei wurde letztlich 1838 abgeschafft.
Im Jahr 1944 erhielt Jamaika die volle Selbstverwaltung und das Recht zu wählen. Am 6. August 1962 erlangte das Land seine Unabhängigkeit.
Voreuropäische Zeit Die ersten Menschen, die auf Jamaika um 650 n. Chr. eintrafen, stammten vermutlich aus den östlich gelegenen Inselregionen. Über die ersten Einwohner Jamaikas ist jedoch wenig bekannt, lediglich ihre Keramik, davon vor allem rote Tongefäße, sind bis heute erhalten geblieben, weshalb sie im Englischen als „Redware-Kultur“ (Volk der roten Keramik) bezeichnet werden. mini|Duho, ein Holzstuhl aus der Taíno-Zeit Um das Jahr 800 traten Arawak-Stämme, wie die der Taíno, in größerer Anzahl auf Jamaika auf und breiteten sich schließlich über die gesamte Insel aus. Vor der Ankunft der Europäer hatten die Taíno eine hochentwickelte Gesellschaftsstruktur entwickelt. Die Taíno lebten in Dörfern, die von Caciques (Häuptlingen) geleitet wurden, ihre Häuser bauten sie aus Schilf und Stroh. Ihre Lebensweise war stark vom Fischfang sowie vom Anbau von Mais und Maniok geprägt. Zu ihrem kulturellen Höhepunkt wird geschätzt, dass ihre Bevölkerung eine Gesamtzahl von bis zu 60.000 erreichte. Der Landesname des heutigen Inselstaates Jamaika ist eine Ableitung des alten Taíno-Namens Xaymaca, was so viel wie „Quellenland“ bzw. „Wasserland“ bedeutet.
Entdeckung und erste Kolonisierung Die Ankunft des genuesischen Seefahrers Christoph Kolumbus an der Nordküste der Insel am 5. Mai 1494 markierte den Beginn des kulturellen Zusammenbruchs der Taínos auf Jamaika. mini|Die spanische Kolonie Jamayca auf einer Karte der Karibik, 1632 Diego Kolumbus, der Sohn von Christoph Kolumbus, wurde durch König Ferdinand im Jahr 1508 zum Vizekönig aller von seinem Vater entdeckten Inseln ernannt. 1509 ließ er Jamaika durch den Konquistador Juan de Esquivel erobern und machte ihn darauf zum ersten Gouverneur der Insel. Das heutige Jamaika erhielt nach der spanischen Eroberung zunächst den Namen Santiago, der sich jedoch nie im allgemein durchsetzen konnte. Die Spanier verwendeten stattdessen den ursprünglichen indigenen Namen Xaymaca, den sie in Jamaika verdrehten. Die Hauptstadt der Kolonie wurde 1509 als Sevilla la Nueva gegründet, jedoch bereits 1535 nach Santiago de la Vega (heute Spanish Town) verlegt.
Innerhalb weniger Jahre wurde die Kultur der indigenen Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten und die brutale Behandlung durch die spanischen Siedler zerstört. Ab 1518 brachten die Spanier die ersten afrikanischen Sklaven auf die Insel, hauptsächlich von der Gold- und SklavenküsteSylvia Wynter: Band 17, Nr. 2. Jamaica Journal, 1984, S. 25–32. Schon bald wurde die Bevölkerung, im Verhältnis zu den Europäern oder Indigenen, mehrheitlich schwarzafrikanisch.
Es wurde zunächst das Verwaltungssystem der Encomienda eingeführt, bei dem die Spanier große Ländereien zusammen mit den dort lebenden Indigenen erhielten, die sie jedoch zur Arbeit zwangen und missionierten. Dieses System war die wesentliche Ursache für den Niedergang der Taínos. Eine spanische Volkszählung aus dem Jahr 1611 verzeichnete auf der gesamten Insel nur noch 74 Personen indigener Abstammung. Gegen Ende der spanischen Kolonialzeit auf Jamaika wurde auf das weniger ausbeuterische Repartimiento umgestellt, bei dem indigene Dorfgemeinschaften lediglich zwei bis vier Prozent ihrer Arbeitskraft an die Kolonialherren abgeben mussten.
Da auf Jamaika keine Edelmetalle gefunden wurden, verlagerte sich das Interesse der spanischen Krone mit der Zeit nach Mexiko. Viele Siedler verließen darauf die Insel wieder, wodurch eine schwache Garnison zurückblieb. Die spanischen Siedler nutzten die Insel hauptsächlich zum Anbau von Mais, Kakao, Zuckerrohr, Yucca, Baumwolle und IndigoRichard S. Dunn: Sugar and Slaves, The Rise of the Planter Class in the English West Indies, 1624–1713. Chapel Hill, University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 1972, S. 151..
Jamaika als britische Kolonie Eroberung Es gelang Spanien nicht die Grenzen seines riesigen Kolonialreiches in Amerika dauerhaft zu halten. Besonders in den Jahrzehnten nach der Niederlage der spanischen Armada im Jahr 1588 und verstärkt im 17. Jahrhundert drangen britische, französische und niederländische Mächte zunehmend in den spanischen Einflussbereich, insbesondere in der Karibik, vor.
Im Mai 1655 landeten rund 7000 englische Soldaten unter Führung von Robert Venables und William Penn an der heutigen Stelle von Kingston, nachdem die Eroberung Hispaniolas gescheitert war. Der Lordprotektor Oliver Cromwell hatte die Expedition beauftragt, um im Rahmen des sogenannten Western Designs strategische Stützpunkte in der Karibik zu sichern. Die spanische Verwaltung in Spanish Town hatte gegen die Überzahl der englischen Truppen keine Chance und kapitulierte kurz darauf. Ein Teil der spanischen Bevölkerung floh in dieser Folge kampflos nach Kuba. Um einen Aufstand zu verhindern, befreiten die Spanier ihre Sklaven und bewaffneten diese, in der Hoffnung dadurch eine Revolte auszulösen. Zunächst kam es jedoch zu keinen Kämpfen, da die ehemaligen Sklaven sich in das unzugängliche Landesinnere zurückzogen. Diese Gruppe wurde später als Maroons bekannt.
Mit der Einnahme Jamaikas, gelang es den Engländern erstmals sich die Kolonie eines anderen Landes anzueignen. Zur Zeit der englischen Eroberung im Jahr 1655, lebten auf Jamaika gerade mal etwa 2000 Menschen, davon hauptsächlich Spanier, Portugiesen, Afrikaner und Indigene.
Trotz ihrer Kapitulation sammelte der letzte spanische Gouverneur Cristobal Arnaldo de Ysassi Guerillatruppen entlang der Nordküste und im Landesinneren. Er erhielt zweimal Unterstützung aus Kuba, musste jedoch nach zwei Niederlagen gegen die englische Armee, einmal in der Schlacht von Ocho Rios (1657) und darauf in der Schlacht von Rio Nuevo (1658) endgültig aufgeben. Im Jahr 1660 brach eine Gruppe von Maroons unter der Führung von Juan de Bolas ihr Bündnis mit den Spaniern und schloss sich darauf mit den Engländern zusammen – ein Ereignis, das einen Wendepunkt für die englische Herrschaft auf Jamaika darstellteC.V. Black, History of Jamaica (London: Collins, 1975), S. 54.. 1664 wurde eine gewählte Versammlung eingerichtet, die die lokale Verwaltung übernahm. Jamaika wurde 1670 durch den Vertrag von Madrid offiziell britisch.
Französische Eroberungsversuche Im Jahr 1694 landete der französische Seemann Jean Baptiste du Casse mit 1500 Soldaten im Norden und Osten Jamaikas. Sein Versuch, die Insel zu erobern, scheiterte jedoch an dem entschlossenen Widerstand der Siedler. Nach zehn Tagen Kampf zogen sich die Franzosen auf ihre Schiffe zurück.
Der letzte französische Versuch, Jamaika zu erobern, scheiterte in der Seeschlacht bei Les Saintes am 12. April 1782, als die britische Flotte die französischen Streitkräfte schlugen. Frankreich wurde darauf 1783 zu einem Friedensvertrag genötigt, ohne den gewünschten Gewinn an Kolonien durchsetzen zu könnenKemp: History of the Royal Navy. Putnam, New York 1969, S. 99..
Die Piratenstadt Port Royal mini|Der Freibeuter Henry Morgan, 1681 In den ersten zwanzig Jahren nach der britischen Eroberung dienten Jamaika und dessen Hauptstadt Port Royal vor allem als Ausgangspunkt und Stützpunkt für Piraten aus aller Welt. Der britische Gouverneur tolerierte diese Piraten nicht nur, sondern sah sie sogar als wertvolle Unterstützung im Kampf gegen spanische Rückeroberungsversuche. Unter dem Schutz des Inselgouverneurs konnten Freibeuter wie Henry Morgan, der später Vizegouverneur von Jamaika wurde, ungehindert Angriffe auf das spanische Kolonialreich starten, was der jamaikanischen Wirtschaft zugutekam. Auch die Unterdrückung der aufständischen Maroons durch Vizegouverneur Morgan, der in den 1670er und 1680er Jahren gegen diese einen Feldzug führte, brachte der britischen Kolonialherrschaft auf Jamaika FestigungMavis Campbell, The Maroons of Jamaica 1655–1796: a History of Resistance, Collaboration & Betrayal (Massachusetts: Bergin & Garvey, 1988), S. 14–15. mini|Port Royal auf einer Karte des 17. Jahrhunderts Die Piraten verkauften und konsumierten einen Großteil ihrer Beute auf Jamaika. Port Royal galt zu dieser Zeit als das „Sodom Westindiens“Richard S. Dunn: Sugar and Slaves; The Rise of the Planter Class in the English West Indies, 1624–1713. Chapel Hill, University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 1972, S. 149.. Im Jahr 1700 bezeichnete der Gastwirt Edward Ward Jamaika als den „Misthaufen des Universums“, auf dem nur Sträflinge und Trunkenbolde wandeltenNed Ward: A Trip to Jamaica, With a True Character of the People and Island. London 1700, 13, 15-16; zitiert nach Richard S. Dunn, Sugar and Slaves, The Rise of the Planter Class in the English West Indies, 1624-1713. Chapel Hill, University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 1972, 149.. Das Piratenzeitalter auf Jamaika nahm ein Ende mit der fast vollständigen Zerstörung Port Royals durch ein Erdbeben am 7. Juni 1692 das darauf von einem Tsunami gefolgt wurde, bei dem die Stadt zu einem großen Teil im Meer versank. Zu diesem Zeitpunkt zählte Port Royal 10.000 Einwohner und galt als die wohlhabendste Stadt in der Neuen Welt.
Nach dem Erdbeben wurde Spanish Town wieder Hauptstadt, bis Kingston diese 1755 ablöste.
Wirtschaftliche Bedeutung Jamaikas Die britische Herrschaft wandelte Jamaika in eine Plantagenwirtschaft um, die auf der Arbeitskraft versklavter Afrikaner angewiesen war. Englische Bauern, die sich unter Cromwell auf Jamaika niedergelassen hatten, erlagen tropischen Krankheiten und wurden schon bald von den Plantagenbesitzern verdrängt. Die wichtigsten Produkte der Plantagenwirtschaft – Zucker und Melasse – sowie ab etwa 1730 Kaffee und Bananen, machten Jamaika zu einer der profitabelsten Kolonien der britischen Krone.