mini|Richard Rathbun Richard Rathbun (* 25. Januar 1852 in Buffalo, New York; † 16. Juli 1918 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Meeresbiologe und Wissenschaftsadministrator an der Smithsonian Institution.
Leben Rathbun wurde als Sohn von Charles Rathbun und dessen Ehefrau Marey, geborene Furey, in Buffalo geboren. Nach dem Schulbesuch arbeitete er vier Jahre lang im Steinbruchunternehmen seines Vaters, Whitmore and Rathbun. Schon früh begeisterte er sich für Fossilien und legte eine umfangreiche Sammlung an. Als er diese der Boston Society of Natural History anbot, wurde er zum Kurator der Sammlung ernannt, womit seine wissenschaftliche Laufbahn begann.
1871 nahm Rathbun ein Studium an der Cornell University auf. Bereits zwei Jahre später wurde er Assistent für Zoologie an der Boston Society of Natural History. In den Sommern 1874 und 1875 arbeitete er für die United States Fish Commission, eine Einrichtung der Smithsonian Institution. Anschließend wurde er zum Geologen einer Expedition nach Brasilien ernannt, die die dortigen natürlichen Ressourcen untersuchen sollte. Die Unternehmung musste jedoch nach zwei Jahren abgebrochen werden, nachdem ein Ausbruch des Gelbfiebers den Expeditionsleiter das Leben kostete und Rathbun schwer erkrankte.
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten wurde Rathbun wissenschaftlicher Assistent bei der United States Fish Commission, wo er 18 Jahre tätig blieb. Während dieser Zeit begann auch seine jüngere Schwester Mary J. Rathbun dort als ehrenamtliche Mitarbeiterin ihre später bedeutende wissenschaftliche Laufbahn.
1880 wurde Rathbun Kurator für marine Wirbellose am United States National Museum in Washington, D.C. Am 6. Oktober desselben Jahres heiratete er Lena Augusta Hume in Eastport, Maine. 1896 wurde er stellvertretender Sekretär der Smithsonian Institution und arbeitete dabei eng mit Samuel Pierpont Langley zusammen. Zwei Jahre später übernahm er zusätzlich die Leitung des United States National Museum.
1902 wurde Rathbun zum Präsidenten der Washington Philosophical Society gewählt, 1905 zum Präsidenten des Cosmos Club. Darüber hinaus war er Fellow der American Association for the Advancement of Science sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, darunter der Fisheries Society of Finland, der Russian Imperial Society for the Acclimatization of Animals and Plants, der Zoological Society of London, des International Zoological Congress, des International Congress of Applied Chemistry und des Pan American Scientific Congress. Ehrendoktorwürden verliehen ihm die Indiana University, das Bowdoin College, die University of Pittsburgh und die George Washington University.
Rathbun starb am 16. Juli 1918 im Alter von 66 Jahren an einer Herzkrankheit, die als Spätfolge seiner vier Jahrzehnte zuvor erlittenen Gelbfiebererkrankung angesehen wurde. Beigesetzt wurde er auf dem Rock Creek Cemetery. Er hinterließ seine Ehefrau sowie den gemeinsamen Sohn, den Architekten Seward Hume Rathbun.
Forschung mini|hochkant|Wilbur Wright bat Richard Rathbun um Literatur zur Aerodynamik.
Der wissenschaftliche Schwerpunkt Rathbuns lag auf parasitischen Ruderfußkrebsen (Copepoda) sowie der Fischereiwissenschaft, insbesondere auf Krabben, Hummern und Fischen.
Um 1898 erhielt Rathbun als stellvertretender Sekretär der Smithsonian Institution einen Brief des damals noch weitgehend unbekannten Wilbur Wright, der um Informationen zur Aerodynamik bat. Rathbun übersandte ihm mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie eine Rechnung über einen Dollar, die Wright umgehend beglich. Octave Chanute bezeichnete diesen Briefwechsel später als „den bedeutendsten Schriftwechsel in der Geschichte der Smithsonian Institution“. Nach Aussage von Orville Wright ermöglichte dieses umfangreiche Literaturpaket den Brüdern Wright die Lösung eines Gleichgewichtsproblems, an dem die meisten früheren Versuche eines Motorflugs gescheitert waren.
Richard Rathbun spielte eine entscheidende Rolle bei der Errichtung des naturhistorischen Museumsgebäudes der Smithsonian Institution. Außerdem war er maßgeblich am Aufbau der späteren National Collection of Fine Arts beteiligt, indem er den Ankauf der Sammlung zeitgenössischer amerikanischer Kunst von William T. Evans leitete.
Dedikationsnamen 1896 ehrten David Starr Jordan und Barton Warren Evermann Richard Rathbun mit der Benennung der Fischgattung Rathbunella.
Im selben Jahr wurde er im Epitheton des Texanischen Brunnenmolch (Eurycea rathbuni (Stejneger, 1896)), einen blinden Höhlensalamander, geehrt.
Weitere nach Rathbun benannte Arten sind:
Canda rathbuni (Canu & Bassler, 1920) Turbonilla rathbuni Verrill & Smith, 1880 Propebela rathbuni Verrill, 1884 Ophiothrix rathbuni Ludwig, 1882 Paralithodes rathbuni (J. E. Benedict, 1895) Aphyocharax rathbuni Eigenmann, 1907 Fundulus rathbuni Jordan & Meek, 1889 Paralonchurus rathbuni (Jordan & Bollman, 1890) Pontinus rathbuni Goode & Bean, 1896
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