mini|Alte Stahlkeile mit gefährlichen Bart-Ausbruchstellen.Der Bruch des mittleren Keils zeigt das innere Gefüge des Werkzeugstahls. Je nach Werkstoff und Herstellungsverfahren können dabei ein grobkörniges Bruchgefüge oder der Faserverlauf des geschmiedeten Materials sichtbar werden.mini|Ausgemusterte Spaltkeile aus Stahl, mit Bartbildung (aufgepilzten Schlagköpfen)
Als Bartbildung an Werkzeugen wird die plastische Verformung des Schlagkopfes eines zumeist gehärteten Stahlwerkzeugs infolge wiederholter Schläge bezeichnet. Sie tritt insbesondere bei Werkzeugen auf, bei denen Stahl auf Stahl geschlagen wird, beispielsweise an Spaltkeilen, Meißeln, Körnern, Durchtreibern oder Punzen.
Entstehung Bei jedem Schlag eines Stahlhammers auf den Kopf eines Stahlwerkzeugs entstehen kurzzeitig sehr hohe Druckspannungen. Obwohl der Werkzeugstahl gehärtet sein kann, überschreiten diese unter Umständen örtlich die Fließgrenze des Materials. Dadurch kommt es zu einer allmählichen plastischen Kaltumformung des Schlagkopfes, das Material an der Schlagfläche staucht sich. Durch die wiederholte hohe Druckbeanspruchung wird der Stahl allmählich seitlich nach außen gedrängt und bildet einen umlaufenden Grat oder Wulst, der im Handwerk als Bart bezeichnet wird. Im Englischen wird der Ausdruck Mushrooming chisel bei Meißeln mit einer Pilzkopfaufweitung verwendet.
Anfangs ist diese Verformung kaum sichtbar. Mit zunehmender Beanspruchung kann dieser Bart immer weiter anwachsen. Nach längerem Gebrauch entsteht jedoch ein umlaufender Grat, der sich durch weiteres Stauchen vergrößert. Gleichzeitig können durch die wiederholte Schlagbeanspruchung Risse entstehen. Ist die Verformung weit fortgeschritten, können Teile des Bartes absplittern oder ausbrechen.
Bei älteren Spaltkeilen wurde häufig ein zäher Schmiedestahl verwendet. Im Gegensatz zu vollständig gehärteten Werkzeugen verformt sich der Schlagkopf unter der wiederholten Beanspruchung plastisch. Dabei entsteht allmählich der sogenannte Bart. Diese Verformung war konstruktiv durchaus erwünscht, da sie einem spröden Bruch des Werkzeugs entgegenwirkt. Mit zunehmender Materialstauchung können jedoch Risse entstehen oder Teile des Bartes ausbrechen.
Gefahren Die Bartbildung ist zunächst keine Beschädigung, sondern eine Folge der plastischen Materialverdrängung des Schlagkopfes. Erst eine fortgeschrittene Bartbildung mit Rissbildung oder Materialausbrüchen macht das Werkzeug sicherheitstechnisch bedenklich.
Eine ausgeprägte Bartbildung stellt ein Sicherheitsrisiko dar!
Die Verformung entsteht nicht ausschließlich am Keil oder Meißelkopf. Auch der Schlaghammer unterliegt einem Verschleiß. Da der Hammer jedoch in der Regel eine deutlich größere Masse besitzt und seine Schlagfläche wesentlich größer ausgeführt ist, fällt die plastische Verformung meist geringer aus. Bei langjährigem Gebrauch kann jedoch auch am Hammerkopf eine Bartbildung auftreten.
Mögliche Folgen Absplittern kleiner Stahlstücke mit hoher Geschwindigkeit (Splitterflug), Verletzungen der Hände durch scharfkantige Grate, Beschädigung des Schlaghammers, Rissbildung oder Ausbrüche am Werkzeugkopf.
Aus diesem Grund sind Werkzeuge mit starkem Bart, tiefen Rissen, starken Ausbrüchen oder erheblichem Materialverlust nicht weiter zu benutzen, sondern auszumustern.
Wartung Zur regelmäßigen Wartung gehört das Entfernen des entstandenen Bartes. Hierzu wird der verformte Bereich beispielsweise an einer Schleifscheibe (Schleifbock) oder einem Tellerschleifer abgeschliffen und die ursprüngliche Fase des Schlagkopfes wiederhergestellt.
Siehe auch Verfestigung (Werkstoffkunde)
Weblinks Hand Tools and Equipment. In: OSHA Handbook for Small Businesses (englisch). „...chisels and punches, which develop mushroomed heads during use, reconditioned or replaced as necessary.“ entwickeln während des Gebrauchs einen Bart. SDS Chisel Blunt, Bent or Mushroomed? Regrind Angles, Heat Limits and Retirement Rules. In: zhonghuantools.com, 10. Juni 2026 (englisch). „...Entfernen Sie einen durch Schläge entstandenen Randwulst (Pilzkopf) vollständig. Schleifen Sie das Material bis auf den gesunden, rissfreien Stahl zurück, ... ein überwalzter Riss wächst weiter und schleudert ständig Splitter ab.“
Kategorie:Werkzeug