Hilde Seigewasser geborene Pöhlmann (* 19. September 1906 in Berlin; † 15. Februar 1945 in Cottbus) war eine deutsche Widerstandskämpferin und Mitglied der Widerstandsgruppen Uhrig-Römer und Europäische Union.
Leben Pöhlmann war die Tochter des Zimmermanns Heinrich Pöhlmann und seiner Frau Agnes. Sie wurde Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und lernte dort Charlotte Uhrig kennen. Nach dem Besuch der Volksschule und der Handelsschule arbeitete sie in verschiedenen Betrieben als Sekretärin. Um 1932 heiratete sie Hans Seigewasser und hatte mit ihm einen Sohn, Günther Seigewasser (1934–1994).
Nach der Machtergreifung im Januar 1933 unterstützte das Ehepaar politisch Verfolgte und deren Angehörige durch Sammeln von Lebensmitteln und Geldspenden und bauten eine Gruppe der Roten Hilfe in Berlin-Weißensee auf. Hilde war maßgeblich an der Herausgabe der illegalen Frauenzeitung der Roten Hilfe beteiligt.
1934 wurde die Gruppe aufgedeckt und Hans verhaftet, Hildes Aktivitäten blieben unentdeckt und sie konnte ihre Widerstandstätigkeiten fortführen. Sie nahm wieder Kontakt zu Charlotte Uhrig auf und hatte Verbindungen zur Uhrig-Römer-Widerstandsgruppe. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges beschaffte sie in ihrer Arbeitsstelle im Büro der „Wirtschaftsgruppe Bekleidung“, die für die Beschaffung von Wehrmachtsuniformen zuständig war, illegal Informationen, die Robert Uhrig an die sowjetische Botschaft und die anderen Alliierten übermittelte. Anfang 1940 kam Seigewasser über ein befreundetes Ehepaar ihres Ehemanns, Herbert und Marie Richter-Luckian, auch in Kontakt mit der Widerstandsgruppe Europäische Union und unterstützte diese durch Verteilung von Flugblättern und war als Kurierin tätig. Sie gab Informationen weiter, versandte Briefe ins Ausland und half jüdischen Bürgern mit gefälschten Ausweisen, Lebensmitteln und Lebensmittelkarten 1943 wurde Seigewasser zusammen mit Charlotte Uhrig und Charlotte Breitbach verhaftet und am 8. Februar 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. Ihr wurde vorgeworfen, ein Netzwerk zur Unterstützung inhaftierter Gesinnungsgenossen aufgebaut zu haben.
Auszug aus der Anklageschrift:
Seigewasser wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt und im Frauenzuchthaus Cottbus inhaftiert, Uhrig und Breitbach wurden freigesprochen. Am 15. Februar 1945 kam sie beim Luftangriff auf Cottbus durch Bombentreffer auf das Zuchthaus ums Leben, als sie die Zellentüren von Mitgefangenen aufschloss, um diese vor dem Tod zu bewahren.
Am 18. Dezember 2025 wurde eine Gedenkstele in der Wrangelstrasse 10 in Steglitz eingeweiht, in der das Ehepaar Seigewasser aufgeführt ist.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Roten Hilfe Kategorie:Uhrig-Gruppe Kategorie:Europäische Union (Widerstandsgruppe) Kategorie:Verurteilte Person (NS-Opfer) Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Frau