Roland Martin (* 1957) ist ein deutscher Neurologe und Neuroimmunologe. Seine Forschung befasst sich insbesondere mit den immunologischen Mechanismen der Multiplen Sklerose, autoreaktiven T-Zellen, genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren sowie der Entwicklung neuer Behandlungsansätze.

Von 2011 bis zu seiner Emeritierung 2022 war Martin Professor für Neurologie und Neuroimmunologie an der Universität Zürich und leitete die Abteilung für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung am Universitätsspital Zürich.

Ausbildung und akademische Laufbahn Martin studierte von 1976 bis 1982 Medizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Anschliessend arbeitete er am Institut für Virologie und Immunologie sowie an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg. 1988 habilitierte er sich.

Von 1989 bis 1991 forschte Martin an der Neuroimmunology Branch des National Institute of Neurological Disorders and Stroke der National Institutes of Health in Bethesda. Anschliessend war er an der Universität Tübingen tätig. In den folgenden Jahren übernahm er verschiedene Forschungs- und Leitungsfunktionen an den National Institutes of Health.

Von 2005 bis 2006 war er Forschungsprofessor bei der Institució Catalana de Recerca i Estudis Avançats und leitete die Grundlagenforschung und präklinische Forschung der Abteilung für klinische Neuroimmunologie am Universitätsspital Vall d’Hebron in Barcelona.

Von 2006 bis 2011 war Martin Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie Professor für Neurologie an der Universität Hamburg.

2011 wechselte er an die Universität Zürich und das Universitätsspital Zürich. Dort leitete er bis 2022 die Abteilung für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung sowie das zugehörige Multiple-Sklerose-Zentrum.

Forschung Martins Forschung konzentriert sich auf die Entstehung und Behandlung der Multiplen Sklerose. Zu seinen Schwerpunkten gehören autoreaktive T-Zellen, die Antigenspezifität von Immunreaktionen, der genetische Risikofaktor HLA-DR15, das Epstein-Barr-Virus sowie antigenspezifische Verfahren zur Wiederherstellung der Immuntoleranz.

Gemeinsam mit weiteren Forschenden untersuchte Martin, wie die beiden HLA-DR15-Moleküle zur Bildung eines autoreaktiven T-Zell-Repertoires beitragen können.

Weitere Arbeiten befassten sich mit dem Zusammenwirken einer Epstein-Barr-Virus-Infektion und des HLA-DR15-Haplotyps bei Multipler Sklerose.

Martin war zudem an Untersuchungen zur autologen hämatopoetischen Stammzelltransplantation bei Multipler Sklerose beteiligt.

Während seiner Tätigkeit an den National Institutes of Health war Martin an einer klinischen Untersuchung des monoklonalen Antikörpers Daclizumab bei Multipler Sklerose beteiligt.

Zusammen mit Mireia Sospedra veröffentlichte Martin 2016 einen Übersichtsartikel über die Immunologie der Multiplen Sklerose.

Unternehmensgründung Martin gründete 2015 gemeinsam mit Andreas Lutterotti und Mireia Sospedra das Biotechnologieunternehmen Cellerys als Spin-off der Universität Zürich, das antigenspezifische Immuntherapien für Multiple Sklerose entwickelt. Er ist Chief Scientific Officer des Unternehmens.

Auszeichnungen und Forschungsförderung

Martin erhielt eine Heisenberg-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2013 erhielt er einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats. Das geförderte Forschungsprojekt befasste sich mit der Bedeutung des HLA-DR15-Haplotyps als genetischem Risikofaktor für Multiple Sklerose. 2023 erhielt Martin den John Dystel Prize for Multiple Sclerosis Research. Der Preis würdigte seine Beiträge zur Erforschung der immunologischen Mechanismen der Multiplen Sklerose und zur Entwicklung neuer Therapieansätze.

Publikationen (Auswahl) mit Henry F. McFarland: Multiple sclerosis: a complicated picture of autoimmunity. In: Nature Immunology. Band 8, Nr. 9, 2007, S. 913–919, doi:10.1038/ni1507. mit Mireia Sospedra: Immunology of Multiple Sclerosis. In: Seminars in Neurology. Band 36, Nr. 2, 2016, S. 115–127, doi:10.1055/s-0036-1579739. mit Paolo A. Muraro, Giovanni L. Mancardi et al.: Autologous haematopoietic stem cell transplantation for treatment of multiple sclerosis. In: Nature Reviews Neurology. Band 13, Nr. 7, 2017, S. 391–405, doi:10.1038/nrneurol.2017.81. Targeting fibrin in neurodegeneration. In: Nature Immunology. Band 19, Nr. 11, 2018, S. 1149–1150, doi:10.1038/s41590-018-0241-9. mit Jian Wang, Ivan Jelcic, Lena Mühlenbruch et al.: HLA-DR15 Molecules Jointly Shape an Autoreactive T Cell Repertoire in Multiple Sclerosis. In: Cell. Band 183, Nr. 5, 2020, S. 1264–1281.e20, doi:10.1016/j.cell.2020.09.054. mit Mireia Sospedra, Thomas Eiermann und Tomas Olsson: Multiple sclerosis: doubling down on MHC. In: Trends in Genetics. Band 37, Nr. 9, 2021, S. 784–797, doi:10.1016/j.tig.2021.04.012. mit Andreas Lutterotti, Helen Hayward-Koennecke und Mireia Sospedra: Antigen-Specific Immune Tolerance in Multiple Sclerosis: Promising Approaches and How to Bring Them to Patients. In: Frontiers in Immunology. Band 12, 2021, Artikel 640935, doi:10.3389/fimmu.2021.640935.

Weblinks

Profil an der Universität Zürich Publikationen bei PubMed Publikationsprofil bei Google Scholar

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (Universität Zürich) Kategorie:Neurologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1957 Kategorie:Mann