Die Virginia war eine Fregatte der amerikanischen Marine (1777–1778) und später der britischen Marine (1778–1781).
Geschichte Bau Im Rahmen des beginnenden amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gab es vonseiten der Rebellen Bestrebungen zum Aufbau eigener Seestreitkräfte, um die britische Marine bekämpfen zu können. Hierfür wurde am 13. Oktober 1775 durch den Kontinentalkongress offiziell die Kontinentalmarine (engl. Continental Navy) gegründet und am 13. Dezember 1775 ein Bauprogramm über dreizehn Fregatten verabschiedet. Eines dieser Schiffe war die nominell mit 28 Kanonen ausgestattete, zum Typ der 12-Pounder-Frigate gehörende spätere Virginia.
Diese wurde durch den Schiffbauer und Marinearchitekten Joshua Humphreys – später Konstrukteur der Fregatten der United-States- und Constellation-Klasse – entworfen und unter Bauaufsicht von George Wells ab 1776 auf einer Werft in Fells Point, in der heutigen Zeit ein Stadtteil von Baltimore, an der Chesapeake Bay gebaut. Der Stapellauf erfolgte am 12. August 1776 und die Indienststellung, unter dem Kommando von Captain James Nicholson, im Frühjahr 1777.
Einsatzgeschichte Kontinentalmarine Nach ihrer Indienststellung erhielt Captain Nicholson den Befehl, mit der Virginia die britische Seeblockade der Chesapeake Bay zu durchbrechen und anschließend Kaperkrieg in der Karibik gegen die feindliche Handelsschifffahrt zu führen. Ihr erster Versuch schlug jedoch fehl, wie auch weitere vier Ausbruchsversuche im Mai, Oktober, November und Dezember 1777, sodass es unter der unzufriedenen Besatzung zu vermehrten Desertationen kam. Dies wurde auch durch die Anwesenheit etlicher Freibeuter im nahen Baltimore begünstigt. mini|links|Karte der Chesapeake Bay Anfang Januar 1778 war der Umfang dieser Desertationen so umfangreich geworden, dass die Virginia nicht mehr einsatzfähig war. Aufgrund dessen kam es zu einem heftigen Disput zwischen Captain Nicholson, seinem Ersten Offizier, Lieutenant Joshua Barney, und dem Gouverneur von Maryland, Thomas Johnson. Unter Vermittlung des Marine Committee des Kontinentalkongresses gelang es aber, weitere Mannschaften für das Schiff anzuwerben, wodurch die Virginia Mitte Januar so weit einsatzbereit war, dass ein erneuter Durchbruchsversuch unternommen werden konnte. Der Vorstoß verlief erfolgreich, bis die Virginia am Ausgang der Cheasapeake Bay – Höhe von Cape Henry und Cape Charles – durch die britische Fregatte Emerald (32 Kanonen) entdeckt wurde. Die Briten verfolgten anschließend die sich zurückziehende amerikanische Fregatte in Richtung Baltimore, bis diese durch landseitige Sicherungsmaßnahmen geschützt war.
Noch im selben Monat wurde ein weiterer Versuch unternommen, die britische Blockade zu durchbrechen. Hierfür schickte Captain Nicholson seinen Ersten Offizier Barney mit dem Kutter Dolphin (10 Kanonen) voraus, um die Position der britischen Patrouillenkräfte aufzuklären. Die Dolphin sichtete im Tangier Sound ein großes britisches Schiff, konnte diesem jedoch entkommen. Bevor sich die Dolphin mit der Virginia vereinigte, eroberte der Kutter eine zuvor durch die Briten erbeutete Slup aus Baltimore zurück. Aufgrund der Lageeinschätzung von Lieutenant Barney beschloss Captain Nicholson auch diesen Versuch abzubrechen und die Virginia kehrte nach Baltimore zurück.
In den nächsten zwei Monaten lag die amerikanische Fregatte für Reparaturen und Auffrischung der Vorräte im Hafen. Während dieser Zeit wurde Lieutenant Barney nach York in Pennsylvania geschickt, um dem dort tagenden Kontinentalkongress die Situation der Virginia darzulegen. Im März kehrte dieser mit dem Befehl zurück, so bald wie möglich einen weiteren Ausbruchsversuch zu unternehmen.
Die Virginia verließ Baltimore Ende März gemäß dieser Anordnung. Zunächst wurde Annapolis angelaufen, um dort einen von Gouverneur Johnson zugesagten Lotsen an Bord zu nehmen. Nachdem dies erledigt war, lichteten die Fregatte und das Lotsenboot am 30. März den Anker und fuhren die Bucht hinunter, um nachts durch die Blockade zu schlüpfen. Am frühen Morgen lief die Virginia hierbei auf dem Middle Ground einer Untiefe zwischen Cape Henry und Cape Charles auf Grund. Durch starken Wind wurde hierbei auch ihr Ruder beschädigt bzw. zerstört. Etwas später wurde die freigeschleppte und im Fahrwasser vor Anker liegende Fregatte durch die britische Fregatte Emerald und das Linienschiff Conqueror (74 Kanonen) entdeckt. Obwohl die Bewaffnung der Virginia einsatzfähig geblieben war, befahl Captain Nicholson, sein Beiboot loszumachen, und ging mit den Schiffspapieren an Land. Später am Vormittag ergab sich die amerikanische Fregatte Captain Caldwell von der Emerald. Ein Untersuchungsausschuss des Kongresses, der den Verlust der Virginia untersuchte, sprach Captain Nicholson und seine Offiziere aber von jeglicher Schuld für den Verlust des Schiffes frei.
Britische Marine mini|Zerstörung der amerikanischen Flotte in der Penobscot Bay– Gemälde von Dominic Serres – Nach ihrer Erbeutung durch die Briten wurde die Virginia eingebracht und am 19. Mai 1778 auf Befehl von Admiral Richard Howe für die North American Station der britischen Marine, unter dem Kommando von Captain John Orde, in Dienst gestellt. Der offizielle Ankauf durch die Marine erfolgte am 25. August 1778 für 4523 Pfund und 15 Schilling (siehe Pfund Sterling).
Anschließend wurde das Schiff in den nordamerikanischen Gewässern eingesetzt und war an der Abwehr des amerikanischen Landungsunternehmens an der Penobscot Bay in Maine im August 1779 und 1780 für Patrouillen um die Stadt Savannah in Georgia beteiligt.
Am 15. Oktober 1780 traf die Virginia nach einer Altantiküberquerung, wobei sie als Sicherung eines britischen Geleitzuges eingesetzt war, in Chatham (Chatham Dockyard) ein und wurde im Januar 1781 außer Dienst gestellt und aufgelegt. Zum Ende des Krieges und im Rahmen der allgemeinen Flottenverkleinerung wurde die Fregatte im Dezember 1782 zum Abbruch verkauft.
Technische Beschreibung Die Virginia war als Batterieschiff mit einem durchgehenden Geschützdeck konzipiert und hatte eine Länge von 38,42 Metern (Geschützdeck) bzw. 32,01 Meter (Kiel), eine Breite von 10,36 Metern und einen Tiefgang von 3,06 Metern bei einer Vermessung von 681 tons (bm). Sie war ein Rahsegler mit drei Masten (Fockmast, Großmast und Kreuzmast). Der Rumpf schloss im Heckbereich mit einem Heckspiegel, in den eine Galerie integriert war, die in die seitlich angebrachte Seitengalerien mündete. Diese waren aus Repräsentationsgründen durch zeitspezifische Schnitzereien und Bildhauerarbeiten geschmückt. Die Beplankung war kraweel ausgeführt, das heißt, die Kanten der Planken stießen stumpf aufeinander, so dass eine glatte Außenfläche entstand.
Die Bewaffnung bestand im amerikanischen Dienst aus um die 30 Kanonen und im britischen Dienst aus 28 Kanonen und zusätzlich zwölf ½-Pfünder-Drehbassen, diese wurden aber nicht bei der Geschützzählung miteinbezogen.Über die genaue Art der Bewaffnung besteht seitens der angeführten Quellen keine genaue Klarheit, da Alternativen zur Bestückung in Anzahl und Kaliber angegeben werden. Bei der hier für die britische Marine aufgeführten Bewaffnung handelt es sich aber um die Standardbestückung für 28-Kanonen-Fregatten bis 1780. Batteriedeck Backdeck Achterdeck Kanonen(Geschossgewicht) Design 24 × 12-Pfünder 2 × 6-Pfünder 4 × 6-Pfünder 30 Kanonen 1778(brit. Marine) 24 × 9-Pfünder – 4 × 3-Pfünder 28 Kanonen(51,699 kg)
Besatzung Die Besatzung hatte bei Indienststellung bzw. in amerikanischen Diensten eine Stärke von bis zu 315 Mann (Offiziere und Unteroffiziere bzw. Mannschaften). Im Dienst der britischen Marine betrug diese 200 Mann.
Bemerkungen
Siehe auch Liste der Segelfregatten der United States Navy
Literatur
Weblinks
Virginia (Kontinatalmarine) auf threedecks.org (englisch) Virginia (britische Marine) auf threedecks.org (englisch) Virginia (I) auf navsource.net (englisch)
Einzelnachweise Paul H. Silverstone: The Sailing Navy 1775–1854., S. 4. Rif Winfield: British Warships in the Age of Sail 1714 to 1792., S. 601.
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