mini|Exemplare, die im Begriff sind sich einzugraben Die Scheidenmuscheln (Solenidae) sind eine Familie der Muscheln aus der Ordnung Adapedonta. Die Familie ist Familie kommen weltweit in kaltgemäßigten bis tropischen Meeren vertreten. Die ältesten Vertreter der Familie stammen aus dem Thanetium (Paläogen).
Merkmale Die Gehäuse sind gleichklappig, aber extrem ungleichseitig. Die sehr kleinen, kaum hervortretenden Wirbel liegen endständig am Vorderende oder leicht abgesetzt vom Vorderende im ersten Fünftel der Klappen. Die Gehäuse sind im Umriss lang rechteckig, langgestreckt bis stabförmig, röhren- bis hülsenförmig. Sie können gerade oder leicht gebogen sein mit schräg oder gerade abgestutzten oder abgerundeten bis halbkreisförmigen Vorder- und Hinterenden. Im Querschnitt sind sie stark komprimiert. Die Gehäuse klaffen an Vorder- und Hinterende. Es ist jedoch kein Byssus vorhanden. Die Adultgröße reicht von etwa 15 mm bis 185 mm Länge. Die Schlossleiste ist nur schwach ausgebildet. Das Schloss weist einen Hauptzahn in rechter und linker Klappe auf. Nebenzähne fehlen oder sind nur schwach entwickelt. Das Ligament liegt außen hinter dem Wirbel.
Die aragonitische Schale besteht aus einer prismatischen äußeren Lage, einer mittleren Lage mit Kreuzlamellen und einer inneren Lage mit komplexen Kreuzlamellen oder einer homogenen Lage. Die Skulptur besteht aus deutlichen Anwachsstreifen, die durch Wachstumsunterbrechungen modifiziert sind (dichter stehend, Schale verdickt etc.). Das meist bräunliche, dünne Periostrakum ist sehr hinfällig und fällt meist schon ab, wenn die Schalen trocknen. Es ist häufig über den Klappenrand gefaltet.
Der vordere Schließmuskeleindruck ist kurz und eiförmig bis sehr lang und schmal. Der hintere Schließmuskeleindruck ist in etwa gleich groß oder auch größer, eiförmig bis dreieckig, und vor der Mantelbucht gelegen oder über ihr. Die Mantelbucht ist meist sehr kurz.
Die Tiere besitzen einen kräftigen, zylinderförmigem Fuß, der sich am Ende stark verjüngt und in einer stumpfen Spitze endet. Er ist während des Grabens sehr beweglich. Die Siphonen sind kurz und zusammengewachsen. Sie können bei Gefahr autotomisiert werden.
Unterschiede Die Familie unterscheidet sich von den Kurzscheidenmuscheln (Solecurtidae) durch die fast endständig am Vorderende gelegenen Wirbel. Sie sind auch deutlich länger im Verhältnis zur Höhe.
Geographische Verbreitung und Lebensraum Die Vertreter der Familie kommen weltweit in kaltgemäßigten bis tropischen Meeren vor. Einige Arten dringen auch in Ästuare vor. Eine Art kommt auch im Süßwasser vor. Schwerpunkt der Diversität sind die Kontinentalschelfe des tropischen Indopazifik sowie dessen Inseln und Inselgruppen wie Indonesien, Philippinen, Madagaskar und Neukaledonien. Die Tiere leben meist im Feinsediment (sandig, siltig) von der Gezeitenzone bis ca. 120 m Tiefe. Die Tiere leben in senkrechten, bis etwa 30 cm tiefen, temporären oder permanenten Röhren im Sediment, in denen sie sich mit dem schwellbaren Fuß schnell auf- und abwärts bewegen können. Sie sind Suspensionsfiltrierer, die Plankton und Detritus aus dem Wasser filtrieren.
Taxonomie Die Familie wurde von Jean-Baptiste de Lamarck 1809 unter dem nicht latinisierten Namen Les solenacées vorgeschlagen. Die Familie wurde aber in der latinisierten Form allgemein akzeptiert und ist deshalb verfügbar. Der Umfang der Familie ist jedoch noch etwas unsicher. MolluscaBase weist der Familie fünf Gattungen mit knapp 100 Arten zu, die meisten Arten werden der Gattung Solen zugerechnet. Viele ältere Namen sind jedoch nomina dubia und bedürfen einer Neuuntersuchung. Familie Solenidae , 1809 †Eosolen , 1930 †Leptosolen , 1865 Neosolen , 1920 Solen , 1758 Gemeine Scheidenmuschel (Solen marginatus , 1799) Solena , 1853
Literatur Eugene V. Coan, Paul Valentich Scott, Frank R. Bernard: Bivalve Seashells of Western North America. Marine Bivalve Mollusks from Arctic Alaska to Baja California. Part 2. Santa Barbara Museum of Natural History, Santa Barbara, CA 2012 ISBN 0-936494-30-1, S. 933. S. Peter Dance, Rudo von Cosel (Bearb. der deutschen Ausgabe): Das große Buch der Meeresmuscheln. 304 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977, ISBN 3-8001-7000-0 (S. 253) Markus Huber: Compendium of Bivalves. A full-color guide to 3,300 of the world’s marine bivalves. A status on Bivalvia after 250 years of research. 901 S., 1 CD-ROM, Hackenheim, ConchBooks, 2010 (S. 266) Rudolf Kilias: Lexikon Marine Muscheln und Schnecken. 2. Aufl., 340 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-7332-8 (S. 289) Guido Poppe und Yoshihiro Goto: European Seashells Volume 2 (Scaphopoda, Bivalvia, Cephalopoda). 221 S., Verlag Christa Hemmen, Wiesbaden 1993 (2000 unv. Nachdruck), ISBN 3925919104 (S. 104)
Einzelnachweise Yasuo Kondo, Shin-ichi Sano: Origination of extant heteroconch families: Ecological and environmental patterns in post-Paleozoic bivalve diversification. Palaeontological Research, 13: 39–44, Tokyo 2009
Jean-Baptiste de Lamarck: Philosophie zoologique, ou exposition des considérations relatives à l'histoire naturelle des animaux. Paris, Dentu & the author. Tome premier. Duminil-Leseur, Paris, 1809. Online bei Gallica, hier S. 319.
MolluscaBase: Solenidae Lamarck, 1809
Weblinks