Heinrich Gotthard Ludwig Schütt genannt Louis (* 21. Mai 1835 in Lübeck; † 18. Juni 1903 ebenda) war Seniorchef der C. F. Schütt & Co. Er entstammte der verzweigten Familiendynastie Schütt, die mit dem Haus C.F. Schütt & Co. eine der tragenden Säulen des lübeckischen Seehandels im 19. und 20. Jahrhundert bildete.

Leben mini|hochkant|Breite Straße 21 Die Geschichte der Familie Schütt folgte exemplarisch den Spuren einer lübeckischen Kaufmannsfamilie wie den Buddenbrooks.

Herkunft Der Kaufmann Heinrich Nicolaus Schütt führte bereits im Jahre 1814 im Hause der Breiten Straße 780 (jetzt 21) ein Schiffsmaklergeschäft, das bei seinem Tod an seinen Sohn, Christian Friedrich, überging. Dieser wandelte 1831 das Geschäft in die Firma C. F. Schütt & Co., vertrat die Svea- und Halland-Linie und widmete seine besondere Tätigkeit dem Verkehr mit Schweden. Als in der Kaufmannschaft Wertgeschätzten Bürger entsandte ihn der Senat in Gemischte Kommissionen. Der Begriff Gemischte Kommission in Lübeck bezieht sich im historischen Kontext des Deutschen Kaiserreichs auf die zuständigen Behörden. Die Kommission war eine gemeinsame Behörde aus zivilen Vertretern (wie Kirche oder Handelskammer) und Senat.

Laufbahn Schütt wurde am 1. März 1863 Teilhaber in der Firma seines Vaters und brachte sie zur Blüte.Hermann M. C. Schütt †. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1927/28, Nr. 9, Ausgabe vom 22. Januar 1928, S. 34–35. Er beteiligte sich fortan in tatkräftiger und erfolgreicher Weise wie dieser sowohl an deren Geschäften, als auch, nachdem er, wie sein Vater bereits 1831, 1863 ein Lübecker Bürger Bis weit in die Neuzeit hinein trennte Lübeck das lokale Bürgerrecht von der allgemeinen Staatsangehörigkeit. Nur wer den Staatsbürgereid leistete, durfte wählen oder öffentliche Ämter bekleiden. geworden war, am öffentlichen Leben.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter99999, 60. Jahrgang, Nr. 19, Ausgabe vom 4. März 1888, S. 111.

Zum Zweck der Förderung der Schifffahrt und des Seewesens wurde 1868 in Hamburg der DNV gegründet. 1870 erfolgte im Anschluss an die Einführung der Gewerbefreiheit und der damit einhergehenden Auflösung der Gilden und Zünfte in Lübeck die Gründung des Nautischen Vereins Lübeck als sein lübeckischer Zweigverein. Nautischer Verein Lübeck e.V. Als dessen Mitglied wurde Schütt mehrmals in seinen Vorstand gewählt.Nautischer Verein. In: Lübeckische Blätter, 48. Jahrgang, Nr. 14, Ausgabe vom 16. Februar 1876, S. 84. Auf der Hauptversammlung des Vereins am 4. März 1878 erwählte man Schütt zum Revisor der Internen Revision für jenes Jahr.Versammlung des Nautischen Vereins. In: Lübeckische Blätter, 50. Jahrgang, Nr. 24, Ausgabe vom 24. März 1878, S. 78–80.

Als Mitglied der Kaufmannschaft wurde Schütt 1880 für die Wahl in deren Vorstand, der Handeskammer, vorgeschlagen und schließlich erwählt.Versammlung der Kaufmannschaft. In: Lübeckische Blätter, 52. Jahrgang, Nr. 52, Ausgabe vom 7. Juli 1880, S. 319. Als 1889 das Ehrengehalt des neugewählten Präses, Hermann Lange, Der Lübecker Kaufmann und Teilhaber der Handlung Wm. Minlos Hermann Lange war Ende des 19. Jahrhunderts eng mit der Handelskammer verknüpft. Er wirkte unter anderem 1895 an den wichtigen Beratungen zur Verlegung des Lübecker Bahnhofs mit. In historischen Dokumenten aus dieser Ära wird zudem ein „Präses Lange“ der Handelskammer erwähnt, der die Interessen Lübecks bei den Verhandlungen zum neuen Handelsgesetzbuch vertrat. festgestellt wurde, schlug man die Schiffsmakler Burmeister, Jäde und Schütt für die am 19. Juli 1889 stattfindende Wahl eines neuen Mitgliedes der Handelskammer vor.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 61. Jahrgang, Nr. 56, Ausgabe vom 14. Juli 1889, S. 324.

Die Firma wuchs in den Zweigen der Reederei Die Grundfarbe der historischen Hausflagge der Firma rot mit einer durchgehenden weißen Raute, in deren Mitte ein schwarzes mit Serifen versehenes „S“ abgebildet war. und Schiffsmaklerei und unterhielt zahlreiche in den Norden führende Firmenverbindungen und intensivierte ihre regelmäßigen Verbindungen nach Dänemark und Schweden. Dem Lübecker Hafen führte sie so viele Schiffslinien und -verbindungen hinzu.

Als Mitglied des im Jahre dem 100. Todestag Friedrich Schillers in Weimar konstituierten in der Hansestadt gegründeten lübeckischen Vereins der Schillerstiftung ist Schütt auch bei der ältesten deutschen privaten Fördereinrichtung für Schriftsteller mehrfach für einen Turnus von zwei Jahren deren Revisor gewesen. So wurde er 1880Lübecker Schillerstiftung. In: Lübeckische Blätter, 52. Jahrgang, Nr. 84, Ausgabe vom 20. Oktober 1880, S. 484. erstmals zu deren Revisor gewählt. Letztmals erwählte man ihn 1893 an Stelle des aus dem Amte scheidenden Hermann Otte, Direktor der Commerz-Bank in Lübeck,Die Commerz-Bank in Lübeck war nie ein Teil der nach dem Ersten Weltkrieg auch in Lübeck vertretenen Commerzbank.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 65. Jahrgang, Nr. 99, Ausgabe vom 13. Dezember 1893, S. 580. wo ihn 1895 Adolf Erasmi, Eigentümer der Bonbon-, Marzipan und Zuckerwarenfabrik F. Vorbeck, ersetzte.Lübeckische Schillerstiftung. In: Lübeckische Blätter, 68. Jahrgang, Nr. 34, Ausgabe vom 31. Mai 1896, S. 252. Die lübeckische Stiftung ist heute nicht mehr in Sachen der Fördergelder und Literaturpreise aktiv. Diese Aufgaben übernimmt die überregionale Deutsche Schillerstiftung. Moderne Preisträger der Stiftung, wie etwa Gewinner des Anke-Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreises, treten im Rahmen von literarischen Veranstaltungen wie der LiteraTour Nord regelmäßig in Lübecker Kultureinrichtungen wie dem Buddenbrookhaus auf.

mini|hochkant|An der Untertrave 12/13 Als das Gebäude für die Schiffsmaklerfirma zu klein geworden war, man hatte jetzt auch regelmäßige Verbindungen nach Finnland aufgenommen, wurde das Kontor 1882 an die Untertrave 12, Erst 1884 wurde der gesamte Straßenzug zusammengefasst und erhielt seinen bis heute gültigen Namen An der Untertrave. heute An der Untertrave 12/13, verlegt.Gesellschaft zur Beförd. Gemeinnütz. Thätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 65. Jahrgang, Nr. 92, Ausgabe vom 15. November 1893, S. 561. Zudem war man nun näher am Hafen und nachdem sein Sohn Hermann 1883 in die Firma eintrat, arbeiteten drei Generationen unter einem Dach.

Für Finnland wurden viele Häfen angefahren, jedoch waren im Frühjahr Helsingfors, Wiborg, Kotka, Raumo, Mäntyluoto und Wasa noch wegen Eises geschlossen. Nur Hangö war passierbar und wurde einmal pro Woche von der Deutsch-Finnischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft und von der Linie Lübeck-Finnland zweimal monatlich erreicht. Zwischen Åbo und Lübeck fuhr wöchentlich die in Åbo ansässige Gesellschaft „Ångfartygs-Aktiebolaget ,Transito‘“. Das Ångfartygs-Aktiebolaget Transito (Dampfschiffs-Aktiengesellschaft Transito) war eine finnische Reederei mit Sitz in Turku, die von 1905 bis zu ihrer Fusion im Jahr 1924 existierte und den Passagier- sowie Frachtverkehr in Nord- und Westeuropa prägte. Die Lübecker Vertretung übernahm das Schiffahrtskontor Piehl & Fehling, Piehl & Fehling war ein bedeutendes deutsches Großhandelshaus, Speditions- und Schifffahrtskontor mit Ursprung in der Hansestadt Lübeck. In der Literaturgeschichte erlangte das Unternehmen besondere Berühmtheit als reales Vorbild für die fiktive Firma Strunk & Hagenström in Thomas Manns weltberühmtem Roman „Die Buddenbrooks“. die C. F. Schütt & Co übernahm ein bis zweimal im Monat den Personen- und Frachtverkehr nach Åbo.

Die Verbindung der Lübeck-Königsberger Dampfschiffahrts-Gesellschaft mit der C. F. Schütt & Co ist im Lübecker Reederei- und Schiffsmaklerwesen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine enge personelle und geschäftliche gewesen. Hinter der Gesellschaft war Friedrich Heinrich Bertling der Hauptakteur und Korrespondentreeder. Für seine regionalen Ostsee-Reedereien besaß er ein Netzwerk aus alteingesessenen Lübecker Kaufleuten und Maklern. Louis Schütt war ein enger geschäftlicher Weggefährte Bertlings, der, indem er als ein wichtiges Mitglied im Aufsichtsrat saß, die Geschicke der Gesellschaft mit Russland entscheidend mitlenkte. LMU München

Der gesamte Linienverkehr in den Osten ist durch ein Konsortium aus den führenden Lübecker Schifffahrtsdynastien (Bertling, Schütt, Burmester), gemeinschaftlich kontrolliert worden. Hans Burmester war anstelle von Schütt das wichtige Mitglied im Aufsichtsrat der Riga-Lübecker Dampfschiffahrts-Gesellschaft. Ulrich Simon: Partikulare Russlandinteressen im deutschen Gesamtstaat in Die Freien und Hansestädte und St.Petersburg

Die Hansestadt war ein wichtiger Knotenpunkt für Reisende aus dem Ostseeraum gewesen. Passagiere kamen per Dampfschiff in Lübeck an und wurden über die Agentur zu den Anschlussreisen in den großen Auswandererhäfen wie Hamburg oder Bremen weitervermittelt. Von dort starteten die Transatlantikliner.

Es wurden regelmäßig Werbeanzeigen (z. B. im Lübecker Volksboten) geschaltet, um Passagierplätze für transatlantische Reisen anzubieten. Die Anzeigen versprachen „vorzügliche Passagier-Einrichtungen für alle Klassen“ und „anerkannte Verpflegung“ nach Amerika. Friedrich-Ebert-Stiftung

Am Morgen des 18. Juni 1903 verstarb Louis nach längerem Leiden.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 45. Jahrgang, Nr. 25, Ausgabe vom 21. Juni 1903, S. 326.Indiana Tribüne: Jahrgang 26, Nummer 291, Indianapolis, Marion County, 31. Juli 1903, Seite 6. Viele der im Hafen liegenden Schiffe hatten anlässlich seines Todes ihre Flaggen auf halbmast gesetzt.

Politik Mit dem Ziel, seemännischen Nachwuchs für die lübeckische Handelsschifffahrt auszubilden, bildete sich 1876 eine „Kommission zur Bildung eines Lokal-Schulschiffsvereines“. Die Kommission bestand unter anderen mit Schütt und drei weiteren Kapitänen aus vier Mitgliedern des heimischen Nautischen Vereins.Versammlung des Nautischen Vereins. In: Lübeckische Blätter, 49. Jahrgang, Nr. 15, Ausgabe vom 21. Februar 1877, S. 78–80.Als Lübeck noch ein eigenständiger Staat war, besaß der Begriff Kommission eine staatsrechtliche Bedeutung. Die Kommissionen waren oft für zeitlich begrenzte Verfassungsfragen oder Sonderaufgaben zuständig. Ein Senator führte stets den Vorsitz, während "bürgerliche Deputierte" und von der Bürgerschaft gewählte Bürger die Facharbeit mitgestalteten. Der Deutsche Schulschiff-Verein wurde 1900 gegründet.

Das Wahlkomitee für, die Nachwahlen der Bürgerschaft erwählte ihn am 20. April 1881 als Beisitzer des II. Wahlbezirks (MMQ).Bürgerausschuss. In: Lübeckische Blätter, 53. Jahrgang, Nr. 32, Ausgabe vom 20. April 1881, S. 186–187.

Auf der Versammlung des Bürgerausschusses am 27. Dezember 1882 wählte dieser die Mitglieder der „Ersatz-Kommission“. Diese bezog sich im historischen Kontext des Deutschen Kaiserreichs auf die Behörden des Wehrersatzwesens, die für die Musterung, Rekrutierung und Aushebung von Wehrpflichtigen zuständig waren. Ihre zivilen Vertreter (wie Lübecker Senatoren und Bürgerliche Deputierte) und Militärs entschieden über die Tauglichkeit von Wehrpflichtigen, Rekrutierungsstammrollen und Anträge auf Zurückstellung (Unabkömmlichkeit). Schütt wählte man zum stellvertretenden Mitglied der Kommission.Versammlung des Bürgerausschusses. In: Lübeckische Blätter, 54. Jahrgang, Nr. 104, Ausgabe vom 27. Dezember 1882, S. 620.

Bei der Bürgerschaftswahl des I. Wahlbezirks (Jakobi Quartier und Vorstadt St. Gertrud) gaben bei der Bürgerschaftswahl am 16. Juni 1893 von 917 Wahlberechtigten 619 (67,45 %) ihre Stimme ab. Schütt erhielt 1 Stimme.Bürgerschaftswahl. In: Lübeckische Blätter, 65. Jahrgang, Nr. 49, Ausgabe vom 18. Juni 1893, S. 287.

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