Gernot Dietrich Kleiter (* 1. November 1943 in Liegnitz, Provinz Niederschlesien)Kürschners Gelehrtenlexikon 2026. 38. Ausgabe 2026. De Gruyter Brill, Berlin 2026, ISBN 978-3-11163546-0, S. 1851. ist ein pensionierter deutsch-österreichischer Psychologe, der an der Universität Salzburg wirkte.Ao.Univ.-Prof. Dr. Gernot Kleiter auf PLUS, abgerufen am 30. Juli 2026.

Leben Er wuchs nach der Flucht der Familie aus Niederschlesien im Allgäu auf. Ein älterer Bruder war der an der Europa-Universität Flensburg lehrende und verstorbene Psychologie- und Statistikprofessor Ekkehard F. Kleiter (1936–2004). Ein anderer Bruder, Detlef Kleiter, leitet mit seiner Schwester Birgit Kleiter das von der Familie aufgebaute Schullandheim in Waltenhofen im Allgäu.Willkommen bei Detlef Kleiter, abgerufen am 1. August 2026.

Er promovierte 1967 an der Universität SalzburgAlumni Club feiert „Goldene Promotionen“ vom 12. Dezember 2017, auf Alumni Club Salzburg, abgerufen am 30. Juli 2026. mit einer Dissertation über die Diagnostische Aussagekraft der Handschrift. Danach arbeitete er als Assistent bei Wilhelm Josef Revers. Nach seiner Habilitation wurde er zum Univ-Doz. ernannt und nach einer Gastprofessur an der Universität Graz Professor am Psychologischen Institut der Universität Salzburg. Hier unterrichtete er vorwiegend Experimentalpsychologie, Entscheidungsfindung, Denken und Schlussfolgern, Kognitive Psychologie und Statistik. Seit 2008 ist er im Ruhestand. Er war nach seiner Pensionierung mit dem Projekt Modelling Human Inference in the Framework of Probability Logic an dem Dachprojekt LogICCC (2008–2012) beteiligt, das von der Europäischen Wissenschaftsstiftung finanziert wurde.Kleiter, Gernot: Modelling Human Inference in the Framework of Probability Logic auf Universität Salzburg, abgerufen am 1. August 2026. Ebenfalls nach seiner Pensionierung hat er das DFG-Projekt The Logic of Causal and Probabilistic Reasoning in Uncertain Environments (LcpR) eingeworben und von 2008 bis 2013 geleitet.Professor Dr. Gernot D. Kleiter auf GEPRIS, abgerufen am 31. Juli 2026.

Werk Seine wissenschaftliche Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Kognitionspsychologie, formaler Epistemologie, Mathematischer Logik und Wahrscheinlichkeitstheorie. Er gilt als Pionier bei der Verknüpfung von Klassischer Logik und dem Denken in Wahrscheinlichkeiten (Probabilistic Reasoning). Dabei untersuchte er menschliche Urteils- und Entscheidungsprozesse, also wie Menschen unter Unsicherheit logische Schlüsse ziehen und Wahrscheinlichkeiten verarbeiten (Mental Probability Logic, menschliches Verständnis von Konditionalsätzen) bzw. die Entscheidungsfindung unter Verwendung Bayes'scher Netze; zudem die mathematische Modellierung von Lernprozessen, die menschliche Fehlererkennung und den Umgang mit unpräzisen Wahrscheinlichkeiten.

Privates Er war mit Johanna Charlotte Kleiter (1944–2002)Dr. Johanna Charlotte Kleiter abgerufen am 1. August 2026. verheiratet; aus der Ehe stammen zwei Zwillingstöchter, dabei ist Natascha Hermann-Kleiter Zellgenetikerin und Immunologin an der Medizinischen Universität InnsbruckKleiter-lab: Research auf Medizinische Universität Innsbruck, abgerufen am 31. Juli 2026. und Miriam Kleiter Radioonkologin an der Veterinärmedizinischen Universität WienMiriam Kleiter auf Veterinärmedizinischen Universität Wien, abgerufen am 1. August 2026.. Er lebte in Salzburg und in Seeham und war als Bergsteiger und Skifahrer naturinteressiert; seit 1984 beobachtete er die Tierwelt am Grabensee und engagierte sich in der Region.stiftmattsee.at Windelschnecke statt Hotelprojekt: Warum das Stift die Natur schützt auf Mattseer Stiftsblätter, S. 8, abgerufen am 30. Juli 2026. Er war zudem Turnierschachspieler; er wies eine nationale Wertungszahl (ÖSB-Elo) beim Österreichischen Schachbund in einem Bereich zwischen 1750 und knapp 1900 Elo-Punkten aufGernot Kleiter auf Chessbase, abgerufen am 30. Juli 2026. und nahm oft an regionalen Freundschafts- und Blitzturnieren sowie an traditionellen Vergleichskämpfen teil.Kleiter, Gernot auf International Chess Federation, abgerufen am 30. Juli 2026.

Publikationen (Auswahl) Monografien Bayes-Statistik: Grundlagen und Anwendungen. De Gruyter, Berlin 1981 (api.pageplace.de PDF, Nachdruck 2019, ISBN 978-3-11-084085-8).

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Imprecise Uncertain Reasoning: A Distributional Approach. In: Frontiers in Psychology. 9, 2018, Article 2051. Mit Niki Pfeifer; Andrew J. B. Fugard: A process model of the understanding of uncertain conditionals. In: Thinking and Reasoning, 2018, 24 (3), S. 386–422. Mit Christian Wallmann: Degradation in probability logic: When more information leads to less precise conclusions. In: Kybernetika, 2014, 50, 2, S. 268–283.

Mit Andrew J. B. Fugard; Niki Pfeifer; Bastian Mayerhofer: How people interpret conditionals: Shifts towards the conditional event. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition. 37 (3), 2011, S. 635–648. Mit Niki Pfeifer: Coherence and Nonmonotonicity in Human Reasoning. In: Synthese. 146 (1–2), 2005, S. 93–109. Mit Niki Pfeifer: Towards a mental probability logic. In: Psychologica Belgica. 45 (1), 2005, S. 71–99. Mit Kurt Schwarzenbacher: Beyond the answer: Post-error processes. In: Cognition, 32 (3), 1989, S. 255–277. Expressing imprecision in probabilistic knowledge. In: Statistical methods & applications. 2 (2), 1993, S. 213–232. Estimating the planning horizon in a multistage decision task. In: Psychological research. 38 (1), 1975, S. 37–64.

Mit Helmut Lukesch: Die Anwendung der Faktorenanalyse: Darstellung und Kritik der Praxis einer Methode. In: Archiv für Psychologie. 126, 1974, S. 265–307.

Weblinks

Gernot Kleiter auf Research Gate, abgerufen am 30. Juli 2026. Gernot Kleiter auf Independent Researcher, abgerufen am 31. Juli 2026. Works by Gernot D. Kleiter auf philpapers.org, abgerufen am 1. August 2026. Gernot Kleiter auf Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 1. August 2026.

Einzelnachweise

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