mini|Hafermühle Dippoldiswalde (2013) Die Hafermühle ist ein ehemaliger Mühlenstandort in der sächsischen Stadt Dippoldiswalde, im Tal der Roten Weißeritz. Die Industriemühle war u. a. auch unter der Wortmarke „Pflug“ sowie den Bezeichnungen Ober-, Rupprecht oder Benndorfmühle bekannt.

Sie befindet sich auf einem Grundstück am südlichen Ortsausgang von Dippoldiswalde, zwischen der Bundesstraße 170 und der Roten Weißeritz.

Geschichte Vorgeschichte Als früheste Quellen zur Geschichte der Hafermühle stehen nachgewiesene Eigentumswechsel und Rechtsstreitigkeiten zur Verfügung. Generell ist die Quellenlage sehr dünn. Für die häufig wiedergegebene These, dass sich an dieser Stelle ein Erzpochwerk befand ist bisher kein Nachweis bekannt.

Die erste Erwähnung der Mühle fand im 16. Jahrhundert statt. Im Jahr 1711 wechselt die Mühle laut Grundbuch den Besitzer, eine grobe Beschreibung der Anlagen einer Mahlmühle ist dabei enthalten.

Ein Großbrand vernichtete 1838 das aus vier Gebäuden bestehende Mühlenensemble.

1838–1990 Aufstieg zur Industriemühle Nach dem Großbrand wurde die Mühle wieder aufgebaut. Teile der Gebäude aus der Wiederaufbauphase um 1850 sind auch heute noch erhalten und können anhand des Natursteinmauerwerks zwischen den Ziegelbauten erkannt werden. Die baulichen Anlagen der Mühle veränderten sich nicht besonders, bis sie 1892 von der Dippoldiswalder Händlerfamilie Schmidt übernommen wurde.

Den Bauakten ist zu entnehmen, dass sich das Unternehmen in den folgenden Jahren zu einer Industriemühle entwickelte, welches in den 1950er Jahren mit den folgenden Gebäuden ihr größtes Ausmaß erreichte:ARCHIVVERBUND SÄCHSISCHE SCHWEIZ-OSTERZGEBIRGE, BAUARCHIV, Bauakte Hafermühle. Sammlung an Bauunterlagen der Firma Louis Schmidt, seit ca. 1882.

Wohn- und Produktionsgebäude (um 1850) mit rückseitigen Produktionsanbauten Stallscheune (um 1850) Rösterei (um 1850), 1913 aufgestockt Dampfmaschinengebäude Feldscheune (1899) Getreidespeicher als Fachwerkkonstruktion (1903) Kantinenbaracke (1934) Speicher als Stahlskelettbau (1934) Lager-, Versand-, Büro- und Wohngebäude (1957)

Selten fanden während der Nutzung als Mühle Abbrüche von Gebäuden statt, dafür häufig Umbauten und Erweiterungen, wie aus den Bauunterlagen hervorgeht. Das Unternehmen hielt weiterhin Gebäude in Dippoldiswalde außerhalb des Mühlenkomplexes.

Ab 1990 Niedergang und Stilllegung Unter der Treuhandanstalt erfolgte eine Umfirmierung in Pflug Hafernährmittel GmbH Dippoldiswalde sowie Dresdner Handelsgesellschaft Nährmittel GmbH Dippolsdiswalde. Der Betrieb wurde 1991 eingestellt. Es folgten Zwischennutzungen einzelner Gebäudeteile, u. a. als Möbelgeschäft oder Getränkehandel. Aufgrund fehlender Instandhaltungsmaßnahmen verfiel das Ensemble; einige Gebäude stürzten ein oder mussten notabgerissen werden.

Der derzeitige Eigentümer plant den Erhalt einzelner Gebäude durch einen Umbau zu Wohnungen.

Produkte Die Mühle war, spätestens seit der Übernahme durch die Familie Schmidt, vorwiegend auf die Verarbeitung von Hafer ausgelegt. Im Jahr 1925 entstand die geschützte Wortmarke „Pflug“. Häufig erfolgte eine Bewerbung der Produkte mit Kindern oder Rezeptvorschlägen. Weiterhin gab es das Kochbuch „111 mal Hafer. Ein Hafer-Kochbüchlein“.

Eine Auswahl der Produkte:

Gebirgs Haferflocken Hafermark Hafermilch Haroh – Rohkosthaferflocke Hafermehl

Technik Der Antrieb der Mühle erfolgte bis zur Betriebseinstellung durch ein oberschlächtiges Wasserrad. Ergänzend stand zwischenzeitlich eine Dampfmaschine zur Verfügung, welche jedoch später von einem Dieselaggregat mit Generator abgelöst wurde. Somit konnte die Transmission elektrisch angetrieben werden. Die Dampfkessel standen nach Aussage eines ehemaligen Mitarbeiters bis zum Leerzug der letzten Betriebswohnungen zu Heizzwecken in Betrieb.

Die Mühle umfasste mehrere Speichergebäude, eine Rösterei sowie mehrere Mahlgänge. Von 1894 bis 1993 war ein Gleisanschluss an die Weißeritztalbahn vorhanden.

Die Mühlentechnik war weithin bis in die 2010er Jahre auffindbar. Stand 2026 ist keine Mühlentechnik mehr in den Gebäuden vorhanden. Eine erneute Nutzung des Mühlrades ist ausgeschlossen, da kein Veto gegen ein Planfeststellungsverfahren eingelegt wurde, in dessen Zuge der Abbruch der Wehranlage sowie eine Neuprofilierung des Flussbettes erfolgte.

Literatur Fa. Hafernährmittel Louis Schmidt, 111 mal Hafer. Ein Hafer-Kochbüchlein. Dippoldiswalde, 1934 Voß, Peter, Mühlen in Dippoldiswalde. 400 Jahre Geschcihte. Dippoldiswalde, 2013

Weblinks

Historische Werbung der Hafermühle

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Dippoldiswalde Kategorie:Organisation (Dippoldiswalde) Kategorie:Mühle im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge