Der Fondmetal GR01 ist ein Formel-1-Rennwagen des italienischen Motorsportteams Fondmetal F1, das in der ersten Hälfte der Formel-1-Weltmeisterschaft 1992 eingesetzt wurde. Das Auto ist weitgehend identisch mit dem Fondmetal Fomet 1 aus der Saison 1991, ist aber anders motorisiert. Der GR01 war ein Lückenfüller, der die Zeit bis zum Erscheinen des neu konstruierten Fondmetal GR02 überbrücken musste. Er war nicht erfolgreich. Fondmetal erreichte mit ihm keine Zielankunft.

Entstehungsgeschichte Der von Gabriele Rumi gegründete und geführte italienische Felgenhersteller Fondmetal war in den 1980er-Jahren zunächst als Ausrüster und sodann als Sponsor in die Formel 1 gekommen. Fondmetal unterstützte jahrelang das Turiner Team Osella, das zu den am schwächsten aufgestellten Rennställen der Formel 1 gehörte. Zum Ende des Jahrzehnts übernahm Rumi schrittweise Geschäftsanteile an der Osella Squadra Corse: 1989 zunächst eine Minderheitsbeteiligung, 1990 dann die Anteilsmehrheit, und zum Jahresende übernahm er Osellas Formel-1-Abteilung vollständig. Der Betrieb wurde von Turin nach Palosco bei Bergamo verlagert, Alan Henry: Auto Course 1991/92. London 1991 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-87-2, S. 53. wo auch Fondmetals Stammwerk seinen Sitz hatte. Die Entwicklung eines neuen Rennwagens übertrug Rumi einem neu gegründeten Tochterbetrieb in Großbritannien, der die Bezeichnung Fomet erhielt. Der dort konstruierte Fondmetal Fomet 1 erschien zum dritten Rennen der Saison 1991; er löste das alte Osella-Material ab, das auf das Jahr 1989 zurückging. Der Fomet 1 blieb bis zum letzten Rennen des Jahres 1991 in Betrieb. Bereits nach einem Jahr kam es zum Bruch zwischen Fomet und Fondmetal. Fomet begann Ende 1991, Arbeiten auch für andere Teams zu erledigen. Rumi lehnte die Ausweitung der Aktivitäten ab und kündigte die Zusammenarbeit mit Fomet auf, obwohl dort die Entwicklung des Fondmetal-Autos für die Saison 1992 bereits begonnen hatte. Rumi verkaufte seine Fomet-Anteile an das französische Team Larrousse, das den Wagen, der ursprünglich der 1992er Fondmetal werden sollte, 1992 unter der Bezeichnung Venturi LC92 an den Start brachte. Das neue Fondmetal-Auto ließ Rumi stattdessen von Sergio Rinlands Unternehmen Astauto in Großbritannien konstruieren. Seine Fertigstellung zog sich bis ins Frühjahr 1992 hin. Bis dahin ging Fondmetal weiter mit der bisherigen Fomet-Konstruktion von 1991 an den Start, die zum Beginn der Saison 1992 von Fomet 1 in Fondmetal GR01 umbenannt wurde. Die Buchstabenkombination übernimmt die Initialen Gabriele Rumis. Technisch stimmt der GR01 weitgehend mit dem Fomet 1 überein. Zum Großen Preis von Kanada erschien Rinlands neuer Fondmetal GR02, der den alten GR01 schrittweise ablöste.

Fondmetal blieb auch 1992 ein Cosworth-Kundenteam, das ältere Achtzylindermotoren einsetzte. Rumi hatte zum Jahreswechsel 1991/92 versucht, für die neue Saison Zehnzylindermotoren von Judd zu erhalten; die Verbindung kam jedoch nicht zustande. Einige Quellen geben technische Schwierigkeiten als Grund an.

Konstruktion Der Fondmetal GR01 entspricht weitgehend dem Fomet 1 von 1991. Konstrukteure waren Robin Herd, Tino Belli und Tim Holloway. Das Auto wird in der Literatur zumeist als einfaches, unkompliziertes Auto beschrieben,David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-613-01477-7, S. 102: „a straightforward car“. das noch einige Merkmale der letzten Osella-Konstruktion von 1989 in sich trug.Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1. 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7, S. 463.

Chassis und Fahrwerk Chassis, Fahrwerk und Verkleidung des GR01 entsprechen dem Fomet 1 von 1991. Das Auto hat ein Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, das schmaler war als das des letzten Osella von 1990. (abgerufen am 31. Juli 2026). Die Aerodynamik, die für den Fomet 1 neu entwickelt worden war, wurde für den GR01 nicht wesentlich verändert. Die Aufhängung verwendete rundum Schubstreben.

Wie im Vorjahr, kamen die Reifen des US-amerikanischen Herstellers Goodyear, der 1992 Alleinausrüster der Formel 1 war.

Antrieb und Kraftübertragung mini|Cosworth-HB-Motor (1991) Die wesentlichen Änderungen des GR01 gegenüber dem Fomet 1 ergaben sich aus der Auswechslung des Motors und den damit verbundenen Anpassungen im Chassisbereich. Während der Fomet 1 in der Saison 1991 von einem zu dieser Zeit bereits veralteten Cosworth-DFR-Motor angetrieben wurde, der in seiner Grundkonstruktion noch auf den Cosworth DFV von 1967 zurückging und 1991 das leistungsschwächste Triebwerk des Starterfeldes war, setzte Fondmetal 1992 Achtzylindermotoren vom Typ Cosworth HB ein. Der HB war eine Neukonstruktion von 1989 mit einem schmalen Zylinderbankwinkel von 75 Grad, die ursprünglich exklusiv für Benetton entstanden war, ab 1991 aber (in älteren Versionen) auch Kundenteams bereitgestellt wurde. Mit Beginn der Saison 1992 ersetzte der Kunden-HB den alten DFR vollständig. Fondmetal erhielt 1992 ebenso wie Lotus Motoren der Generation HB-V, die sich auf dem Entwicklungsstand von 1991 befanden.Alan Henry: Autocourse 1992/93. London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 63. Der Motor erreichte Drehzahlen von mehr als 13000 Umdrehungen pro Minute und leistete in der zweiten Saisonhälfte 1991 (ebenso wie 1992) etwa 670 PS.Graham Robson: Cosworth: The Search for Power. J H Haynes & Co, 2017, ISBN 978-1-84425-015-8. Er war damit etwa 50 PS stärker als die alten DFR-Motoren, lag aber gut 100 PS unter den Zehn- und Zwölfzylindern von Renault und Honda.

Produktion Während 1992 nur zwei Chassis des Fomet 1 verfügbar waren,Eine Ausnahme war der Große Preis von Belgien 1991, zu dem einmalig ein Chassis Fomet 1/3 erschien. Der Fomet 1/3 wurde in Belgien weder im Training noch im Rennen eingesetzt. Das Chassis tauchte danach bis zum Saisonende 1991 nicht wieder auf. meldete Fondmetal bis zum Sommer 1992 insgesamt vier verschiedene Chassis des GR01 (GR01/1 bis GR01/4). Inwieweit die Autos neu aufgebaut wurden oder bloß weiterverwertete 1991er Chassis waren, ist in der Fachliteratur nicht dokumentiert.

Der GR01 wurde ab Juni 1992 schrittweise durch den GR02 ersetzt, von dem lediglich zwei Chassis hergestellt wurden. Der GR01 blieb bis zum letzten Rennen Fondmetals als Ersatzauto erhalten.

Lackierung und Sponsoren Der Fondmetal GR01 war dunkelblau lackiert und hatte rote und silberfarbene Akzentstreifen. Hauptsponsor war das Mutterunternehmen Fondmetal, hinzu kam der Reinigungsmittelhersteller Brook Italia, der mit dem Radierschwamm Sgommatutto warb, sowie Foppapedretti, ein Hersteller von Holzspielzeug aus Bergamo.

Fahrer Im Gegensatz zu 1991, als Fondmetal nur ein Auto gemeldet hatte, ging das Team 1992 mit zwei Autos an den Start. Fahrer waren Gabriele Tarquini, der bereits bei den letzten Rennen des Jahres 1991 für Fondmetal gestartet war, sowie der Schweizer Andrea Chiesa, der hier sein einziges Formel-1-Jahr absolvierte. Chiesa wurde im August 1992 durch Eric van de Poele ersetzt, der bei seinen Einsätzen ausschließlich mit dem neuen GR02 startete.

Verteilung der Chassis Grand Prix GR01/1 GR01/2 GR01/3 GR01/4 – Ersatzauto Tarquini Chiesa – Ersatzauto Chiesa Tarquini – Ersatzauto Chiesa Tarquini – Ersatzauto Chiesa Tarquini Ersatzauto Chiesa Tarquini – Ersatzauto Chiesa Tarquini – Ersatzauto Chiesa – – Ersatzauto – – – Chiesa – – – Chiesa – – – – Ersatzauto – – – Ersatzauto – – – Ersatzauto – –

Renneinsätze Die Saison 1992 begann mit 16 Teams und 32 Fahrern. Im Laufe des Jahres stellten drei besonders schwach aufgestellte Teams den Rennbetrieb ein: Brabham trat nur bis zum Großen Preis von Ungarn an – zuletzt nur noch mit einem Auto –, und Andrea Moda Formula wurde vor dem Großen Preis von Belgien von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft ausgeschlossen. Fondmetal hielt bis zum Großen Preis von Italien durch. Kurz vor dem Aufbruch des Teams zum anschließenden Rennen in Portugal zog Rumi die Meldung seines Teams für den Rest der Saison zurück.

Fondmetal begann die Saison in Südafrika, ohne vorher Testfahrten durchgeführt zu haben. Die beiden verfügbaren GR01 wurden erstmals in Kyalami zusammengebaut und gefahren.

Tarquini qualifizierte sich mit dem unerprobten Auto in Südafrika für den 15. Startplatz, fiel aber nach 23 Runden wegen eines Motordefekts aus. In Mexiko kam Tarquini im Qualifying auf Startplatz 14, war dabei in seiner schnellsten Runde aber 1,5 Sekunden langsamer als Olivier Grouillard mit dem baugleichen Fomet 1 und dem alten DFR-Motor vor einem Jahr an gleicher Stelle gewesen war. Im Rennen fiel er nach einem Kupplungsdefekt aus.Alan Henry: Auto Course 1992/93, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 115. In Brasilien fuhr Tarquini, der vom 19. Platz gestartet war, die drittschnellste Rennrunde; schneller waren nur die beiden Williams FW14B von Nigel Mansell und Riccardo Patrese. Im Rennen fiel er in Runde 63 aus, nachdem der Cosworth-Motor überhitzte.Alan Henry: Auto Course 1992/93, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 125. Beim regnerischen Großen Preis von Spanien lag Tarquini zeitweise auf Platz sieben, bevor er nach einem Reifendefekt ausfiel. Bei den beiden folgenden Rennen in San Marino und Monaco war der GR01 schlecht vorbereitet, denn das Team konzentrierte sich zu dieser Zeit auf die Fertigstellung des neuen GR02. Tarquini qualifizierte sich für beide Rennen, fiel aber jeweils vor Rennende aus. Zum Großen Preis von Kanada erhielt er den ersten GR02.

mini|Andrea Chiesa im GR01 beim Großen Preis von Monaco 1992 Der Schweizer Debütant Chiesa hatte Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Formel 1. In den Trainingssitzungen und bei Rennen führte er die in der Formel 3000 übliche Praxis fort, auf Abwärtspassagen den Motor als Bremse zu verwenden. Dabei überschritt er wiederholt die Drehzahlgrenze und verursachte schwere Motorschäden. Mit fortschreitender Saison hielt ihn die Teamleitung zunehmend vom Auto fern. Am Ende beschränkte sie sogar die Runden, die Chiesa in der Vorqualifikation bzw. der Qualifikation absolvieren durfte.Alan Henry: Auto Course 1992/93, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 63. In Frankreich erhielt Chiesa erstmals den neuen GR02. Er qualifizierte sich hier für den letzten Startplatz. Im Rennen geriet er unmittelbar nach dem Start in eine Kollision mit Maurício Gugelmin (Jordan) und Bertrand Gachot (Venturi-Larrousse), bei der sein GR02 so stark beschädigt wurde, dass er über mehrere Wochen hinweg nicht einsatzbereit war. Für die beiden folgenden Rennen in Deutschland und Ungarn saß Chiesa daher wieder im GR01. Bei neun Versuchen qualifizierte sich Chiesa mit dem GR01 nur zu zwei Rennen. Eine Zielankunft erreichte er nicht. In Mexiko und in Spanien fiel er jeweils nach einem Fahrfehler aus.Alan Henry: Auto Course 1992/93, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 116 und 134 Chiesa fuhr den GR01 zunächst bis zum Großen Preis von Kanada. Beim anschließenden Rennen in Frankreich war für ihn erstmals der zweite GR02 einsatzbereit.

Ergebnisse Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Punkte Rang Formel-1-Saison 1992 0 – 14 DNQ DNF DNQ DNF DNQ DNQ DNQ DNQ DNQ 15 DNF DNF DNF DNF DNF DNF

Literatur Patrice Burchkalter, Jean François Galeron: Formula 1 – a complete guide to 1992, Surrèsnes (Taillandrier) 1992, ISBN 2-87636-107-8. Alan Henry: Auto Course 1991/92. London 1991 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-87-2 Alan Henry: Auto Course 1992/93, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1. David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-613-01477-7. Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1. 2. Auflage. Chronosports, St. Sulpice 2000, ISBN 2-940125-45-7 (französisch).