Robert Nevitt Sanford (* 31. Mai 1909 in Chatham; † 11. Juli 1995 in Belfast) war ein US-amerikanischer Persönlichkeits- und Klinischer Psychologe und Professor an der Stanford University.M. B. Smith: Nevitt Sanford (1909–1995). American Psychologist, 1997, 52 (2), S. 174–175, abgerufen am 27. Juli 2026, Nevitt Sanford auf biographies.net, abgerufen am 28. Juni 2026.

Leben Er wurde als Sohn und Enkel von Baptistenpredigern geboren. Er besuchte zuerst die University of Richmond und erwarb hier seinen B.A. Seinen Master-Abschluss bekam er an der Columbia University, danach promovierte er in Psychologie zum Ph.D. an der Harvard University und war von 1935 bis 1940 an der Harvard Psychological Clinic tätig. In Harvard lernte er Gordon Allport und Henry A. Murray, den Pionier der Harvard Clinic und Begründer der Klinischen Psychologie in Harvard, kennen.

1940 wurde er Professor für Psychologie an der University of California, Berkeley. Während der McCarthy-Ära wurde die University of California in Berkeley 1940 zum Schauplatz eines Skandals, als die Universität ihn und elf weitere Professoren, darunter auch Edward Tolman, 1950 wegen der Weigerung, einen Treueeid zu leisten, entließ. Nach seinem Weggang aus Berkeley war er ein Jahr lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Tavistock Institute for Human Relations in London tätig und trat anschließend dem Lehrkörper des Vassar College bei. Aufgrund einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Kalifornien im Jahr 1959 wurde er in Berkeley wieder eingestellt. 1961 verließ er Berkeley, um eine Professur an der Stanford University anzunehmen. 1968 verließ er Stanford, um das Wright Institute in Berkeley zu gründen. Dieses ist eine Graduiertenschule für Psychologie mit Schwerpunkt auf die Erforschung sozialer Probleme, das den Fokus auf die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens legt und die Möglichkeit zum Erwerb eines Doctor of Clinical Psychology (Psy.D.) und einen Master of Counseling Psychology anbietet.Wright Institute founder, Dr. Nevitt Sanford auf The Wright Institute, abgerufen am 28. Juli 2026.

Werk In seinen frühen Jahren in Berkeley wurde er Mitglied der Berkeley Public Opinion Study Group und war zusammen mit den psychoanalytisch orientierten Forschern Theodor W. Adorno und Else Frenkel-Brunswik einer der Autoren zur autoritären Persönlichkeit.Annalee Newitz: How World War II scientists invented a data-driven approach to fighting fascism. The F-scale personality test measured authoritarianism in US citizens auf arstechnica.com vom 3. Juni 2016, abgerufen am 28. Juli 2026. Er gehörte zu den Ersten, die die Wechselwirkung zwischen sozialen Systemen und Persönlichkeit untersuchten. Dabei beschrieb er, wie soziale Bedingungen Menschen mit dogmatischen Vorurteilen dazu verleiten können, Gruppen zu verfolgen, gegen die sie Vorurteile hegen. Er prägte auch maßgeblich die Ausbildungsstandards in der klinischen Psychologie in den USA. 1947 wurde er von der American Psychological Association in das Komitee berufen, das die Kriterien für die Akkreditierung von Ausbildungsprogrammen in klinischer Psychologie festlegte.

In den 1950er und frühen 1960er Jahren leitete er eine bedeutende Studie zur Hochschulbildung und veröffentlichte 1962 „The American College“ und 1967 „Where Colleges Fail“. Er war stark von John Dewey beeinflusst, der Wissenschaftler dazu verpflichtete, Wissen zur Lösung sozialer Probleme anzuwenden. Er vertrat auch die Ansicht, dass eine übermäßige Gewichtung akademischer Publikationen bei der Bewertung von Professoren – oft als „publish or perish“-Syndrom bezeichnet – zu einer Verschlechterung ihrer Lehrfähigkeiten führe. Er kritisierte außerdem frühzeitig Intelligenztests, da diese seiner Ansicht nach die weiße Mittelschicht begünstigten und setzte sich stark dafür ein, den Hochschulzugang für Studierende aus Minderheiten zu verbessern. Im Bereich von Bildung und Pädagogik vertrat er die Ansicht, dass Herausforderung und Unterstützung (challenge and support) die zwei wesentlichen Dimensionen hinsichtlich des Erfolgs am Arbeitsplatz, aber auch bei der Hochschulbildung und der Erwachsenenbildung darstellen.A few citations regarding Sanford aufgerufen am 28. Juli 2026.

Ehrungen/Positionen 1979: Stiftung des Nevitt Sanford Award for Outstanding Professional Contributions to Political Psychology durch die International Society of Political Psychology (ISPP)2026 Nevitt Sanford Award for Outstanding Professional Contributions to Political Psychology auf International Society of Political, abgerufen am 28. Juli 2026. Präsident der Abteilung für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie der American Psychological Association Präsident der Society for the Psychological Study of Social Issues 1970: Kurt Lewin Award durch die Society for the Psychological Study of Social IssuesPast winners sorted by year auf SPSSI, abgerufen am 27. Juli 2026. 1960: Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral SciencesNevitt Sanford auf casbs.stanford, abgerufen am 27. Juli 2026.

Privates Er war verheiratet mit Christine Dickson Sanford († 1990). Sie brachte drei Kinder mit in die Ehe (Elizabeth, Margaret und David); gemeinsam bekamen sie noch die vier Kinder: Jane, Bob, Michael und MarkJane Sanford Obituary, abgerufen am 28. Juli 2026. Er selbst wurde 86 Jahre alt und verstarb an einem Herzinfarkt während der Behandlung eines Hüftbruchs.

Publikationen (Auswahl) Monografien Self and Society: Social Change and Individual Development. Routledge, Abingdon 2017, ISBN 978-1-138-53238-0. Mit Else Frenkel-Brunswik; Theodor W. Adorno; Daniel Levinson: The Authoritarian Personality. WW Norton & Co, New York City 1983, ISBN 978-0-393-30042-0. Deutsche Ausgabe: Mit Else Frenkel-Brunswik; Theodor W. Adorno; Daniel Levinson: Studien zum autoritären Charakter. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-518-28782-8. Mit Craig K. Comstock: Sanctions for Evil: Sources of Social Destructiveness. Jossey-Bass, San Francisco 1981, ISBN 978-0-87589-077-7. Learning after college. Montaigne Publisher, Paris 1980, ISBN 978-0-917430-04-6. Mit Joseph Axelrod: College and Character. Montaigne Publisher, Paris 1979, ISBN 978-0-917430-01-5. Where Colleges Fail: A Study of the Student as a Person. Jossey-Bass, San Francisco 1967. Mit Theodor W. Adorno; Else Frenkel-Brunswik; Otto Fenichel; Max Horkheimer; Bernhard Berliner: Anti-Semitism: a social disease. International Universities Press, New York 1946.

Herausgeberschaften American College. A psychological and social interpretation of the higher learning. John Wiley & Sons, Hoboken 1967, ISBN 978-0-471-75300-1.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge A personal account of the study of authoritarianism. In: Journal of Social Issues, 1986, 42 (1), S. 209–214. Some recollections of the free speech movement. In: Journal of Counseling and Development, 1985, 64 (1), S. 14–18. Social psychology: Its place in personology. In: American Psychologist, 1982, 37 (8), S. 896–903. Personology as well as the personologist is shaped by many and varied forces. In: Personality and Social Psychology Bulletin, 1982, 8 (4), S. 605-–608. Four critical years: Effects of college on beliefs, attitudes and knowledge. In: Contemporary Psychology, 1979, 24 (6), S. 500. Graduate education then and now. In: American Psychologist, 1976, 31 (11), S. 756–764. Whatever Happened to Action Research? In: Journal of Social Issues, 1970, 26, 3–23. Surface and Depth in The Individual Personality. In: Psychological Review, 1956, 63, (6), S. 349–359. Mit M. Freedman; H. Webster: A study of authoritarianism and psychopathology. In: Journal of Psychology, 1956, 41 (2), S. 315–322.

Literatur Mervin B. Freedman (Hrsg.): Social Change and Personality: Essays in Honor of Nevitt Sanford. Springer, New York 1987, ISBN 978-1-461-57864-2. Judith Torney-Purta: Adolescents’ Political Socialization in Changing Contexts: An International Study in the Spirit of Nevitt Sanford. In: Political Psychology, 2004, 25 (3), S. 465–478. H.J. Canon: Nevitt Sanford: Gentle Prophet, Jeffersonian Rebel. In: Journal of Counseling & Development, 1988, 66, S. 451–457.

Weblinks

Nevitt Sanford, 86, Psychologist Who Traced Roots of Prejudice auf New York Times, abgerufen am 28. Juli 2026. Works of Nevitt Sanford, abgerufen am 28. Juli 2026. Dr. Nevitt Sanford auf vimeo, abgerufen am 28. Juli 2026.

Einzelnachweise

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