Das Geweer M. 95, auch genannt Mannlicher Modell 1894, ist ein österreichisches Repetiergewehr für die niederländischen Streitkräfte, welches bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Einsatz war.

Entwicklungsgeschichte In den 1880er Jahren kam es in der Entwicklung von Gewehren zu zwei bedeutenden Neuerungen. Zum einen die Einführung von Repetiergewehren und die Einführung von rauchschwachen Pulver. Diese beiden Entwicklungen revolutionierten die Produktion und Nutzung von Gewehren sehr stark. Nachdem Ferdinand Mannlicher im Jahr 1890 erste Grundlagen für ein neues Gewehr mit diesen Eigenschaften entworfen hatte, verbesserte er seinen Entwurf weiter. Daraus entstand dann das Mannlicher Modell 1894, welches ab 1895 hauptsächlich von der niederländischen Armee eingeführt wurde und das M1871 Beaumont ablöste. Ab dem 4. Dezember 1895 wurde es in der Armee als Geweer M. 95 geführt.

Produktion Die Hauptproduktion begann ab 1895 in den österreich-ungarischen Fabriken bei Škoda in Budapest und Mannlicher in Steyr. In den Niederlanden wurden ab 1904 die Gewehre als Lizenz von den Artillerie-Inrichtingen hergestellt, da erst ab diesen Zeitpunkt die Werkstätten die gewünschte Qualität erreicht hatten. Mit der Mobilmachung der niederländischen Armee 1914 stieg der Bedarf an Gewehren rasant in die Höhe. Im Jahr 1915 ordnete der Kriegsminister eine Steigerung der Waffenproduktion an. Erst nach 1918 und dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion in den Niederlanden eingestellt. Insgesamt wurden circa 400.000 Gewehre und Karabiner produziert.

Technische Beschreibung Gewehr Das Geweer M. 95 ist eine Mehrladerbüchse mit einem Zylinderdrehverschluss und einem abnehmbaren Verschlusskopf. Es basiert auf dem System von Mannlicher und verfügt über ein unten offenes Mittelschaftmagazin für 5 Patronen. Das Gewehr hat das Kaliber 6,5 mm, eine Gesamtlänge von 1287 mm und ein Gewicht von 4,35 kg. Der Lauf hat eine Länge von 790 mm und verfügt auf der Oberseite über einen Handschutz mit einer Aussparung für das Visier. Der Schaft ist einteilig und besteht aus Walnussholz. Der Lauf hat je vier Züge und Felder und eine Drallrichtung nach rechts. Die Visiereinrichtung besteht aus Kimme und Korn und kann zwischen 300 m und 2.000 m eingestellt werden. Die effektive Reichweite von gezielten Einzelschüssen lag oftmals bei 400 m.

mini|Geweer M. 95 Loopgraafgeweer, das Grabengewehr mit Periskop Im Jahr 1916 wurde ein Periskopaufsatz für das Gewehr für den Grabenkampf eingeführt. Diese lief unter dem Namen Geweer M. 95 Loopgraafgeweer (deutsch: Grabengewehr). Zusätzlich wurde ein besonderer Anschlagkolben verbaut, welcher in Verbindung mit dem Periskop das Feuern aus Deckungen und Schützengraben unter Aufrechterhaltung des Eigenschutzes ermöglichte.

Karabiner In der Grundausführung gab es fünf verschiedene Karabinerversionen des Geweer M. 95. Das Problem bei diesen Versionen waren die genutzten Teile. Die ersten vier Modellversionen verfügten über unterschiedliche und spezifische Bauteile, weshalb die Produktion kompliziert und Umständlich war. Ab dem Jahr 1930 konnte man die Bauteile anpassen und vereinheitlichen, weshalb die Karabiner mit neuen Bauteilen auch den Zusatz Nieuw Model oder kurz N. M. (deutsch: Neues Modell) erhielten und die alten den Zusatz Oud Model oder kurz O. M. (deutsch: Altes Modell). Mit den neuen Teilen wurde festgelegt, dass die ersten vier Ausführungen nur minimale Unterschiede aufweisen durften und Karabiner der alten Modelle zu den neuen Modellen umgerüstet werden sollten. Dennoch war der Plan, einen einheitlichen Karabiner zu schaffen durch diese Pläne hinfällig, da es zu bestimmten Zeitpunkten neun verschiedene Modelle des Karabiner in der Armee gab.

mini|Karabijn M. 95 No. 1 O. M. Der Karabijn M. 95 No. 1 wurde 1896 eingeführt und an die Kavallerie und die Koninklijke Marechaussee (deutsch: Königliche Gendarmerie) ausgegeben. Es war im Grunde das Geweer M. 95 mit einem verkürzten Lauf auf 448,6 mm. Damit hat das Modell Nr. 1 eine Gesamtlänge von 951 mm und ein Gewicht von 3,5 kg. Das neue Modell hatte durch die neuen und vereinheitlichten Bauteile leicht andere Maße. Zwar ist der Lauf mit 448,6 mm noch gleich lang, jedoch der Schaft wurde etwas verkürzt, woraufhin das neue Modelle eine Länge von 940 mm hat. Das Gewicht wurde durch die Materialien allerdings leicht erhöht und liegt bei 3,5 kg. Ab dem Jahr 1911 wurde er zum offiziellen Karabiner der Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (deutsch: Königliche Niederländisch-Indische Armee) und ab 1925 zum Standard-Karabiner außereuropäischen Truppen auf Java.

mini|Karabijn M. 95 No. 3 O. M. Ebenfalls im Jahr 1896 eingeführt, wurde der Karabijn M. 95 No. 2 speziell für die Koninklijke Marechaussee eingeführt. Dieser Karabiner verfügt über ein Klappbajonett, war ansonsten mit dem Modell Nr. 1 identisch. Weiterhin im Jahr 1896 eingeführt wurde der Karabijn M. 95 No. 3. Dieser Karabiner war speziell für die Pioniere und Artilleristen vorgesehen. Das Modell Nr. 3 verfügt über einen verlängerten Handschutz und ein normales Bajonett. Die Gesamtlänge ist mit dem Modell Nr. 1 O. M. identisch, jedoch ist er durch den verlängerten Handschutz etwas schwerer und kommt auf ein Gesamtgewicht von 3,35 kg.

mini|Karabijn M. 95 No. 4 O. M. Im Jahr 1909 wurde ein viertes Modell entworfen und eingeführt, der Karabijn M. 95 No. 4. Dieser wurde speziell für die neuen Radfahreinheiten entwickelt und an deren Bedürfnisse angepasst. Dieser Karabiner war mit dem gleichen Bajonett wir das Modell Nr. 3 ausgestattet und verfügte über eine Holzverkleidung auf der linken Seite des Magazins. Dadurch stieg das Gesamtgewicht um wenige Gramm auf 3,36 kg.

Im Jahr 1937 wurde ein weiterer Karabiner eingeführt, der Karabijn M. 95 No. 5. Da die Armee über einen Überschuss an Gewehren verfügte, jedoch ein Mangel an Karabinern hatte, wurden verfügbare Gewehre gekürzt und an die Karabinerlänge angepasst. Die ersten 9.500 Gewehre gingen an die Feld- und Flugabwehrartillerie. Insgesamt wurden 35.500 Gewehre zum Karabiner Modell Nr. 5 umgebaut.

Bezeichnungen Geweer M. 95 – (Niederlande) Gewehr 211 (h) – (Wehrmacht) Geweer M. 95 Loopgraafgeweer – (Niederlande) Grabengewehr 212 (h) – (Wehrmacht) Karabijn M. 95 No. 1, Oud Model – (Niederlande) Karabiner 412 (h) – (Wehrmacht) Karabijn M. 95 No. 1, Nieuw Model – (Niederlande) Karabiner 411 (h) – (Wehrmacht) Karabijn M. 95 No. 2, Oud Model – (Niederlande) Karabijn M. 95 No. 2, Nieuw Model – (Niederlande) Karabijn M. 95 No. 3, Oud Model – (Niederlande) Karabiner 413 (h) – (Wehrmacht) Karabijn M. 95 No. 3, Nieuw Model – (Niederlande) Karabijn M. 95 No. 4, Oud Model – (Niederlande) Karabiner 414 (h) – (Wehrmacht) Karabijn M. 95 No. 4, Nieuw Model – (Niederlande) Karabijn M. 95 No. 5 – (Niederlande)

Einsatz Niederlande Das Geweer M. 95 wurde ab dem 4. Dezember 1895 von der niederländischen Armee in Europa und in Niederländisch-Indien und bei der niederländischen Marine eingesetzt. Es war, mit seinen Änderungen und Anpassungen als Gewehr und Karabiner, bis zur japanischen Invasion Javas ab 1942 das Standardgewehre der Armee.

Während des Indonesischen Unabhängigkeitskrieges zwischen 1945 und 1949 wurden auf beiden Seiten das Geweer M. 95 eingesetzt. Nach dem Ende des Krieges übergab die Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger alle noch verfügbaren Gewehre an die neuen indonesischen Streitkräfte. Dennoch blieb das Gewehre weiterhin bis mindesten 1955 im Dienst in den niederländischen Kolonien, wo es unter anderem von der Polizei von Suriname genutzt wurde.

Indonesien Nachdem 1949 die indonesischen Streitkräfte gegründet wurden, stellte die Armee die Bewaffnung auf das erbeutete und erhaltene Geweer M. 95 um. Hierbei erhielten die Gewehre und Karabiner eine Mündungsbremse und das Kaliber wurde auf .303 British geändert.

Wehrmacht Mit dem Beginn des Westfeldzuges und dem Einmarsch in die Niederlande, erbeutete die Wehrmacht etliche Waffen und Ausrüstung der niederländischen Armee. Darunter auch viele vom Typ Geweer M. 95. In der Vorschrift Kennblätter fremden Geräts wurden die erbeuteten Waffen aufgenommen und offiziell geführt. So erhielt das Geweer M. 95 die Bezeichnung Gewehr 211 (h), wie auch der Karabiner Modell Nr. 5. Das Loopgraafgeweer lief als Grabengewehr 212 (h), der Karabiner Modell Nr. 1 des alten Modell als Karabiner 412 (h), das Modell 3 als Karabiner 413 (h) und das Modell 4 als Karabiner 414 (h). Alle neuen Modelle, da die Bauteile identische waren, liefen als Karabiner 411 (h).

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Mehrladerbüchse