mini|Maurice Quentin de La Tour, René Frémin (ca. 1743). Louvre, Paris René Frémin (* 1. Oktober 1672 in Paris; † 17. Februar 1744 ebenda) war ein französischer Bildhauer. In der kunsthistorischen Literatur gilt er als einer der einfallsreichsten und produktivsten französischen Bildhauer der Generation nach Girardon. Ihm wird zugeschrieben, die bedeutende französische Bildhauerkunst zwischen Klassizismus und Rokoko am spanischen Königshof eingeführt und somit zur Verbreitung der französischen Kunst des 18. Jahrhunderts in Europa beigetragen zu haben.

Leben René Frémin entstammte einer Pariser Goldschmiedefamilie: Sein Vater Jean Frémin war seit 1676 in Paris als Goldschmied dokumentiert und erlangte 1689 die Meisterzulassung; seine Mutter Marguerite Tartarin war eine Nichte des Malers Charles de La Fosse. Seine Brüder Jacques und Léon Frémin waren ebenfalls als Goldschmiede tätig. Er wurde Schüler von François Girardon und Antoine Coysevox. Im Jahr 1694 erhielt er den ersten Preis für Bildhauerei der Académie royale de peinture et de sculpture für ein heute nicht mehr vorhandenes Relief, das Lot und seine Töchter darstellte. Von 1695 bis 1699 hielt er sich als Stipendiat in Rom auf, wo er unter anderem für die Il Gesù sowie für die Accademia di Francia im Auftrag des Königs tätig war. 1704 wurde er zum assistant à professeur ernannt. 1707 heiratete er Suzanne Cartaud, die Tochter des Architekten Jean-Sylvain Cartaud. Aus der Ehe gingen die Söhne Jean-Sylvain und Claude-René hervor. 1716 wurde ihm eine Wohnung in den Louvre-Galerien bewilligt.

Im Jahr 1721 berief der spanische König Philipp V. René Frémin nach Spanien, um am Schloss La Granja de San Ildefonso bei Segovia zu arbeiten. Die Fertigstellung seiner in Paris und Versailles begonnenen Werke wurde währenddessen dem Bildhauer Jacques Bousseau übertragen. Mit einem beträchtlichen Vermögen kehrte René Frémin 1738 nach Paris zurück. 1742 wurde er zum Direktor und 1744, im Jahr seines Todes, zum Rektor der Académie royale ernannt. Sein Porträt malten Louis Autreau, Maurice Quentin de La Tour (gestochen von Pierre-Louis Surugue) und Donat Nonnotte.

Werk mini|René Frémin, Compagne de Diane (Dianas Gefährte). Louvre, Paris Für die römische Kirche Il Gesù fertigte René Frémin die Modelle zweier bronzener Basreliefs mit Szenen aus dem Leben des heiligen Ignatius von Loyola an, die sich noch am ursprünglichen Aufstellungsort befinden. Ebenfalls in Rom entstand nach einer antiken Vorlage die Marmorstatue einer sich auf eine Vase stützenden Venus (Villa Medici, Académie de France, Rom). Im Auftrag von Fleuriau d'Armenonville schuf René Frémin zwischen 1700 und 1706 für Rambouillet die heute nicht mehr vorhandenen Steinstatuen Alpheios und Arethusa. 1701 legte er als Aufnahmestück in die Académie royale das Marmorrelief Die Zeit bringt die Wahrheit ans Licht vor, das heute in Fragmenten an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris zu sehen ist. Eine Gipsstatue der heiligen Sylvia aus dem Jahr 1702 für den Invalidendom sowie eine kleine Bronzegruppe mit dem Titel Die Entführung der Deïanira durch Herkules, die 1704 im Salon gezeigt wurde, sind hingegen nicht erhalten. Im Schlosspark von Chantilly befindet sich eine große Steingruppe nach diesem Modell. Im selben Salon zeigte er die nicht erhaltene Gruppe Merkur und Pandora sowie Büsten des Architekten Cartaud und dessen Ehefrau.

Ab 1705 war René Frémin am Schloss Versailles tätig, wo er zusammen mit Philippe Bertrand kleine Baldachine für das Apollobad anfertigte, die ebenfalls nicht erhalten sind. Eine 1709 datierte Marmorstatue der Flora für den Park von Marly wurde mehrfach in unterschiedlichen Materialien reproduziert. In den Jahren 1707/08 arbeitete er erneut mit Bertrand in der Schlosskapelle von Versailles zusammen. Gemeinsam schufen sie unter anderem Kindergruppen, Cherubimköpfe, ein Medaillon mit einem Kirchenlehrer, eine Kirchentrophäe sowie Reliefs zu den Themen Geißelung Christi, Mäßigung und Dornenkrönung Christi. Von 1708 bis 1710 fertigte er Medaillonporträts des Vorstehers und der Verwalter des Pariser Rathauses in Marmor an, die nicht erhalten sind. Zudem war er im Invalidendom sowie im Chor der Kathedrale Notre-Dame de Paris tätig.

mini|René Frémin, Retrato de Felipe V, 1721, Madrid, Palacio Real Im Jahr 1713 entstanden vier kleine Marmorgruppen mit Waldgeistern und Nymphen (Wadsworth Atheneum, Hartford, Connecticut). Die im selben Jahr mit Bertrand begonnene Marmorgruppe Zephyr und Flora (Privatsammlung) wurde erst 1721 von Bousseau vollendet. Gemeinsam mit Bertrand schuf René Frémin außerdem eine Bleistatue der Samariterin am Jakobsbrunnen für den Brunnen am Pont Neuf. Im Rahmen eines Großauftrags für Marly entstand von 1714 bis 1717 die Gefährtin der Diana (Musée du Louvre, Paris), von der zahlreiche Reproduktionen existieren. Gemeinsam mit Bousseau dekorierte er die Kapelle des Kardinals de Noailles in der Kathedrale Notre-Dame. Für den Bankier Beaujon modellierte er Büsten der vier Kontinente, von denen sich die Darstellung Amerikas in einer US-amerikanischen Privatsammlung befindet.

Zu den zwischen 1721 und 1738 für den spanischen König ausgeführten Arbeiten zählen Büsten von Philipp V. und seiner Frau Elisabeth Farnese (Palacio Real de Madrid), sowie des Kronprinzenpaars von Asturien, Luis I. und Luise Elisabeth von Orléans (Palacio de la Granja, La Granja de San Ildefonso). Außerdem schuf er zahlreiche Statuen, Gruppen und Vasen für den Schlosspark von La Granja. Nach 1738 übernahmen Jacques Bousseau, Pierre Pitué und Hubert Dumandré die Fertigstellung weiterer Marmorstatuen für den Park, darunter Darstellungen der Musen sowie Figuren für mehrere Brunnenanlagen des Parks (Los Dragones, La Taza, El Canastillo, Latona). Das von Frémin entworfene Ensemble Los Baños de Diana führte Bousseau aus. Aus der Zeit nach Frémins Rückkehr nach Paris ist kein Werk erhalten. 1742 soll er am Altar der nicht mehr bestehenden Kirche Saint-Louis du Louvre gearbeitet haben.

Literatur François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Band I, Cassirer, London 1977. François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Band IV, Clarendon Press, Oxford 1993. Georges Digard: Les jardins de la Granja et leurs sculptures décoratives. Éditions Albert Morancé, Paris 1934. Yves Bottineau: L’art de cour dans l’Espagne des Lumières (1746–1808). De Boccard, Paris 1986. Geneviève Genisson: Le sculpteur René Frémin (1672–1744), cousin des sculpteurs J.-B. et J.-P. Pigalle, allié aux musiciens Lully et à Bailly, maire de Paris. Paris 1981. Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l’école française sous le règne de Louis XIV. Honoré Champion, Paris 1906 (mit Werkverzeichnis und Bibliographie). Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 5: Dyck – Gémignani. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

Weblinks

A marble bust representing the americas, first quarter 18th century (Christie’s, New York) Staatliche Museen zu Berlin: Der Bildhauer René Fremin in seinem Atelier

Einzelnachweise

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