mini|Galerie d’Apollon (Louvre) Die Galerie d’Apollon (deutsch: Apollogalerie) ist ein Prunksaal im Pariser Louvre. Er befindet sich im ersten Obergeschoss des als Petite Galerie bezeichneten Flügels. Der Saal entstand in seiner heutigen Grundform in den 1660er Jahren unter Ludwig XIV. und gehört seit den 1790er Jahren zum Musée du Louvre. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er unter der Leitung des Architekten Félix Duban vollendet. Seit 1887 beherbergt er einen Teil der französischen Kronjuwelen sowie die Sammlung von Gefäßen aus Halbedelsteinen (pierres dures) Ludwigs XIV.

Geschichte

Vorgängerbau und Brand von 1661 Die Petite Galerie wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Unter Heinrich IV. entstand darüber ein zweites Geschoss mit einem langen Ausstellungssaal, der als Galerie des Rois bekannt war. Er wurde von Künstlern der zweiten Schule von Fontainebleau – darunter Toussaint Dubreuil, Jacob Bunel und dessen Ehefrau Marguerite Bahuche (Bunel) – nach Entwürfen von Martin Fréminet ausgestattet. Am 6. Februar 1661 zerstörte ein Brand einen Großteil dieses Galerietrakts. Ludwig XIV., der zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt war, ließ den betroffenen Teil des Louvre daraufhin wiederaufbauen.

Umbau unter Ludwig XIV. mini|Detailansicht der Galerie d’Apollon mit dem Delacroix Gemälde Apollon vainqueur du serpent Python (Gemälde Apollon besiegt die Python), ca. 1853 Mit den architektonischen Arbeiten wurde Louis Le Vau betraut, der den Wiederaufbau zwischen 1661 und 1663 durchführte. Die Ausgestaltung übertrug Jean-Baptiste Colbert an Charles Le Brun. Dessen Bildprogramm für den Saal war dem Lauf der Sonne durch Zeit und Raum gewidmet und sollte Ludwig XIV. als Sonnenkönig verherrlichen. Für die Stuckskulpturen war der Bildhauer François Girardon zuständig. Die Galerie d’Apollon war somit die erste königliche Galerie Ludwigs XIV. und diente später als Vorbild für die Spiegelgalerie (Galerie des Glaces) im Schloss Versailles. Bei Ludwigs Tod im Jahr 1715 war die Ausstattung noch nicht vollendet. In der Folgezeit arbeiteten weitere Künstler an der Vollendung des Raumes, darunter Gaspard Marsy und Balthazar Marsy sowie Thomas Regnaudin.

19. Jahrhundert: Vollendung unter Félix Duban Im Jahr 1819 ließ der Louvre-Architekt Pierre Fontaine den Saal mit einem schmiedeeisernen Gitter verschließen. Dieses Gitter war Anfang 1797 aus dem Château de Maisons requiriert worden und befindet sich bis heute an dieser Stelle. Der Saal blieb jedoch unvollendet und verfiel zunehmend. Im Jahr 1826 musste er abgestützt werden. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Galerie unter dem Architekten Félix Duban restauriert und vollendet. Eugène Delacroix schuf für die seit Le Brun leere Mitte der Decke das Gemälde Apollon besiegt die Python (Apollon vainqueur du serpent Python). Joseph Guichard steuerte das Deckengemälde Triumph der Erde (auch Triumph der Cybele genannt) bei und Charles Louis Müller schuf das Gemälde Aurora. Die vollendete Galerie wurde am 5. Juni 1851 durch Präsident Louis-Napoléon Bonaparte (später Napoleon III.) eingeweiht.

Kronjuwelen und spätere Umgestaltungen mini|Vitrine mit den französischen Kronjuwelen Seit 1861 beherbergt die Galerie die Sammlung der Gefäße aus Halbedelsteinen Ludwigs XIV. Im Jahr 1887 verkaufte die Dritte Französische Republik den Großteil der französischen Kronjuwelen, um Befürchtungen eines royalistischen Staatsstreichs entgegenzuwirken. Ausgenommen davon waren Stücke von besonderer historischer Bedeutung. Die verbliebenen Schmuckstücke wurden noch im selben Jahr in der Galerie d’Apollon in Vitrinen ausgestellt, die der Louvre-Architekt Edmond Guillaume entworfen hatte. Weitere Vitrinen kamen 1985 (Entwurf: Daniel Pasgrimaud) und 2020 (Entwurf: Juan Felipe Alarcón) hinzu. Die Galerie ist Teil des Louvre und als solche sowohl nationales Baudenkmal als auch Bestandteil einer UNESCO-Welterbestätte. Zwischen 2001 und 2004 wurde sie umfassend restauriert, 2019/2020 erneut gereinigt und die Präsentation der Kronjuwelen in den Vitrinen neu gestaltet. Die Restaurierung wurde durch das Mäzenatentum des Hauses Cartier ermöglicht.

Diebstahl von 2025

mini|Schmuckset der Königin Maria Amelia, Paris, 1800–1815 Am 19. Oktober 2025 drangen gegen 9:30 Uhr Ortszeit mehrere als Bauarbeiter getarnte Täter mithilfe eines fahrzeuggebundenen Hubkorbs in die Galerie d’Apollon ein. Sie durchtrennten ein Fenster mit einer Trennscheibe und zerschlugen zwei Vitrinen. Der Zugriff erfolgte während der regulären Öffnungszeiten des Museums. Die Täter entwendeten mehrere Schmuckstücke aus dem Bestand der französischen Kronjuwelen. Eine Krone der Kaiserin Eugénie wurde auf der Flucht fallengelassen bzw. zurückgelassen und beschädigt, aber wiedergefunden. Acht weitere Objekte blieben zunächst verschwunden. Der Gesamtwert der entwendeten Stücke wurde auf rund 88 Millionen Euro beziffert. Die Tat dauerte nach Angaben der Ermittler weniger als acht Minuten, wovon sich die Täter rund vier Minuten im Museum aufhielten. Es handelte sich um den ersten Kunstdiebstahl im Louvre seit dem Diebstahl des Gemäldes Le chemin de Sèvres von Jean-Baptiste-Camille Corot im Jahr 1998. Innerhalb einer Woche wurden erste Verdächtige festgenommen. Die Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft dauerten zum Zeitpunkt der zuletzt ausgewerteten Quellen an, der Verbleib der Schmuckstücke war weiterhin ungeklärt. Die Galerie d’Apollon blieb infolge der Tat zunächst geschlossen und die verbliebenen Kronjuwelen wurden zur Sicherheit in die Banque de France überführt.

Architektur Die Galerie d’Apollon liegt im ersten Obergeschoss des Flügels der Petite Galerie und verbindet den Salon Carré mit der Rotonde d’Apollon. Seit der Neugestaltung in den Jahren 2019/2020 ist sie von beiden Seiten begehbar. Nach Angaben des Louvre umfasst der Saal eine Fläche von rund 600 Quadratmetern bei einer Länge von 61,34 Metern und einer Höhe von 15 Metern. Die gewölbte, gekehlte Decke (plafond en berceau) ist das zentrale dekorative Element des Raums. Sie vereint Malerei, Stuckplastik und Vergoldung zu einem Gesamtkonzept, das unter Ludwig XIV. begonnen und im 19. Jahrhundert vollendet wurde. Neben dem zentralen Deckengemälde von Delacroix gehören zahlreiche allegorische Darstellungen zum Lauf der Sonne, der Jahreszeiten und des Tageslaufs sowie Porträts von Herrschern und Künstlern, die mit dem Ausbau des Louvre in Verbindung stehen, zum Bildprogramm. Die Wände sind mit Skulpturen, architektonischen Ornamenten, Wandmalereien und Tapisserien der Manufacture des Gobelins geschmückt. Diese wurden unter Félix Duban in Auftrag gegeben und 1852 angebracht.

Sammlung

Steingefäße Ludwigs XIV. Seit 1861 zeigt die Galerie die von Ludwig XIV. zusammengetragene Sammlung kunstvoll gefasster Gefäße aus Halbedelsteinen wie Bergkristall, Achat, Jaspis, Jade, Lapislazuli und Sardonyx, die in emailliertem Gold gefasst sind. Die überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Objekte werden durch einzelne Bestandteile des Tafelaufsatzes ergänzt, den Karl IV. von Spanien Napoleon I. schenkte.

Französische Kronjuwelen mini|Krone Ludwigs XV. (1722)Den zweiten Schwerpunkt der Sammlung bilden die im Louvre verbliebenen Teile der französischen Kronjuwelen. Der 1532 von Franz I. begründete und über Generationen erweiterte Schatz wurde 1887 zum größten Teil verkauft, wobei die verbliebenen, historisch bedeutsamen Stücke in die Galerie d’Apollon gelangten. Zu den bekanntesten Objekten zählen der Regent-Diamant, ein weißer, rund 140 Karat schwerer Diamant, der Sancy, ein blassgelber Diamant von rund 55 Karat, sowie der Hortensia-Diamant, ein orangerosa gefärbter Diamant von etwa 20 Karat. Weitere Bestandteile sind die Kronen Ludwigs XV. und Napoleons sowie Schmuckgarnituren aus dem 19. Jahrhundert aus Smaragden und Diamanten der Kaiserin Marie-Louise von Österreich. Regent, Sancy und Hortensia waren vom Diebstahl im Jahr 2025 nicht betroffen.

Literatur Anne Dion-Tenenbaum, Philippe Malgouyres: Le réaménagement de la galerie d’Apollon. In: La Revue des Musées de France / Revue du Louvre, 2020–4, Réunion des Musées Nationaux, Paris 2020. Philippe Malgouyres: La galerie d’Apollon et ses trésors. Les Gemmes de la Couronne. In: Dossiers de l’art, Nr. 315, 2024, S. 58–69. Jacques Hillairet: Dictionnaire historique des rues de Paris. Band II, Éditions de Minuit, Paris, 1985. Eugène Piot: La galerie d’Apollon au Louvre. Le musée des joyaux et la salle des bronzes. In: Le Cabinet de l’Amateur et de l’Antiquaire, Bd. V, 1861–1862, S. 217–241.

Weblinks

Galerie d’Apollon – Soleil et ors auf der Website des Musée du Louvre (französisch) Galerie d’Apollon – Sun and Gold auf der Website des Musée du Louvre (englisch) Louvre Collections – Sammlungsdatenbank des Musée du Louvre (französisch/englisch) Réouverture de la Galerie d’Apollon – Pressemitteilung des Musée du Louvre (französisch) Louvre öffnet nach Juwelen-Coup wieder Un anti-musée des arts industriels : la galerie d’Apollon du Louvre sous Napoléon III et au début de la IIIe République

Einzelnachweise

Kategorie:Louvre Kategorie:Bauwerk in Paris Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Barockbauwerk in Frankreich Kategorie:Innenraum des Barock