mini|Étienne Carjat (1828–1906): Recueil. Personnalités des arts et des lettres: Charles Müller. Bibliothèque nationale de France Charles Louis Müller (AKL: Charles Louis Lucien Muller; * 22. Dezember 1815 in Paris; † 10. Januar 1892 ebenda) war ein französischer Maler. Er wirkte als Historien-, Genre- und Bildnismaler sowie als Dekorationsmaler.
Leben
Charles Louis Müller studierte an der École des Beaux-Arts bei Antoine-Jean Gros und Léon Cogniet. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen um den Prix de Rome in den Jahren 1841 bis 1844 unternahm er auf eigene Kosten einen Studienaufenthalt in Rom. Ab 1834 beschickte er regelmäßig den Pariser Salon. Dort wurde er 1848 und 1855 jeweils mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Um 1850 wurde er mit Aufgaben bei der Manufacture des Gobelins betraut; Direktor dieser Manufaktur ab 1850. 1864 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts (Institut de France). Charles Louis Müller war eng mit dem Maler Thomas Couture befreundet. Als überzeugter Katholik vertrat er eine dezidiert antirepublikanische, monarchistisch-legitimistische Grundhaltung, die sich in mehreren seiner historischen Kompositionen niederschlug. Charles Louis Müller starb 1892 in Paris.
Werk
Charles Louis Müller trat zunächst vor allem als Bildnismaler hervor. Zu seinen Porträts zählen Darstellungen von Émile de Girardin (Pastell, 1840er Jahre, Schloss Versailles), Carolus-Duran (1875, Musée des Beaux-Arts, Lille), Georges Clairin (um 1875–77, Musée Carnavalet) und Jeanne-Marie Roland (1889) sowie ein Selbstbildnis (Musée des Beaux-Arts de Valenciennes). Daneben schuf er zahlreiche Damen- und Mädchenbildnisse in orientalisierender Ausstattung (Odaliske), in christlich-ikonographischer Einkleidung (Jeune fille lisant) sowie in erotisierender Darstellung (Suivez-moi!, A fair reflection). mini|Charles Louis Müller – Appel des dernières victimes de la terreur dans la prison de saint Lazare. 7–9 Thermidor An II, 1794 (Aufruf der letzten Terroropfer aus dem Gefängnis von Saint-Lazare) Sein eigentliches künstlerisches Anliegen waren jedoch repräsentative Historienbilder zur neueren französischen Geschichte. Sein bekanntestes Werk ist Appel des dernières victimes de la Terreur (Salon 1850, überarbeitete Fassung 1855, Musée du Louvre). Es zeigt André Chénier, eine historische Persönlichkeit, in einer imaginären Kerkerszene während der Schreckensherrschaft. In dieser Szene sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten inhaftierte Personen bei der Verlesung der zur Hinrichtung Bestimmten versammelt. Von dem großformatigen Gemälde existieren mehrere Repliken sowie zahlreiche Öl- und Bleistiftstudien. Es wurde 1866 von Paul Girardet als Reproduktionsstich umgesetzt. Trotz seines großen Anspruchs stieß das Werk auf Kritik. Diese bemängelte die schematische Charakterisierung der Figuren sowie die theatralisch-artifizielle Inszenierung und Lichtführung. In ähnlicher thematischer und politischer Ausrichtung entstanden weitere Historienbilder, darunter Marie Antoinette dans la prison (1856–57, Hamburger Kunsthalle), La Proscription des jeunes Irlandaises catholiques en 1655 (1859, Musée des Beaux-Arts de Lyon), La Rencontre de la Reine Victoria avec l’Empereur et l’Impératrice à Saint-Cloud en 1871 und La Séance d’ouverture du Sénat et du Corps législatif (1856–66, Versailles).
Zudem erhielt Charles Louis Müller zahlreiche kirchliche Aufträge für religiöse Gemälde, insbesondere während der Julimonarchie. Zu seinen Werken zählen L’Assomption de la Vierge (1870, Notre-Dame-des-Victoires) und Nous voulons Barrabas (1878, Musée des Beaux-Arts, Lille). Gelegentlich malte er auch Genreszenen, teils in historischem, vor allem altniederländischem Kostüm. Zu seinen Dekorationsaufträgen zählen Arbeiten für die Académie de Médecine (1849–1850) und den Pavillon Denon im Louvre (1859), beide in Paris, sowie Notre-Dame-des-Victoires. Werke von Charles Louis Müller befinden sich unter anderem im Musée de Picardie in Amiens, im Musée Calvet in Avignon, im Musée départemental de l’Oise in Beauvais, im Musée des Beaux-Arts de Carcassonne und im Musée des Beaux-Arts de Rouen.
Literatur
Ernest Bricon: Charles Müller. In: Gazette des Beaux-Arts, 1892. Joseph Meyer: Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789. Leipzig 1867. Émile Bellier de La Chavignerie, Louis Auvray: Dictionnaire général des artistes de l’école française depuis l'origine des arts du dessin jusqu’à nos jours. Band 2. Paris 1885. Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band II/1. Dresden 1898. Louis Dimier: Les peintres français du XIXe siècle. Paris 1914. Emmanuel Bénézit: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 3. Paris 1924. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Band II. Paris 1996. Alain Roussard: Dictionnaire des peintres à Montmartre. Paris 1999. Marie-Jeanne Salmon, Jacqueline Galiègue: De Thomas Couture à Maurice Denis. Ausstellungskatalog, Musée départemental de l’Oise. Band I. Beauvais/Saint-Rémy-en-l'Eau 1994. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Charles Louis Müller – Sultana Reading the Holy Qur'an
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1815 Kategorie:Gestorben 1892 Kategorie:Mann