Pauline Elisabeth Johanne Karoline Gräfin von Kalckreuth (* 19. Oktober 1856 in Düsseldorf; † 8. Mai 1929 in München) war eine deutsche Malerin und Anthroposophin.
Leben Pauline wurde als vierte Tochter aus der ersten Ehe des Malers Stanislaus von Kalckreuth mit Anna Eleonore Cauer (1829–1881), einer Tochter des Bildhauers Emil Cauer d. Ä., in das schlesische Adelsgeschlecht Kalckreuth geboren. Wie ihr älterer Bruder Leopold und ihre jüngere Schwester Marie, die beide Maler wurden, erhielt sie künstlerischen Unterricht durch ihren Vater.
Nach zeitgenössischen Maßstäben ihres Standes und Geschlechts umfassend gebildet sowie Englisch und Französisch wohl fließend beherrschend, war sie um 1880 Hofdame der preußischen Kronprinzessin Victoria.Handbuch über den königlich preußischen Hof und Staat für das Jahr 1880/81. Berlin 1880, S. 45 (Google Books)Kalckreuth. II. Linie. In: Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 71. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1898, S. 476 Am 27. Februar 1881, bei der Hochzeit des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, fungierte sie als Brautjungfer.The Royal Wedding at Berlin. In: The Illustrated London News, Ausgabe vom 5. März 1881 (Google Books)
Später zog sie nach Dachau und nach München, in das in der Maxvorstadt gelegene Miets- und Atelierhaus Adalbertstraße 55. Dort lebte sie zusammen mit ihrer Freundin Sophie Stinde, die sich wie sie als Kunstmalerin betätigte.Max Martersteig (Hrsg.): Jahrbuch der bildenden Kunst 1903. 2. Jahrgang, Deutsche Jahrbuch-Gesellschaft, Berlin 1903, Sp. 144, 244 (Google Books) Beide gehörten dem Münchner Künstlerinnenverein an, Sophie als ordentliches Mitglied, Pauline als Kunstfreundin.Künstlerinnen-Verein München: Jahresbericht für das Vereinsjahr 1898/99 und Mitgliederverzeichniss 1899/1900. München 1899, S. 24, 37 (Google Books) Pauline von Kalckreuth zugeschriebene Gemälde tauchen gelegentlich im Kunsthandel auf. Sie selbst war Besitzerin von vier Gemälden des Münchner Malers Franz von Lenbach, die sie 1905 für eine Lenbach-Ausstellung zur Verfügung stellte.Lenbach-Ausstellung im Kgl. Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz. Veranstaltet von dem Zentral-Komitee der IX. Internationalen Kunstausstellung zu München 1905. Verlag des Zentral-Komitees der IX. Internationalen Kunstausstellung, München 1905, S. 21, 28, 33, Nrn. 89, 181, 182, 241
1902 wurden Sophie Stinde und Pauline von Kalckreuth Leiterinnen des Münchener Hauptzweiges der Theosophischen Gesellschaft, einer esoterischen Organisation, der Pauline schon vor der Jahrhundertwende angehört hatte. Als Rudolf Steiner in den Jahren nach der Jahrhundertwende auf der Grundlage der Theosophie die Anthroposophie entwickelte, wurden Pauline und ihre Freundin seine persönlichen Schülerinnen. 1904 traten sie der Anthroposophischen Gesellschaft bei. Pauline avancierte zur Vorsitzenden des Zweiges München I dieser Gesellschaft. Zusammen mit Sophie übernahm sie 1907 und 1909–1913 die Organisation von Festspielen.
Im Erdgeschoss des Hauses Adalbertstraße 55 bestand bald ein Lokal der Anthroposophischen Gesellschaft, das Steiner nutzte, wenn er in München Vorträge hielt. Dort entstanden auch seine Mysteriendramen. Als Sophie Stinde die Idee der Errichtung eines speziellen Gebäudes zu deren Aufführung entwickelte, unterstützten Steiner, Pauline und andere Anhänger Steiners diesen Gedanken. 1911 gehörten sie zu den Gründern eines entsprechenden Bauvereins, dem Stinde vorsaß und Pauline bis 1925 im Vorstand beisaß. Nachdem das erste Bauprojekt in München gescheitert war, zogen beide nach Dornach in die Schweiz, um die Realisierung des Vorhabens mit neuem Konzept ortsnah zu überwachen. Als 1913 der Grundstein zum Ersten Goetheanum gesetzt wurde, zählte Pauline von Kalckreuth zum engsten Kreis der Beteiligten.
Der Tod ihrer Freundin Sophie am 17. November 1915 bedeutete für Pauline einen schweren Verlust. Mehr und mehr zog sie sich aus der anthroposophischen Arbeit zurück. Sie wohnte wieder in München, als sie in der Nähe ihrer Wohnung tödlich verunglückte. Beim Überqueren der Straße fuhr sie eine Radfahrerin an. Dabei stürzte sie und erlitt einen Schädelbruch. Im Krankenhaus Schwabing starb Pauline von Kalckreuth kurz darauf im Alter von 72 Jahren.Münchner Neueste Nachrichten, Ausgabe vom 10. Mai 1929
Literatur Jutta Koslowski (Hrsg.): Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer. Die Aufzeichnungen von Dietrich Bonhoeffers jüngster Schwester Susanne Dreß. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018, ISBN 978-3-579-07152-7, S. 52–54. Karl Lierl: Gräfin Pauline von Kalckreuth. In: Karl Lierl, Florian Roder (Hrsg.): Anthroposophie wird Kunst. Der Münchner Kongress 1907 und die Gegenwart. Eine Dokumentation der Anthroposophischen Gesellschaft in München nach hundert Jahren. Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland, München 2008, ISBN 978-3-0002-5311-9, S. 53–57 (Google Books). Marie Steiner: Gräfin Pauline von Kalckreuth. In memoriam. In: Das Goetheanum. Jahrgang 1929, Nr. 22.
Weblinks Gräfin von Kalckreuth, Pauline, Biografie im Portal dokumentationen.kulturimpuls.org
Einzelnachweise
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