Der Hartenroder Tunnel ist ein stillgelegter eingleisiger Eisenbahntunnel der ehemaligen Aar-Salzböde-Bahn von Niederwalgern nach Herborn (Dillkr). Er verläuft zwischen den Ortsteilen Hartenrod der Gemeinde Bad Endbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf und Eisemroth der Gemeinde Siegbach im Lahn-Dill-Kreis. Mit einer Länge von rund 700 Metern zählt er zu den bedeutendsten Ingenieurbauwerken der ehemaligen Bahnstrecke.

Der Tunnel wurde im Zuge des Baus der Aar-Salzböde-Bahn errichtet und am 1. August 1902 gemeinsam mit dem letzten Streckenabschnitt zwischen Hartenrod und Herborn in Betrieb genommen. Nach der Einstellung des Eisenbahnverkehrs blieb das Bauwerk als Zeugnis der regionalen Eisenbahngeschichte erhalten und steht aufgrund seiner geschichtlichen und verkehrsgeschichtlichen Bedeutung als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.

Lage Der Hartenroder Tunnel befindet sich im Gladenbacher Bergland zwischen den ehemaligen Bahnhöfen Hartenrod und Eisemroth. Er unterquert den Höhenzug zwischen dem Salzbödetal und dem Aartal und ermöglicht damit die Querung der Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Lahn und Dill. Das Ostportal liegt auf der Gemarkung Hartenrod, das Westportal auf der Gemarkung Eisemroth.

Geschichte Planung und Bau Mit dem Bau der Bahnstrecke Niederwalgern–Herborn sollte eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen dem Lahntal und dem Dilltal geschaffen werden. Der Höhenzug zwischen Hartenrod und Eisemroth stellte dabei ein wesentliches topographisches Hindernis dar. Um eine für den Eisenbahnbetrieb geeignete Streckenführung mit möglichst geringer Steigung zu erreichen, entschieden sich die Preußischen Staatseisenbahnen für den Bau eines Tunnels.

Die Bauarbeiten begannen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Tunnel wurde in bergmännischer Bauweise errichtet und vollständig mit Natursteinmauerwerk ausgebaut. Gemeinsam mit mehreren Viadukten und Einschnitten gehörte er zu den aufwendigsten Bauwerken der Bahnstrecke.

Betrieb Mit der Eröffnung des Streckenabschnittes Hartenrod–Herborn am 1. August 1902 wurde der Tunnel dem Verkehr übergeben. Über Jahrzehnte befuhren Personen- und Güterzüge der Aar-Salzböde-Bahn das Bauwerk.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Tunnel im Frühjahr 1945 zeitweise als geschützter Abstellort für einen V2-Eisenbahnbatteriezug genutzt.

Nach dem Rückgang des Verkehrs verlor die Strecke zunehmend an Bedeutung. Der Personenverkehr wurde schrittweise eingestellt; der letzte planmäßige Personenzug verkehrte am 9. Juni 2001.

Bauwerk Der Hartenroder Tunnel besitzt eine Länge von etwa 700 Metern und wurde für ein Gleis errichtet. Beide Portale bestehen aus sorgfältig bearbeitetem Natursteinmauerwerk und entsprechen der typischen Gestaltung preußischer Eisenbahntunnel um 1900.

Das Tunnelgewölbe ist vollständig ausgemauert. Aufgrund seiner Länge zählt der Tunnel zu den markantesten Ingenieurbauwerken der Aar-Salzböde-Bahn.

Planungen zur Nachnutzung

Seit 2016 bestehen Planungen, die ehemalige Bahntrasse zwischen Bad Endbach und Siegbach als Alltagsradweg auszubauen. Der Hartenroder Tunnel bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil der vorgesehenen Verbindung, die den Salzböderadweg mit dem Seenradweg verknüpfen und einen Lückenschluss zwischen den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill ermöglichen soll.

Im Rahmen der Planungen wurden Untersuchungen zur Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit des Tunnels durchgeführt. Diese ergaben, dass das Bauwerk grundsätzlich für eine Radwegenutzung geeignet ist. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass der Tunnel zu den bedeutenden Winterquartieren verschiedener Fledermausarten in Hessen zählt. Daher wurden umfangreiche artenschutzrechtliche Untersuchungen und eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um Möglichkeiten einer mit dem Fledermausschutz vereinbaren Nutzung zu prüfen.

Eine Umsetzung des Vorhabens ist bislang nicht erfolgt.

Siehe auch: Rabenscheider Tunnel

Denkmalschutz Der Hartenroder Tunnel ist unter der Objektnummer 963031 als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz in der Denkmaldatenbank des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen verzeichnet.

Heutiger Zustand Nach der Stilllegung blieb der Tunnel als Bestandteil der ehemaligen Bahnstrecke erhalten. Die Gleisanlagen wurden zurückgebaut. Das Bauwerk befindet sich weiterhin in seinem ursprünglichen Verlauf und ist als Zeugnis der regionalen Eisenbahngeschichte erhalten.

Galerie

Literatur Heinz Schomann (Hrsg.): Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden.

Weblinks

Tunnelportale von Lothar Brill

Einzelnachweise

Kategorie:Eisenbahntunnel in Hessen Kategorie:Bauwerk in Bad Endbach Kategorie:Erbaut in den 1900er Jahren Kategorie:Verkehrsbauwerk im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Verkehrsbauwerk im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Siegbach Kategorie:Tunnel in Europa