Ulrich von Habsperg auch Ulrich von Habsberg; (* um 1460 bis 1465; † vor dem 24. Februar 1529) war ein süddeutscher Ritter, kaiserlicher Hofrat unter Kaiser Maximilian I. sowie langjähriger Vogt und Pfandherr der habsburgischen Herrschaften Rheinfelden und Laufenburg. Er agierte als wichtiges diplomatisches und logistisches Bindeglied zwischen dem Heiligen Römischen Reich und der Eidgenossenschaft während der Mailänder Kriege. Im Deutschen Bauernkrieg erlangte er durch die Gefangennahme und Exekution des Bauernführers Hans Müller von Bulgenbach Bedeutung.

Leben Herkunft und Besitzwechsel mini|Der Burghügel der Burg Habsperg bei Langenenslingen Ulrich entstammte dem schwäbischen Adelsgeschlecht derer von Habsberg, das im südbadischen Raum ansässig war. Er war der Sohn des Ritters Diepold von Habsberg (dem Älteren) und dessen Gattin Barbara von Knöringen.Dominik Sauerländer: Habsperg, Ulrich von. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 21. Juli 2026. Der Name der Familie leitet sich von ihrer im Jahr 1116 erstmals erwähnten Stammburg, der Burg Habsberg bei Langenenslingen im Landkreis Biberach. Nach dem Tod des Vaters verkaufte Ulrich im Jahr 1488 gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder Diepold (dem Jüngeren) den damaligen Sitz der Familie, die Burg und das Dorf Donaueschingen mitsamt den umliegenden Weilern, für 5.300 Gulden an Wolfgang von Fürstenberg, Grafen von Fürstenberg.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–K. Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1898, S. 499–501 (Digitalisat der UB Heidelberg). In der Folge verlagerte Ulrich seinen Wirkungskreis dauerhaft an den Hochrhein. Im Jahr 1487 vermählte er sich mit Barbara von Absperg. Es sind keine Kinder überliefert.

Das Debakel in der Schlacht an der Calven (1499) Während des Schwabenkrieges im Jahr 1499 wurde Ulrich von Habsperg von König Maximilian I. als kaiserlicher Feldhauptmann an der Südfront eingesetzt. Er befehligte ein rund 12.000 bis 15.000 Mann starkes habsburgisches Heer im oberen Vinschgau. Am 19. Mai 1499 ließ Habsperg eine mächtige Holz- und Erdschanze (eine sogenannte Letzi) am Calvener Engpass im Münstertal errichten. Bei der entscheidenden Schlacht an der Calven am 22. Mai 1499 wurde das kaiserliche Heer jedoch von den zahlenmäßig weit unterlegenen Truppen der Drei Bünde taktisch überrumpelt. Die Bündner umgingen die Schanze über die steilen Bergflanken und fielen den kaiserlichen Truppen überraschend in den Rücken. Das habsburgische Heer geriet in Panik und brach völlig zusammen; über 5.000 Soldaten starben oder ertranken auf der Flucht in der Etsch. Die im Hintergrund wartende berittene Rittertruppe unter Habsbergs direktem Befehl floh weitgehend kampflos vom Feld. Willibald Pirckheimer berichtete später, dass der König nach der Nachricht von dieser Schmach in Zorn geriet und ausdrücklich das schlechte Verhalten der Reiter sowie die Fehler ihres Anführers Ulrich von Habsperg für die Niederlage verantwortlich machte. Die Tiroler Stände warfen Habsperg zudem verbittert vor, ein unfähiger „Landfremder“ zu sein. Nur durch die Fürsprache einflussreicher Freunde am kaiserlichen Hof gelang es ihm, die kaiserliche Gunst in den Folgejahren wiederzuerlangen.

Amtmann und kaiserlicher Rat Bereits 1485 übernahm Ulrich von Habsperg die Vogtei Rheinfelden. Im Jahr 1502 löste er die Pfandschaft der Herrschaft für 3.211 Gulden von Graf Heinrich von Thierstein ein.Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, Hf. 1629, abgerufen am 21. Juli 2026. Infolgedessen residierte und regierte er als „Pfandherr des Steins“ auf der strategisch wichtigen Inselfestung Stein zu Rheinfelden.Generallandesarchiv Karlsruhe, 4 Nr. 1429297, Urkundenregest vom 25. Mai 1511, abgerufen am 21. Juli 2026. Ulrich stieg in den folgenden Jahren zum kaiserlichen Rat auf und wurde zeitweise als Vogt von Laufenburg sowie als Hauptmann der vier Waldstädte am Rhein eingesetzt.

In dieser Funktion war er vor Ort für die Verwaltung vorderösterreichischer Gebiete verantwortlich und schlichtete zahlreiche regionale Grenzstreitigkeiten, so etwa 1511 bezüglich der Zollrechte in Rheinfelden oder 1514 mit der Herrschaft Farnsberg. Des Weiteren stand er in engem Austausch mit den benachbarten Landesherren wie Markgraf Christoph von Baden, der ihm den Zehnt zu Möhlin überließ.

Rolle in den Italienischen Kriegen Aufgrund seiner strategischen Position an der Grenze zur Schweiz fiel Ulrich von Habsperg eine Schlüsselrolle in der Außenpolitik des Reiches zu. Während der Italienischen Kriege (insbesondere der Mailänder Kriege) fungierte er als Gesandter des Kaisers an den eidgenössischen Tagsatzungen. Er reiste mehrfach im kaiserlichen Auftrag nach Norditalien, um diplomatische Depeschen zu überbringen und militärische Absprachen zu treffen.

Als Militärstratege organisierte Ulrich die logistische Regelung und Anwerbung von Schweizer Söldnern für das kaiserliche Heer. Er begleitete im Hintergrund die wechselhaften Phasen der Feldzüge, die im Sieg der Eidgenossen bei der Schlacht von Novara (1513) gipfelten und kurz darauf in der Niederlage bei der Schlacht bei Marignano (1515) endeten. Ulrich war im Grenzraum primär dafür verantwortlich, die oft verzögerten kaiserlichen Soldzahlungen abzuwickeln, um Söldneraufstände im Rheingebiet zu verhindern.

Rolle im Deutschen Bauernkrieg Während des Stühlinger Bauernaufstands ausgehend vom Schloss Hohenlupfen im Jahr 1524 tritt Ulrich von Habsperg zunächst als Vermittler zusammen mit Hans Jakob von Landau (Herr zu Waal und Landau, Landvogt der Landgrafschaft Nellenburg) in Erscheinung. Mit dem landesweiten Ausbruch des Deutschen Bauernkrieges im Jahr 1525 ging er zu einem harten exekutiven Vorgehen gegen die aufständischen Bauern im Fricktal, Hotzenwald und in der Landgrafschaft Klettgau über.

Im Juli 1525 gelang Ulrich von Habsperg in seiner Funktion als Vogt von Laufenburg ein entscheidender Schlag gegen die südbadische Bauernbewegung:Hans Müller von Bulgenbach. In: Themenmodul Bauernkrieg, LEO-BW, abgerufen am 21. Juli 2026. Er griff den flüchtigen Oberhauptmann des Schwarzwälder Haufens, Hans Müller von Bulgenbach, auf, der kurz zuvor von der Stadt Schaffhausen nach einem Verhör wieder freigelassen worden war.Müller (genannt von Bulgenbach), Hans. In: Deutsche Biographie, abgerufen am 21. Juli 2026. Habsperg nahm Müller im habsburgischen Laufenburg fest und warf ihn in den dortigen Kerker.

Nach rund 40-tägiger Haft, die von intensiven Verhören geprägt war, verfuhr Ulrich von Habspäerg administrativ pragmatisch, um lokalen Unruhen vorzubeugen: Er forderte beim Rat der Stadt Schaffhausen heimlich, (um ihm seinen verdienten Lohn zukommen zu lassen), deren Scharfrichter an.Heinrich Schreiber: Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau (Der deutsche Bauernkrieg : 1525; Juli bis Dezember), 1866, S. 78–79 Digitalisat der UB Freiburg Mitte August 1525 (nach Basler Quellen am 17. August) wurde Hans Müller von Bulgenbach in Laufenburg durch den Schaffhauser Henker mit dem Schwert „stehend“ hingerichtet. Mit der Ausschaltung dieser zentralen Führungsfigur trug Habsberg maßgeblich zum endgültigen Zusammenbruch des organisierten bäuerlichen Widerstands am Hochrhein und im Südschwarzwald bei.

Tod und Nachleben Ulrich von Habsperg verstarb Anfang des Jahres 1529. Aus seiner erweiterten familiären Linie gingen im späteren 16. Jahrhundert weitere regional bedeutende Amtleute hervor, darunter Hans Wolf von Habsberg, Hauptmann der vier Waldstädte und des Schwarzwaldes. Am 2. Mai 1532 erhielt er zudem die Verwaltung und das Schloss Laufenburg. Drei Jahre später, im Februar 1535, verpfändete ihm die österreichische Regierung in Innsbruck die Vogtei Laufenburg für die Summe von 4.000 Gulden. Er hielt sich in Laufenburg bis zum Jahr 1544, danach ging die Verwaltung auf die Herren von Schönau über. Ein weiteres Familienmitglied war Ludwig Wolf von Habsberg, welcher 1544 das ehemalige Kloster Rheintal erwarb.

Wappen mini|Das Habspergische Wappen im Siebmacher Wappenbuch Das heraldische Stammwappen der Familie von Habsperg wird im Donaueschinger Wappencodex (fol. 138 a) wie folgt beschrieben: Schild: Ein mit einem goldenen Querbalken (bzw. Schrägbalken) belegter, von Silber (Weiß) und Blau gevierter Schild. Helmzier: Auf dem Helm befinden sich zwei von Silber und Blau übereck geteilte Büffelhörner. Helmdecken: Die Decken sind in Silber (Weiß) und Blau gehalten.

Literatur Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–K. Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1898, S. 499–501 (Digitalisat der UB Heidelberg). Heinrich Schreiber: Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau (Der deutsche Bauernkrieg : 1525; Juli bis Dezember), 1866, S. 78–79 Digitalisat der UB Freiburg Sigmund Riezler: Die Grafen von Fürstenberg im Schweizerkriege 1499 1883 PDF Philipp Anton von Segesser: Amtliche Sammlung der älteren Eidgenössischen Abschiede (Band 3, Abteilung 2 zu den Jahren 1500–1520), Luzern 1869 Google books

Weblinks

Urkundenregesten zu Ulrich von Habsberg im Online-System LEO-BW (Generallandesarchiv Karlsruhe). Habsberg Ulrich, von auf Tiroler Wappen.

Einzelnachweise

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