Das Zollhaus am ehemaligen Bahnhof Tel Aviv entstand 1936/1937 als Aufständische im Arabischen Aufstand (1936–1939) Hafen Jaffa, Hafenzollhaus und Bahnhof Jaffa weithin blockierten. Am Bahnhof Jaffa beginnt die Bahnstrecke Jaffa–Jerusalem (J&J-Linie) via Tel Aviv nach Jerusalem. Ab 1937 übernahm das Zollhaus am Bahnhof Tel Aviv weithin die Dienste vom Zollhaus am Hafen Jaffa. Im dicht bebauten und geschäftigen Kerngebiet Tel Avivs gelegen konnten Zollhaus wie Bahnanlagen für Güter- und Personenabfertigung nicht wie gewünscht expandieren. Tel Avivs neuer Südbahnhof übernahm 1970 den Bahnverkehr, der alte Bahnhof fiel der Spitzhacke anheim. Allein das langfristig vermietete Zollhaus am alten Bahnhof blieb erhalten. Das Zollhaus steht unter Denkmalschutz.
Name
Das Zollhaus am Bahnhof Tel Aviv führte in den palästinensischen Amtssprachen auf , auf und auf als Bezeichnungen. Die Namen sind an der westlichen (hebräisch) und der südlichen Seite zur Straße erhalten.
Lage Das Zollhaus am Bahnhof Tel Aviv stand in beengter Lage zwischen den Straßen Rechov Jehudah haLevi und Rechov haRakkevet () gegenüber vom Haus Nr. 16 in einer Kurve der J&J-Linie. Dort wechselt sie zwischen ihrem Verlauf in Nordost-Südwest-Richtung zum Rechov Jehudah haLevi und demjenigen in Nordwest-Südost-Richtung parallel zum Rechov haRakkevet. Die seit 1970 stillgelegten Gleise und deren dann geräumte Trasse bilden nunmehr den Straßenraum. Die weit schmälere ehemalige Fahrbahn gleichen Namens ist nunmehr teils Radweg und verkehrsberuhigte Spiel- und Fußgängerbereich.
mini|Ramat haScharon (mit lila Linie umrissenes Gebiet mit der Nr. 6940): Bahnhof Tel Aviv mit der roten Nummer 38 unter der Bahnkurve, Plan von 1958 Das Zollhaus liegt in Ramat haScharon, einem Stadtteil im Viertel 5, das Lev Tel Aviv und umfasst nördliche alte Vororte Jaffas. Mit den Vierteln 3, 4 und 6 bildet Viertel 5 den Stadtbezirk Mitte von Tel Aviv. Damit ist die Lage ideal, um Reisende, Fracht und Zollgüter direkt in die Innenstadt zu bringen bzw. von dort zu holen. Das Grundstück des Bahnhofs liegt am ehemaligen Bahnübergang der stark befahrenen Derech Menachem Begin, wie die historische Landstraße Jaffa–Nablus in diesem Abschnitt seit 2001 heißt.Nir Mann () und Danny Recht (), „“ (Beit Hadar), auf: ; abgerufen am 4. Januar 2020. Sie führte von Jaffa nordostwärts durch ausgedehnte Zitrusplantagen via Petach Tiqwah nach Nablus,Vgl. den Eintrag zu dieser historischen Landstraße () in der hebräischen Wikipedia. heute teils klassifiziert als Landesstraße (). Im Stadtgebiet hieß diese alte Landstraße vor 2001 Derech Petach Tiquah () und noch früher Derech Schchem (; ), nach dem Zielort.
An dieser Hauptverkehrsstraße gelegen bot das Zollhaus am Bahnhof den perfekten Umschlagplatz für eingehende zollflichtige Anlieferungen vom oder in den Hafen bzw. von oder in ausländische Grenzbahnhöfe. Am Rechov haRakkevet südlich gegenüber steht seit 1936 der Beit Hadar. Die Gegend befand sich seit Mitte der 1920er Jahre in rapidem Wandel zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort und Verkehrsknoten des Landes.Michael Jacobson (), “” (Kap. 4 ‘’, 1. Januar 2019), auf: ; abgerufen am 4. Januar 2020.
Geschichte In der Spätphase der osmanischen Herrschaft (1516–1918) in der Levante wurde die Bahnstrecke der J&J-Linie zwischen 1889 und 1891 von Jaffa bis Lod errichtet und dann bis 1892 nach Jerusalem ausgebaut. Als die J&J-Linie entstand, war am Ort des späteren Bahnhofs Tel Aviv kein Wohnort und entsprechend kein Bedarf für eine Station geschweige denn einen Zollschuppen. Tel Aviv wurde 1909 als Vorort Jaffas gegründet und begann begreiflicherweise klein. Ab 1929, dann verstärkt durch die Einwanderung Deutscher ab 1933 führte das stete Wachstum dazu, dass das Government of Palestine Tel Aviv 1934 aus Jaffa ausgliederte und zur eigenständigen Stadt erhob. Die industrielle Entwicklung der Stadt ging mit entsprechendem Außenhandel auch ins Zollausland einher, doch ein Zollhaus wie andere wichtige Bahnhöfen des Landes, gab es in Tel Aviv noch nicht.Eli Allon (), “”, den 18. September 2017, auf: News1; abgerufen am 2. April 2023.
mini|250px|Bau der fast fertigen Schuppen vor vier Gleisen neben ebenfalls bald abgeschlossenem Beir Hadas, 1937 Der Arabische Aufstand (1936–1939), größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung in der Zwischenkriegszeit, lähmte ziviles Leben und Wirtschaf in den arabischen Siedlungsgebieten, wirkte aber auch nachteilig auf die anderen Volksgruppen Palästinas. Arabische Beschäftigte beider Zollschuppen an Jaffas Bahnhof und Hafen boykottierten ihre Arbeit. Arabische Rebellen verübten Gewalt und Sabotage gegen andere palästinensische Volksgruppen wie auch britische Zivilpersonen und Vertreter von Verwaltung und Sicherapparat. Den Bahnhof Tel Aviv, 1917 als hölzernes Provisorium etwa 2,5 Kilometer nordöstlich vom Bahnhof Jaffa entstanden, bauten die Palestine Railways (PR) 1936/1937 zu einer vollständigen Station mit Güterschuppen aus, abseits der arabischen Aufstandsgebiete, und gleich dazu das angeschlossene Zollhaus des Fiskus. Die Schuppen für Güter und Zoll,Die Eröffnung des neuen Zollschuppens im Rechov haRakkevet meldete am 22. April 1936 die Zeitung Doʾar haJom (). dieser weiter westlich, jene östlicher, folgen der halbrunden Bahnstrecke. Der Fiskus ermöglichte Im- und Exporteuren die Erledigung der Zollformalitäten in Tel Aviv, ohne sich der Gefahr tätlicher arabischer Angriffe gegen Juden auf dem Weg zum Zollschuppen Jaffa auszusetzen.
mini|Güterumschlag am Bahnhof Tel Aviv am 1. Mai 1936 Im ganzen Land ließ das Government of Palestine friedliche Regionen verkehrsmäßig erschließen, wie es ab 1936 der Straßenbauplan ‹Military Road Programme› vorsah, um vor allem arabische Siedlungsgebiete durch neue oder neu ausgebaute Fernstraßen zu umgehen.Schira Pinchas (), “The imperial roots of ‹shrinking the conflict›: Long before Israel paved segregated road networks to maintain the separation of Jews and Palestinians, the British had already laid their foundations” (17. Mai 2022), auf +972 Magazine – Independent Journalism from Israel-Palestine; abgerufen am 10. Februar 2024. Das palästinensische Public Works Department schuf im Rahmen des ‹Military Roads Programme› ein Fernstraßennetz mit 840 Kilometern an neu gepflasterten meist bereits bestehenden, vormals nachgeordneten Überlandrouten.
mini|Gleisanlagen des Güterbereichs des Bahnhofs im Winter 1950, parallel verläuft der Rechov Jehudah haLevi Noch einmal durch die Konjunktur im Zweiten Weltkrieg ab 1939 entwickelte sich das Umfeld des Bahnhofs zu einem wichtigen Gewerbegebiet, im östlichen Teil der Zitrusplantage Pardes Gavrilovitsch () gleich nördlich am Bahnhof an der Landstraße entstanden Industrieanlagen. Unter den Betrieben, die sich in der Umgebung ansiedelten, waren Kühlhäuser, die Getreidemühle M. Schechter, die Mazzebäckerei Zelivansky & Sons und der Shell-Komplex mit Tanklager. Die Waren kamen von außerhalb Palästinas, wie Öl aus dem Königreich Irak, oder gingen ins Ausland, wozu jeweils Zoll anfiel. Im- und Export per Bahn kam aus und ging nach Alexandria und Kairo im Königreich Ägypten, Damaskus in Mandats-Syrien, Transjordanien und ab 1942 auch nach Beirut oder Tripoli im Mandats-Libanon. In der Erntesaison kamen noch einmal täglich sieben Güterzüge mit etwa 350.000 Kisten Zitrusfrüchte aus der südlichen Scharonebene hinzu, die über Lod und ab dort per Ostbahn in den Export über den Hafen Haifa gingen.Walter Rothschild, Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. King’s College Diss., 2007, Seite wie hinter der Fußnotenzahl angegeben.
Angesichts des Terrors antibritischer Untergrundorganisationen legten die Briten schließlich ihre Einrichtungen und Wohnstätten in besonders geschützten Zonen zusammen, von Einheimischen als Bevingrad oder im Falle Tel Avivs als Metzudat Tel Aviv (Zitadelle Tel Avivs), von Briten als Wingard bezeichnet. Die Umgebung rund um das Beit Hadar wurde seiner strategischen Lage wegen mitsamt Zollhaus und Bahnhof Teil einer Sicherheitszone. Am 23. April 1946 verübte die Irgun (EtZe"L) einen Ablenkungsanschlag aufs Zollhaus, was die britischen Kräfte vom Beit Hadar band, während Irgunisten unter Führung Dov Béla Grüners (; 1912–1947) den blutigen Hauptschlag zum Waffenraub gegen das Tegart-Fort der Polizei in Ramat Gan führten, zwei Polizeiposten weiter nordöstlich an der Sicherheitsachse der Landstraße Jaffa–Nablus. Dabei kam am Zollhaus ein Irgunist durch eine von ihm fehlgezündete Handgranate ums Leben. Als sichere Unterkunft beschlagnahmte im August 1946 die britische Militärbehörde den gesamten Beit Westinghouse westlich neben dem Beit Hadas.NN, “”, in: HaZofeh, 8. August 1946, S. 4. Ebenfalls zur Sicherheitszone gehörten der Bahnhof, das Zollhaus und der nahegelegene Beit Hadar, der als militärisches Hauptquartier des Distrikt Lydda und als Militärgericht diente. Am 15. November 1946 meldete The Palestine Post Gerüchte, dass Anschläge fortan nicht mehr nur Güterzügen und Militärtransporten gölten, sondern auch Reisezügen.
mini|2012: West- und Südseite mit Inschrift Zollhaus in den drei palästinensischen Sprachen, vor Büroturm Migdal Levinstein Im Zuge ihres schrittweisen Abzugs aus Palästina räumten Anfang November 1947 die Mandatsbehörden die Sicherheitszone an Zollhaus und Bahnhof Tel Aviv.Vgl. „“, in: , den 4. November 1947. Zur gleichen Zeit begann der Bürgerkrieg zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern, dessen Gewaltakte sich bis Dezember vermehrten. Womöglich in Rekurs auf die Abtrennung Jaffas vom Bahnnetz durch Lechi-Anschläge gingen arabische Saboteure dazu über, der Bahn solche Schläge zu versetzen, welche die Wirtschaft des Jischuvs treffen würden und Infrastruktur im Gebiet des laut UN-Teilungsvorschlag für Palästina, UNO-Beschluss 181 (II), zu erwartenden jüdischen Staates zerstört zurückließ. Am 2. Februar 1948 gab die PR auf, den Bahnhof Tel Aviv wieder zu verbinden und leitete den Güterverkehr (Lebensmittel, Baustoffe, Mineralöl, und andere Artikel des dringenden Bedarfs) per Jarqonbahn bis zu ihrem damaligen Endpunkt Petach Tiqwah und von dort per Laster über die Landstraße Jaffa–Nablus (heute Landesstraße ) nach Tel Aviv.
Im ab 14. Mai 1948 sich anschließenden Krieg um Israels Unabhängigkeit eröffnete die jüngst zur Rakkevet Israel (RI) umfirmierte Staatsbahn im Juli des Jahres den Bahnhof Tel Aviv wieder, nunmehr als Endstation der J&J-Linie statt Jaffas, dessen Bahnhof für immer stillgelegt blieb. Doch im Osten fuhr die J&J-Linie zunächst nur bis Lod. Nachdem Israel und Transjordanien in ihrem Waffenstillstandsabkommen von 1949 die Grüne Linie zwischen ihren Stellungen so angepasst hatten, dass der transjordanisch gehaltene Streckenabschnitt bei Battir in Israels Hoheit überging, fuhr am 7. August 1949 morgens vom Bahnhof Tel Aviv der erste Zug ab, der über Ramla hinaus bis Jerusalem durchfuhr,Danny Recht (), “” (Tachanat Rakkevet haNosʿim; 5. Juli 2022), auf: ; abgerufen am 27. März 2023. wo Zugverkehr vor dem Krieg um Israels Unabhängigkeit als letztes für den 15. April 1948 belegt ist.