Das Deutschordensschloss Winnenden ist ein abgegangenes Schlösschen in Winnenden, einer Stadt im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Über die Geschichte des Gebäudes ist nicht mehr viel bekannt; es ist im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden erbaut und im 18. Jahrhundert abgebrochen worden.

Lage Das Anwesen befand sich in der südöstlichen Ecke der Winnender Altstadt, zwischen der ehemaligen Stadtmauer und der evangelischen Stadtkirche St. Bernhard. Das Gelände ist mit dem Gebäude Marktstraße 54 modern überbaut.

Geschichte Die Stadt Winnenden gehörte einst den hochadeligen Herren von Winnenden und kam im 12. Jahrhundert durch Heirat an die Herren von Neuffen. Es wird angenommen, dass die Herren von Neuffen neben der Burg Altwinnenden auch ein Festes Haus in der Altstadt besaßen. Dieses dürfte ein Vorgängergebäude des Schloss gewesen sein. Edelmann Berthold III. von Neuffen und seine Frau Richenza von Löwenstein beschenkten am 1. Mai 1288 den Deutschen Orden mit Gütern in und um Winnenden. Ein „Deutsches Haus zu Winnenden“ (Thuzenhus ze Winiden) und ein Komtur desselben (Comitur von Winiden des Thuzenhus) wurden erstmals in einer Urkunde vom 11. September 1292 erwähnt. Das Deutschordensschloss dürfte daher zwischen 1288 und 1292 erbaut worden sein.

Im Kellereilagerbuch von 1444 werden die verschiedenen Gebäude des Deutschen Ordens in der Stadt erwähnt, die zu dem „Dütschen Hoff“ gehörten. Jörg von Waldeck, Komtur von Winnenden, veräußerte am 4. Dezember 1482 des ordennß groß Hawß vff den steynen Stock in der Stadt Winnenden zusammen mit der pfisterey und der Kapell samt dem hofe für 200 Gulden an den Edelmann Reinhard von Gärtringen. Im Eigentum derer von Gärtringen blieb das Schloss jedoch nur für sechs Jahre. Am 31. Mai 1488 verkaufte Johann Reinhard von Gärtringen das Grundstück für 200 Gulden an Graf Eberhard V. von Württemberg. Im 16. Jahrhundert gehörte das Schloss als Wittumsgut der Herzogin Sabina von Bayern, Gattin des Herzogs Ulrich von Württemberg. Die Ehe war wegen Ulrichs Affären und Gewalttätigkeiten rasch zerrüttet; Sabina flüchtete 1515 zu ihrem Bruder nach München. Später kehrte sie zurück, lebte jedoch auf Schloss Nürtingen. Ab 1551 wurde das ehemalige Deutschordenschloss von Marschall Wilhelm von Massenbach verwaltet. Nach Sabinas Tod im Jahre 1564 wurde das Schloss von einem Amtmann bewohnt. In einem Lagerbuch von 1569 wird das Gebäude Ambtsbehausung genannt. Im 17. Jahrhundert diente das Gebäude als Sitz eines Vogts. Ende des 18. Jahrhunderts (1789) wurde das Gebäude abgebrochen und das Grundstück vollkommen verändert. Lediglich der ehemalige Schlossbrunnen blieb noch bis 1969 erhalten.

Literatur

Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 2. Deutscher Kunstverlag München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 1500. Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden-Buoch 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 124.

Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Schloss im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Bauwerk des Deutschen Ordens Kategorie:Bauwerk des Hauses Württemberg Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Ersterwähnung 1292 Kategorie:Amtshaus Kategorie:Zerstört im 18. Jahrhundert Kategorie:Bauwerk in Winnenden Kategorie:Schloss in Europa