Rudi Risatti (* 17. Februar 1984 in Bozen) ist ein Kunsthistoriker, Szenograf, Maler und Kurator. Seit 2013 ist er am Theatermuseum in Wien tätig, wo er seit 2015 die Sammlungen der Handzeichnungen und Modelle betreut. Sein wissenschaftliches Werk befasst sich mit der europäischen Theater- und Szenografiegeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Schwerpunkte bilden die Theater- und Festkultur der Frühen Neuzeit, die Bühnenbild- und Kostümbildkunst sowie die museale und digitale Vermittlung von Theaterkultur.
Forschung Risattis Forschungsschwerpunkte liegen auf der Geschichte der europäischen Theater- und Szenografie vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Einen Schwerpunkt bilden die Theater- und Festkultur der Frühen Neuzeit, insbesondere die höfische Repräsentation der Habsburgermonarchie, die Bühnenbildkunst des Barock sowie das Werk des venezianisch-wienerischen Theateringenieurs Lodovico Ottavio Burnacini. Weitere Arbeiten befassen sich mit Theaterarchitektur, historischen Bühnenmodellen und der Rekonstruktion historischer Aufführungen.
Daneben forscht Risatti zur Bühnenbild- und Kostümbildkunst des 19. bis 21. Jahrhunderts sowie zu zeitgenössischen Bühnen- und Kostümbildnerinnen und -bildnern. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt auf der Erforschung, Erschließung und digitalen Vermittlung musealer Theater- und Szenografiesammlungen. Im Rahmen internationaler Forschungskooperationen arbeitete er mit Universitäten und Museen in Österreich, Deutschland, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich zusammen. Dabei entstanden unter anderem die digitalen Ausstellungen ART-ES. From Real Life to the World of Art (2021) und Five Senses. Sinne, Kunst und Szenografie in der Frühen Neuzeit (2025).
2022 war er federführend am Projekt Vor den Vorhang beteiligt, das im Rahmen des österreichischen Förderprogramms Kulturerbe digital die digitale Vermittlung der Figurinen der Wiener Hoftheater im 19. Jahrhundert in den Sammlungen des Theatermuseums zum Ziel hatte.
Darüber hinaus organisierte er wissenschaftliche Tagungen und hielt Vorträge an Universitäten und Museen in mehreren europäischen Ländern. Die letzte von ihm kuratierte Tagung im Jahr 2025 befasste sich mit dem aus dem Friaul stammenden Kammerzeichner Antonio Daniele Bertoli.
Leben und Wirken Risatti absolvierte eine Ausbildung bei Mario Dall'Aglio zum Kunstmaler in Bozen. Anschließend studierte er Szenografie an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Erich Wonder und schloss das Studium 2007 mit Auszeichnung ab. 2011 promovierte er dort mit Auszeichnung bei Elisabeth von Samsonow im Fach Philosophie mit einer Dissertation über Körpertheorien und Szenografie im interkulturellen Vergleich.
Vor seiner Tätigkeit am Theatermuseum arbeitete er als Maler sowie als Bühnenbildner und Bühnenbildassistent an verschiedenen Theaterhäusern, darunter die Vereinigten Bühnen Bozen, das Schauspielhaus Graz und das Volkstheater Wien. 2012 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Bozen im Rahmen eines Forschungsprojekts im Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer in Partschins. Seit 2013 ist Risatti wissenschaftlicher Mitarbeiter des Theatermuseums Wien. Nach der Betreuung der Sammlungen für Modelle und Kostüme übernahm er 2015 die kuratorische Verantwortung für die Sammlungen der Handzeichnungen und Modelle.
Seine Tätigkeit umfasst die wissenschaftliche Erschließung der Sammlungen, die Konzeption und Realisierung von Ausstellungen, die Betreuung nationaler und internationaler Forschungsprojekte sowie die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten. Er ist Mitglied des International Council of Museums (ICOM).
Ausstellungen (Auswahl)
Five Senses. Sinne, Kunst und Szenografie in der Frühen Neuzeit, digitale Ausstellung des KHM-Museumsverbands (2025) Mode für die Bühne. Monika von Zallinger, Theatermuseum Wien (2023) ART-ES. From Real Life to the World of Art, digitale Ausstellung des KHM-Museumsverbands (2021) Höhere Mächte. Von Menschen, Göttern und Naturgewalten, Kunsthistorisches Museum Wien (2021) Groteske Komödie. Lodovico Ottavio Burnacini, Theatermuseum Wien (2020–2021) Der magische Raum. Bühne – Bild – Modell, Theatermuseum Wien (2017–2018) Spettacolo barocco! Triumph des Theaters, Theatermuseum Wien (2016–2017)
Veröffentlichungen (Auswahl)
Cinco sentidos. Sensorialidad, arte y cultura escenográfica en la Edad Moderna. Herausgegeben gemeinsam mit Carmen González-Román und Concepción Lopezosa Aparicio. Tirant Humanidades, Madrid, 2025. Scenografia riciclabile. Molteplice uso di una raccolta di disegni scenografici della Vienna biedermeier (1810–1850), in: Architecture et scénographie dans les théâtres mineurs 1750–1850, hg. von Giulia Brunello, Raphaël Bortolotti, Annette Kappeler, Ergon, Baden-Baden 2025, 204–225. Die Burnacini in Wien. Die Übersiedlung einer Familie von Theaterarchitekten von Venedig an den kaiserlichen Hof, in: "Römische Historische Mitteilungen", Band 65 (2023), Andreas Gottsmann (Hg.), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2023, 313–333. Grotesk! Ungeheuerliche Künste und ihre Wiederkehr. Herausgegeben gemeinsam mit Stefan Hulfeld und Andrea Sommer-Mathis. Hollitzer, Wien, 2022. I Burnacini a Vienna – il trasferimento di una famiglia di scenografi da Venezia alla corte imperiale, in: Enrico Lucchese – Matej Klemenčič Patrons (Hgg.), Intermediaries, Venetian Artists in Vienna & Imperial Domains (1650–1750), Leonardo Libri, Florenz 2022, 13–21. Groteske Komödie in den Zeichnungen von Lodovico Ottavio Burnacini (1636–1707). Hollitzer, Wien, 2019. »Kein Tag gehe dahin, ohne daß er etwas erdacht habe«. Einblicke in die Wiener Bühnenbildkunst bis 1869. In: Otto Biba, Herbert Seifert, Oliver Rathkolb, Dominique Meyer, Oliver Láng, Andreas Láng (Hgg.), Geschichte der Oper in Wien, Band 1: Von den Anfängen bis 1869. Molden, Wien 2019, 308–349. mit Andrea Sommer-Mathis, Fuentes gráficas y animación virtual de una fiesta austro-hispánica: el ballet ecuestre La contesa dell’Aria e dell’Acqua (Viena, 1667), in: "Bulletin of Spanish Visual Studies", 3:2, Taylor & Francis, London 2019, 303–321. Spettacolo barocco! Triumph des Theaters. Herausgegeben gemeinsam mit Andrea Sommer-Mathis und Daniela Franke. Ein Ausstellungskatalog des Theatermuseums, Imhof Verlag, Petersberg – Wien 2016.
Weblinks
Rudi Risatti auf ORCID Rudi Risatti auf Google Scholar
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Maler Kategorie:Ausstellungskurator Kategorie:Person (Südtirol) Kategorie:Geboren 1984 Kategorie:Mann