Universum ohne Ende (auch Tau Zero) ist ein Science-Fiction-Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Poul Anderson. Die englische Ausgabe wurde im Jahr 1970 von Doubleday veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe wurde im Jahr 1972 vom Heyne Verlag veröffentlicht. Die Übersetzung stammt von Birgit Reß-Bohusch. Der Roman beschreibt die durch Triebwerksausfall eines interstellaren Raumschiffes fortschreitende Beschleunigung bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit und die dadurch immer stärkere Zeitdilatation.

Titel Sei die Geschwindigkeit eines Raumschiffes relativ zur Erde und die Lichtgeschwindigkeit, dann ist das Verhältnis der Zeitdilatation zwischen dem Raumschiff und der Erde gegeben durch:

(Häufiger wird jedoch der Lorentz-Faktor benutzt, welcher das umgekehrte Verhältnis angibt.) In der Formel ist indirekt die Unmöglichkeit der Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit enthalten, denn für wird der Ausdruck unter der Wurzel negativ und die Wurzel selbst dadurch imaginär oder eben undefiniert beim Ausschluss imaginärer Werte. Für eine mögliche Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit gilt , worauf sich der Originaltitel Tau Zero bezieht.

Handlung Leonora Christine ist ein interstellares Raumschiff mit einem Bussardkollektor, welcher Wasserstoff als Treibstoff während des Fluges aus dem interstellaren Medium über ein Magnetfeld einsammelt. 25 Männer und 25 Frauen begeben sich mit Leonora Christine auf eine Reise von der Erde zum Exoplaneten Beta Drei im 35 Lichtjahre entfernten Sternsystem Beta Virginis. Durch relativistische Zeitdilatation werden dabei an Bord nur fünf Jahre vergehen, welche mit Forschungsprojekten gefüllt werden, etwa dem Studium außerirdischer Organismen aus dem System 40 Eridani. Ein Jahr nach Abflug (nach Bordzeit) droht Leonora Christine die unabwendbare Kollision mit einem kleinen dichten interstellaren Nebel (im Roman als Nebulino bezeichnet), welche nicht mehr durch Abbremsen oder Ausweichen verhindert werden kann. Aufgrund winziger Kursabweichungen und der Bewegung des Nebels wurde dieser nicht von vorausgeschickten Raumsonden vor fünfzig Jahren entdeckt. Durch die Kollision mit relativistischer Geschwindigkeit und dadurch erzeugtem Wasserstoffzerfall mit tödlicher Strahlung besteht ernsthafte Gefahr für Leonora Christine und ihre Besatzung, daher begibt diese sich zur Sicherheit komplett in Raumanzüge. Tatsächlich wird der Abbremsantrieb stark genug beschädigt und fällt aus, was zu einem kritischen Problem in Form eines Catch-22 führt: Für Schutz vor der innerhalb einer Minute tödlichen Strahlung des Wasserstoffzerfalls muss nun der Beschleunigungsantrieb angeschaltet bleiben, doch genau dann ist wegen der enormen Hitze keine Annäherung an den Abbremsantrieb zur Reparatur möglich. Unausweichlich muss sich die Besatzung mit ihrem Schicksal abfinden, nun weiter beschleunigend in die Zukunft zu rasen und möglicherweise den Rest ihres Lebens auf Leonora Christine zu verbringen. Da weiterhin Kurskorrekturen möglich sind, wird als Notfallplan schließlich eine Reise in den intergalaktischen Leerraum beschlossen, dessen geringe Teilchendichte es ermöglicht, den Beschleunigungsantrieb für Reparaturen wenigstens für einige Minuten abzuschalten. Dabei ist der Notfallplan in mehrfacher Hinsicht bösartig ironisch: Für die lange Reise ist zunächst die Sammlung von mehr Treibstoff während eines Rundfluges durch die Milchstraße notwendig, was zwangsweise zu einer Vergrößerung der Zeitdilatation führt und damit auch zu einer Verkleinerung des zukünftigen Reparaturzeitraumes. Zudem dürfen die zu durchfliegenden interstellaren Nebel nicht zu dicht sein, um weiteren Beschädigungen zu entgehen. Etwa wird beim Vorbeiflug an einem neu geborenen Stern in einem ausgedehnten interstellaren Nebel ein Sicherheitsabstand von fünfzig Lichtjahren eingehalten. Als Leonora Christine schließlich den intergalaktischen Leerraum durchfliegt, ist die Teilchendichte jedoch weitaus höher als erwartet und eine Reparatur bleibt ausgeschlossen. Inzwischen ist die Zeitdilatation so extrem angewachsen, dass im Universum außerhalb inzwischen hundert Billionen Jahre vergangen sind und sich dessen Expansion in eine Kontraktion umgekehrt hat, welche unausweichlich zu einem Big Crunch führen wird. (Zur Zeit der Veröffentlichung des Romans war dies die vorherrschende Theorie.) Leonora Christine übersteht den Kollaps in eine Singularität, da die Geschwindigkeit des Raumschiffes extrem nahe an der Lichtgeschwindigkeit die der Kontraktion übersteigt und zudem scheinbar Raumzeit außerhalb der Singularität bestehen bleibt. Dabei kann der Abbremsantrieb ohne irgendwelche bedrohliche Strahlung schließlich repariert werden. Nach einem erneuten Urknall bremst die Besatzung passend zur Entstehung von erdähnlichen Planten ab und findet tatsächlich eine geeignete Welt mit außerirdischer Vegetation. Dort kommen schließlich die ersten Kinder zur Welt und die Geschichte der Menschheit kann erneut beginnen.

Kritik

Auf sciencefictionruminations.com heißt es, viele Romane von Poul Anderson würden auf effektives Geschichtenerzählen und interne Reflexion setzen, wohingegen Universum ohne Ende versuche, viel mehr zu sein („Whereas many Anderson novels rely on effective storytelling unencumbered by interior reflection, Tau Zero (1970) tries so desperately to be more“). Die wissenschaftliche Prämisse sei faszinierend („scientific premise suitably fascinates and facilitates“) und die Folgen fügen sich wie Puzzlestücke sofort zusammen. Es sei also kein Wunder, warum Fans harter Science-Fiction oft durch Charakterisierung getriebene Science-Fiction ablehnen. („Like puzzle pieces, the indications present themselves almost immediately. Bluntly put, no wonder fans of hard SF dismiss character-driven SF.“)

Auf scifi-review.net heißt es, die Handlung wirke sehr wie eine Soap Opera („the plot seemed a lot like a soap opera“). Die Funktionsweise des Bussard-Antriebs sei kompliziert, doch mache wie erklärt im Roman durchaus Sinn. Ignoriert werde jedoch komplett, wie die künstliche Gravitation an Bord funktioniere. Trotzdem werde die grundlegende spezielle Relativitätstheorie wieder sehr gut durch den Vergleich der Zeitdilatation erklärt. („The actual functionality of the Buzzard engine is complicated, but makes sense when laid out like it is in the novel. The main thing that I think is ignored is how to create a gravitational field on spaceships. (...) Finally, the theory of relativity is explained rather well by comparing the passage of time from the perspective of the crew to that back on Earth.“) Wer nie harte Science-Fiction gelesen habe sollte diesem Roman daher unbedingt eine Chance geben. („If you’ve never read “hard” science fiction, give this book a chance, I’m sure you’ll enjoy it.“)

Thomas Parker schreibt auf blackgate.com, dass der Roman eine gigantische Reise und mutige Exkursion in das große Unbekannte beschreibt, aber dabei auch einen ebenso großen Perspektivenwechsel („it’s a grand voyage, a brave excursion into the great out there, and it also has a grand perspective shift“).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Science-Fiction-Literatur