Die Villa Bloemenwerf () (wörtlich übersetzt: Blumengarten)„Wir nannten es ‘Bloemenwerf’ in Erinnerung an eines der schönen, bescheidenen Landhäuser dieses Namens, das wir auf unserer Hochzeitsreise auf den Kanälen zwischen Utrecht und Amsterdam gesehen hatten. Wie diese alten Häuser lag das unsrige vor einer Wiese, umrahmt von großen Bäumen, die zum Teil mehr als hundert Jahre alt waren“, schreibt Henry van der Velde in: ist eine frühe Jugendstilvilla in Uccle/Ukkel im Bezirk Brüssel-Hauptstadt in Belgien, die 1895/96 von Henry van de Velde und seiner Frau Maria Sèthe erbaut wurde.
Geschichte Die Villa Bloemenwerf ist Henry van de Veldes (1864–1957) erstes Werk als Architekt. Bei der Gestaltung ließ er sich zum Teil von Zeichnungen des Red House (London) von William Morris, dem Begründer des Arts and Crafts Movement, inspirieren.
1895 war Henry van de Velde bereits 31 Jahre alt und hatte sich der bildenden Kunst und hauptsächlich der Malerei gewidmet. Durch den Erfolg ermutigt, wandte er sich zunehmend der Innen- und Außenarchitektur zu, zunächst in seiner Heimat Belgien und dann in Deutschland.
Die Villa Bloemenwerf war für 5 Jahre der Wohnsitz der Familie (Henry van de Velde mit seiner Frau Maria Sèthe und ihrem Kind), diente als Atelier der Architekturfirma und als Treffpunkt für die europäische intellektuelle und künstlerische Elite jener Zeit. Gäste waren beispielsweise Henri de Toulouse-Lautrec, Siegfried Bing und Julius Meier-Graefe. Maria Sèthe (1867–1943) entwarf die Gärten im Stil eines englischen Gartens,Henry Van de Velde, Récit de ma vie: Anvers, Bruxelles, Paris, Berlin I. 1863–1900, ed. Anne Van Loo (Bruxelles; Paris: Versa; Flammarion, 1992), 289. und das Paar fertigte die Tapeten an. Die Familie verließ die Villa Bloemenwerf 1900, um sich in Deutschland niederzulassen.
Architektur mini|180px|Von van de Velde für die Villa Bloemenwerf entworfener Stuhl (1895) Die Umgebung, in der diese Residenz erbaut wurde, unterscheidet sich deutlich von den oft beengten Standorten in der Stadt, an denen die belgischen Jugendstilarchitekten Victor Horta, Gustave Strauven oder Paul Hankar die meisten ihrer Gebäude errichteten. Uccle/Ukkel war Ende des 19. Jahrhunderts noch flaches Land vor den Toren von Brüssel. Die Villa wurde auf einem großen, geneigten Grundstück mit Bäumen an der Avenue Vanderaey/Vanderaeylaan 102 erbaut. Die Rückseite des Grundstücks reicht bis zur Rue Colonel Chaltin/Kolonel Chaltinstraat.
Das Gebäude erinnert an den Bautyp eines englischen Cottage. Im Gegensatz zum zergliederten Red House hat die Villa Bloemenwerf einen geschlossenen Baukörper mit symmetrischer Fassade und einen zentralen Eingang. Markantestes Kennzeichen sind die drei Zwerchgiebel mit vertikalen schwarzen Streifen auf weißem Grund.
Die Hauptfassade ist mit weiß verputzten Ziegeln verkleidet. Die Erkerfenster sind vollständig durch kleine, gerade Holzstreben in blau-mauvefarbener Farbe unterteilt, die die Scheiben in Quadrate unterteilen. Die Seitenfenster der Fassade werden durch offene Fensterläden in derselben Farbe ergänzt.
Bemerkenswert ist außerdem der große, mit Schiefer bedeckten Baldachin über dem Haupteingang. Das Haus steht auf einem Sockel, so dass der Haupteingang nur über sechs Stufen zu erreichen ist. Er wird von zwei Löwenstatuen bewacht.
Der Grundriss des Hauses ist polygonal. Ein Oberlicht sorgt dafür, durch Tageslicht in einen zentral gelegenen Lichthof dringt. Um die offene Halle gruppieren sich individuell geschnittene Räume.
Henry van der Velde und seine Frau gestalteten das Haus als „Beispiel für Lebenskunst“, es sollte die „Vereinigung von Kunst und Leben“ versinnbildlichen. Die Idee der Ästhetisierung des alltäglichen Umfelds endet nicht bei den Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Sie geht weiter bis zu den Kleidern, die Maria van de Velde trägt. Viele der von van de Velde gestalteten Gegenständen aus der Villa Bloemenwerf befinden sich heute in Museumssammlungen, nicht wenige davon im Museum für Gestaltung Zürich.
Tentativliste Weltkulturerbe Die Villa Bloemenwerf befindet sich seit 2008 unter der Nummer 5356 auf der Tentativliste des UNESCO-Welterbes. Sie steht seit 1963 unter Denkmalschutz, ebenso der dazugehörige Garten.
Die Villa Bloemenwerf wird gewürdigt als ein „Manifest der Ära des Jugendstils“, die den Übergang vom Arts and Crafts Movement zum Jugendstil markiert.
Die Villa Bloemenwerf befindet sich in Privatbesitz und wurde 2013 für 2,45 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. 2026 wird sie erneut zum Verkauf angeboten, für 1,995 Millionen Euro.
Siehe auch Jugendstil in Brüssel Villa Esche Hohenhof Maria Sèthe am Harmonium
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Einzelnachweise
Kategorie:Wohngebäude in Belgien Kategorie:Erbaut 1896 Kategorie:Uccle/Ukkel Kategorie:Bauwerk des Jugendstils in Belgien Kategorie:Bauwerk von Henry van de Velde