Omer Shatz (; * um 1980) ist ein französisch-israelischer Menschenrechtsanwalt. Er ist juristischer Direktor der Nichtregierungsorganisation Front-Lex und wurde durch mehrere Eingaben an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bekannt, darunter eine 2019 gemeinsam mit dem französischen Anwalt Juan Branco eingereichte Mitteilung zur Migrationspolitik der Europäischen Union.
Werdegang Shatz wuchs in Israel auf und lebte dort bis 2014. Er erwarb einen Master of Laws (LL.M.) an der Yale Law School und war anschließend als Senior Associate für die Kanzlei Shearman & Sterling in Paris tätig.
Shatz lehrt Völkerrecht am Pariser Institut d’études politiques (Sciences Po). 2025 unterrichtete er an der American University of Paris. Von 2023 bis 2026 ist er als Forscher am Law Clinic Project der Central European University tätig. Er ist Mitbegründer der Organisation „We Are Refugees“, die Asylsuchende pro bono rechtlich vertritt. Shatz ist juristischer Direktor von Front-Lex, einer Organisation, die sich für die Rechte von Migranten einsetzt.
Wirken 2010 vertrat Shatz in einem Rechtsstreit gegen den späteren israelischen Verteidigungsminister Yoav Gallant vor dem Obersten Gerichtshof Israels. Laut Haaretz erklärten Shatz und seine Kollegen den Richtern, werde der Fall ohne ein Eingreifen „eines Tages, in etwa zehn Jahren“, in Den Haag landen. Shatz selbst sagte laut Le Monde voraus: „Sie werden sehen, in zehn Jahren wird es einen Völkermord geben.“
Am 3. Juni 2019 reichten Shatz und der französische Anwalt Juan Branco eine rund 240-seitige Mitteilung beim Internationalen Strafgerichtshof ein. Darin warfen sie der Europäischen Union und Italien Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber Migranten im Mittelmeer vor. Die Zeit widmete Shatz im Juli 2019 ein mehrseitiges Interview unter dem Titel „Diese Politik ist ein Verbrechen“, in dem er die Auffassung vertrat, die Todesfälle im Mittelmeer seien keine Tragödie, sondern die Folge einer gezielten Politik. Auch das Neue Deutschland veröffentlichte im Oktober 2019 ein ausführliches Interview mit Shatz, in dem er die Vorwürfe erläuterte.
Am 6. Dezember 2024 reichte Shatz im Rahmen des IStGH-Ermittlungsverfahrens zur Lage in Palästina eine 170-seitige Mitteilung ein. Darin beschuldigte er im Namen eines nicht namentlich genannten Opfers sieben israelische Amtsträger und einen Journalisten – darunter Benjamin Netanyahu, Yoav Gallant, Isaac Herzog, Israel Katz, Giora Eiland, Bezalel Smotrich, Itamar Ben-Gvir und Zvi Yehezkeli –, „öffentlich und unmittelbar zum Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen aufgerufen“ zu haben. Die Anstiftung zum Völkermord sei, so Shatz, bereits dann strafbar, wenn ein Völkermord selbst nicht nachgewiesen werde.
Am 5. Februar 2025 reichte Shatz eine weitere Mitteilung beim IStGH ein, gestützt auf Artikel 70 des Römischen Statuts (Straftaten gegen die Rechtspflege). Sie stand im Zusammenhang mit der Freilassung des per IStGH-Haftbefehl gesuchten libyschen Funktionärs Osama Almasri durch Italien und richtete sich unter anderem gegen Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Im Oktober 2025 reichten Shatz, Branco und weitere Anwälte eine rund 700-seitige Eingabe beim IStGH ein, in der 122 namentlich genannte europäische Amtsträger der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt werden, weil ihre Migrationspolitik nach Darstellung der Anwälte zur Abfangung, Inhaftierung, Folterung und zum Ertrinken zehntausender Menschen geführt habe. Unter den Beschuldigten befinden sich 32 italienische Politiker, darunter die früheren Regierungschefs Matteo Renzi, Paolo Gentiloni und Giuseppe Conte sowie Angelino Alfano, Marco Minniti und Matteo Salvini; nach Darstellung der ZEIT gehören auch Angela Merkel und Emmanuel Macron zu den Genannten. Giorgia Meloni ist nicht Teil dieser Liste, da sie bereits Gegenstand der separaten Mitteilung vom Februar 2025 war. Die Eingabe wurde Mitte Oktober 2025 in Paris öffentlich vorgestellt.
Einzelnachweise
Weblinks Omer Shatz auf der Website des Democracy Institute der Central European University
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