Fußverkehr bezeichnet die Ortsveränderung durch das Zurücklegen von Wegen zu Fuß. Er zählt zu den Grundformen der Mobilität und ist Bestandteil des Umweltverbundes. Aufgrund seiner geringen Infrastrukturkosten sowie seines geringen Flächen- und Energieverbrauchs gilt der Fußverkehr im Verkehrssystem als eine der ressourcenschonendsten Formen der Mobilität.
In Österreich gilt der Fußverkehr als eigenständige Verkehrsart und stellt einen wesentlichen Bestandteil des österreichischen Verkehrssystems dar. Er dient der Erschließung von Wohngebieten, Arbeitsstätten, Bildungseinrichtungen, Haltestellen, Geschäften und anderen Einrichtungen des täglichen Lebens. Zudem hat der Fußverkehr eine wichtige Zubringerfunktion zu anderen Verkehrsmitteln, insbesondere zu Haltestellen des öffentlichen Verkehrs.
Entwicklung des Fußverkehrs in Österreich Die Entwicklung des Fußverkehrs in Österreich wurde maßgeblich durch die Urbanisierung, insbesondere durch die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs, geprägt.
Die ersten Gehsteige im heutigen Sinne entstanden in Europa ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in Westminster, London. Sie wurden als Reaktion auf den zunehmenden Straßenverkehr angelegt. In Wien entstanden um 1800 die ersten Gehwege, sogenannte Trottoirs, welche durch eine andere Pflasterung gekennzeichnet waren. Sie boten jedoch keinen wirksamen Schutz vor Fuhrwerken. Sie gelten als unmittelbare Vorläufer der späteren Gehsteige. Erhöhte Gehsteige setzten sich in Wien erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch.
Zwischen etwa 1880 und 1910 konnten sich Fußgänger vergleichsweise frei bewegen und nutzten sowohl Gehsteige als auch Fahrbahnen. Mit zunehmendem Verkehrsaufkommen wurden neue Regelungen eingeführt. Einen wichtigen Einschnitt stellte die von der Polizeidirektion erlassene Gehordnung von 1909 dar. Sie verpflichtete Fußgänger, die Fahrbahn auf möglichst kurzem Weg zu überqueren. Damit wurde die funktionale Trennung zwischen Gehsteig und Fahrbahn verstärkt.
Ab den 1950er Jahren führte die zunehmende Motorisierung zu einer stärkeren Ausrichtung des Straßenraums auf den Kraftfahrzeugverkehr. Damit gingen eine Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten des Fußverkehrs und steigende Unfallzahlen einher. Zudem wurde zunehmend mehr Straßenraum für Stellplätze bereitgestellt. Die Einführung des Schrägparkens vergrößerte zwar das Stellplatzangebot, verringerte jedoch durch in den Gehbereich hereinragende Fahrzeugteile die nutzbare Breite vieler Gehsteige.
Parallel dazu entstanden nach und nach neue Aufenthaltsräume, welche dem Fußverkehr vorbehalten waren. Die erste Fußgängerzone Österreichs wurde am 23. Juni 1961 in der Klagenfurter Kramergasse eröffnet. In Wien folgte 1974 in der Kärntner Straße die Umgestaltung zu einer Fußgängerzone, nachdem bereits im Dezember 1971 probeweise für einen „Weihnachtskorso“ eine temporäre Fußgängerzone eingerichtet wurde.
Die Flächenkonkurrenz im Gehbereich nahm seit den 1980er Jahren weiter zu. Dazu trugen unter anderem die Anlage von Radwegen auf bestehenden Gehsteigen sowie das Aufkommen neuer Fortbewegungsmittel wie Inlineskates und Skateboards bei.
Heute gewinnt der Fußverkehr im Rahmen nachhaltiger Stadt- und Verkehrsplanung wieder an Bedeutung. Auf europäischer Ebene wird das Gehen von der Europäischen Kommission als Form der aktiven Mobilität gefördert. Insbesondere positive Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit, Verkehrssicherheit und Lebensqualität werden hervorgehoben. Im globalen Kontext wird der Fußverkehr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Publikationen und Wissenstransfers unterstützt.
Rechtliche Grundlagen Die maßgeblichen Bestimmungen für den Fußverkehr werden in Österreich in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt. Der Paragraph enthält Vorschriften über die Benutzung von Gehsteigen und Gehwegen und das Verhalten von Fußgängern beim Überqueren von Fahrbahnen.
Daten zum Fußverkehr
Mobilitätserhebung Österreich unterwegs Die bislang letzte bundesweite Erhebung des Fußverkehrs in Österreich fand im Rahmen der Mobilitätserhebung Österreich unterwegs 2013/2014. Die Nachfolgeerhebung Österreich unterwegs 2026 startete im März 2026 und soll aktuelle Daten zum Mobilitätsverhalten der österreichischen Bevölkerung liefern.
Die Erhebung 2013/2014 weist für Werktage einen Modal Split von 46,8 % Kfz-Verkehr (lenkend), 11,8 % Kfz-Verkehr (mitfahrend), 16,6 % für den öffentlichen Verkehr, 6,6 % für den Radverkehr sowie 0,7 % für sonstige Verkehrsmittel aus. Der Fußverkehr wird in der Auswertung mit einem Anteil von 17,1 % ausgewiesen.
Die Ergebnisse des Modal Split sind jedoch von der gewählten Erhebungsmethode abhängig. In der österreichischen Verkehrsstatistik wird jeder Weg üblicherweise nur jenem Verkehrsmittel zugeordnet, mit dem der längste Abschnitt zurückgelegt wird. Fußwege, die beispielsweise als Zubringerwege dienen, werden nicht erfasst. Dies kann zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Fußverkehrs führen.
Im Masterplan Gehen 2030 wird deshalb ergänzend das sogenannte Etappenkonzept herangezogen. Dabei werden die einzelnen Abschnitte eines Weges getrennt betrachtet und jeweils dem tatsächlich genutzten Verkehrsmittel zugeordnet. Auf Grundlage dieser Berechnungsmethode und weiterer Hochrechnungsverfahren wird der Anteil des Fußverkehrs auf rund 36 % geschätzt.
Auswertung des sicheren Fußverkehrsnetzes Im Jahr 2026 veröffentlichte das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur erstmals eine österreichweite Auswertung des sicheren Fußverkehrsnetzes auf Basis der Graphenintegrations-Plattform GIP. Als sicher angesehen und daher in der Berechnung berücksichtigt, wurden Fußgängerzonen, Wohnstraßen, Begegnungszonen, gemeinsame Geh- und Radwege, Gehwege sowie Straßen mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h.
Die Auswertung ergab für den Datenstand September 2025 eine Länge des sicheren Fußverkehrnetzes von 27.944 Kilometern. Die tatsächliche Länge ist abhängig vom aktuellen Digitalisierungs- und Erfassungsstand. Insgesamt umfasst das Straßennetz, für das eine Zu-Fuß-Geherlaubnis auf Basis des verwendeten Datenstands der GIP vorliegt, 397.216 Kilometer.
Unfallstatistik Nach den Daten von Statistik Austria wurden im Jahr 2025 3.404 Fußgängerinnen und Fußgänger bei Verkehrsunfällen verletzt und 58 getötet. Der Anteil der Fußgängerinnen und Fußgänger an allen im Straßenverkehr Getöteten betrug 14,39 %. Von den 58 tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgängern kamen 29 Personen (50 %) bei Unfällen mit Beteiligung eines Pkw ums Leben. Weitere 21 Personen (36 %) wurden bei einem Unfall mit Beteiligung eines Lastkraftwagens getötet. Unfälle von Fußgängerinnen und Fußgängern ohne Fremdbeteiligung wurden nicht erfasst.
Fußverkehrspolitik Der Bereich Fußverkehr fällt in Österreich auf Bundesebene in die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI).
Nationale Fußverkehrsstrategie Der Masterplan Gehen 2030 ist die nationale Strategie zur Förderung des Fußverkehrs in Österreich und ist die Nachfolgestrategie des Masterplan Gehen 2015. Der Masterplan Gehen ist ein Beitrag zur Umsetzung des Mobilitätsmasterplans 2030 der österreichischen Bundesregierung und definiert Ziele, Maßnahmen und Handlungsfelder, darunter Infrastruktur, Verkehrssicherheit, Raumplanung, Bewusstseinsbildung und Barrierefreiheit.
Örtliche Fußverkehrskonzepte Auf Gemeindeebene werden, aufbauend auf dem Masterplan Gehen, ein lokaler Masterplan Gehen oder ein örtliches Fußverkehrskonzept entwickelt. Die Erstellung solcher Konzepte ist freiwillig, allerdings bilden sie die Fördervoraussetzung bestimmter Förderprogramme, insbesondere im Rahmen von klimaaktiv mobil – Aktive Mobilität und Mobilitätsmanagement.
Fußverkehrsinitiativen und Vereine
Österreich zu Fuß Österreich zu Fuß ist eine bundesweite Initiative zur Förderung des Fußverkehrs in Österreich. Sie wurde im Oktober 2024 durch das damalige Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) eingerichtet und wird seit der Neuorganisation der Bundesverwaltung vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) geführt. Die operative Umsetzung und fachliche Betreuung erfolgen durch die Österreichische Energieagentur (AEA).
Die Initiative dient der Umsetzung der nationalen Fußverkehrsstrategie und richtet sich insbesondere an Gemeinden, Städte und Unternehmen.
Walk space Walk space ist ein unabhängiger österreichischer Verein für den Fußverkehr.ZVR-Abfrage: ZVR-078105059, abgerufen am 23. Juli 2026 Bis zum Jahr 2024 hat der Verein jährlich Fachkonferenzen an verschiedenen Orten in Österreich organisiert.
Wien zu Fuß Wien zu Fuß ist ein Informations- und Serviceangebot der Mobilitätsagentur Wien GmbH. Ziel ist es, das Bewusstsein für das Zufußgehen zu steigern und den Fußverkehrsanteil zu erhöhen.
Geht-Doch Geht-Doch ist ein Verein für das Zufußgehen und für Aktionen im öffentlichen Raum. Der Verein ist hauptsächlich in Wien tätig.
Jane's Walk Vienna Jane's Walk Vienna ist ein Verein, der kostenlose Stadtspaziergänge in Wien organisiert. Namensgebend für den Verein ist die Stadt- und Architekturkritikerin Jane Jacobs.
Linz zu Fuß Linz zu Fuß ist ein Verein zur Förderung des Fußverkehrs.
Aktionstage
Nationaler Tag des Zufußgehens Der Österreichische Tag des Zufußgehens wurde erstmals am 2. April 2025 begangen. Im Jahr 2026 fand der Aktionstag am 27. April statt.
Internationaler Tag des Zufußgehens Seit 2026 wird am 27. April von verschiedenen Organisationen auch der International Walking Day begangen. Der Vorschlag, den Tag international zu etablieren, wurde im Rahmen der Decade of Sustainable Transport der Vereinten Nationen eingebracht.
Siehe auch Das Ministerium für alberne Gangarten
Einzelnachweise