mini|Luftdüsenwebmaschine Baujahr 1988 (Textilmuseum Nordhorn) Luftdüsenwebmaschine ist eine Produktionseinrichtung, die beim Weben für den Schusseintrag einen Luftstrahl verwendet.Denninger/Giese: Textil- und Modelexikon, Deutscher Fachverlag Frankfurt/Main 2006, ISBN 3-87150-848-9, str. 422–424

Funktion der Luftdüsenwebmaschine mini|Schema der Schussfadeneintragung mini|Stafettendüsen an der Luftdüsenwebmaschine (helle Striche über dem Gewebe) Beim Schusseintrag wird der Schussfaden von einer Kreuzspule abgewickelt und mit einem Luftstrahl durch das Webfach transportiert. Eine Pumpe erzeugt einen Luftdruck (5–7 Bar, Verbrauch 0,4–0,8 cbm/min.), die Pressluft wird durch ein Ventil und Düsen (Hauptdüse → Stafettendüsen → Saugdüse) geleitet. Der Luftstrahl wird durch ein besonderes Profil des Webblattes und durch sog. Konfuslamellen (Plättchen mit konischer Aussparung bilden einen Kanal) gelenkt.

Bei jeder Umdrehung der Maschine wiederholt sich ein Zyklus, der auf der Zeichnung rechts schematisch dargestellt wird:

Der Schussfaden wird von der Kreuzspule (1) über den Zwischenspeicher (2) in die Eintrittsdüse (3) geleitet und durch das offene Webfach gezogen, wo der Luftstrahl durch sog. Stafettendüsen (5) verstärkt wird. Nachdem die vorgegebene Länge ins Webfach eingezogen ist, wird der Faden mit der Schere (4) abgeschnitten. Der Webkamm (6) presst den Schussfaden zum fertigen Gewebe (7) und das Webfach schließt.Gries/Veit/Wulfhorst: Textile Fertigungsverfahren, Carl Hansen Verlag München 2019, ISBN 978-3-446-45866-6, S. 166

Ausstattung und Verwendung der Maschinen Moderne Luftdüsenwebmaschinen werden in Arbeitsbreiten von 150–300 cm, mit maximaler Geschwindigkeit von 600 Touren/Min gebaut. Zur Standardausstattung gehört eine Schaftmaschine mit bis zu 20 Schäften oder wahlweise eine Jaquardvorrichtung. Zur Verarbeitung sind Stapelgarne aller Art im Feinheitsbereich 6–100 tex und Filamentgarne 45–500 tex geeignet, ausgenommen Monofilamente. Empfohlene Fadendichte: 3–111 Kettfäden/cm, 3–140 Schussfäden/cm, wobei bis zu 8 Farbkombinationen von Schussfäden möglich sind.

Verwendung der Air-Jet Gewebe Gewebe von den Luftdüsenwebmaschinen sind im Bekleidungs-, Heimtextilien und auch im Industriesektor vielseitig verwendbar.

Wirtschaftlichkeit der Fertigung In einer Studie von 2018 wurden die Herstellungskosten fürs Weben an der Luftdüsenwebmaschine (inklusive Vorbereitung) in 12 Staaten verglichen. Folgende Tabelle zeigt einen Auszug aus den Ergebnissen, die sich auf einen laufenden Meter Gewebe in Breiten von 168–177 cm beziehen:

Verarbeitete Garnart EinstelldichteFäden/cmGewichtg/LfmProduktionLfm/Std.Kosten in USD/Lfm Minimum ------- MaximumBaumwolle gekämmt (Ringspinng.) 20 tex28/28 190 19,40,72 (Vietnam) –----- 1,31 (Italien)Baumwolle kardiert (Rotorgarn) 30 tex 24/24 24822,30,74 (Vietnam) –----- 1,36 (Italien)Polyester-Filament (textur.) 78 dtex 38/31 10612,00,33 (Ägypten) –----- 0,88 (Italien)

Geschichte der Luftdüsenwebmaschine 1914 starteten die ersten Entwicklungsarbeiten für dieses Webverfahren durch den Amerikaner John Brooks. In der Zeit um 1930 wurden Arbeiten zum pneumatischen Schusseintrag auch von dem Amerikaner E.H. Ballou sowie von der britischen Firma Haywood-Wakenfield durchgeführt. Den Durchbruch für diese Verfahren schufen Textilmaschinenkonstrukteure der tschechischen Firma Elitex, die ab 1947 auf diesem Gebiet arbeiteten und 1952 die erste Luftdüsenwebmaschine mit einer Arbeitsbreite von 45 cm bauten. Wesentlich war dafür das von Vladimir Svaty uncd Jiri Libarsky 1956 entwickelte System der Luft- und Fadenführung, das später die Bezeichnung Konfusor erheilet.Stefan Mecheels, Herbert Vogler, Josef Kurz: Kultur- & Industriegeschichte der Textilien. GmbH, Bönnigheim 2009, ISBN 978-3-9812485-3-1, S. 473.

Ebenfalls arbeitete an diese neuen Webtechnik arbeitet der aus Estland emigrierte und zum Schweden gewordene Max Paäbö. In den 1960er Jahren wurden Konfuserlamellen zur Luftführung, Multi-jet (mehrere Düsen im Tandem) und profiliertes Webblatt (Tunnel) entwickelt. 1975 wurden Maschinen mit 600 Touren/Min bei 300 cm Arbeitsbreite vorgestellt. Im Jahr 1999 wurde eine (bis 2026 nicht überholte) Spitzenleistung verzeichnet: 3 222 m/min Schussfaden eingetragen an der Maschine der japanischen Firma Tsudakoma (1800 Maschinentouren / Min, Warenbreite 179 cm).Adanur: Handbook of Weaving, Taylor & Francis 2000, ISBN 978-1-58716-013-4, S. 175–220 und 405

Im Jahr 2024 wurden Luftdüsenwebmaschinen weltweit für ca. 1,2 Milliarden USD verkauft, der Stückpreis lag im Bereich 25 000 bis 50 000 USD. Zu den größten Produzenten gehörten Firmen Toyota, Picanol, Tsudakoma und Dornier.

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Einzelnachweise

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