mini|alternativtext=Verbreitung|Karte von Südamerika mit zwei Punkten für zwei der Funde Die Bokermann-Nektarfledermaus (Lonchophylla bokermanni) ist ein nur von wenigen Funden im östlichen Brasilien bekanntes Fledertier in der Gattung der Nektarfledermäuse. Das Typusexemplar stammt aus der Gemeinde Jaboticatubas im Bundesstaat Minas Gerais.
Die Art ist nach dem brasilianischen Herpetologen Werner Bokermann benannt.
Merkmale Für Exemplare in der Feuchtsavanne Cerrado wurde eine Kopf-Rumpf-Länge von 60 bis 63,5 mm, eine Unterarmlänge von fast 39 bis etwas über 41 mm und ein Gewicht um 12 g ermittelt. Dagegen waren Tiere in der Dornenstrauchsavanne Caatinga ohne Schwanz 55 bis 57 mm lang, die Unterarmlänge lag bei etwas über 36 mm bis fast 39 mm und das Gewicht war 10 bis 11 g. Die Hinterfüße sind bei den erstgenannten 8 bis 8 mm lang und der Schwanz bei den anderen 10 bis 12 mm. Auf der Oberseite sind die Haare an der Wurzel gelbbraun und an den Spitzen dunkel graubraun, was je nach Länge der Abschnitte ein gelb- bis graubraunes Aussehen erzeugt. Der Kopf ist wie der Rücken gefärbt und die Unterseite ist in den gleichen Farben heller. Typisch ist eine tiefe Kerbe im Kinn auf deren Seiten sich je ein warzenartiger Auswuchs befindet. Beim Nasenblatt steht ein kleiner Hautlappen vor dem hufeisenförmigen zentralen Teil. Alle Nektarfledermäuse besitzen einen dreieckigen Hautlappen über dem Hufeisen. Die Bokermann-Nektarfledermaus hat dunkelbraune Flüghäute und einen kleinen Fersensporn (Calcar) an jedem Fuß. Abweichende Details des Schädels und der Zähne, wie breite untere Schneidezähne mit drei wellenförmigen Höckern, unterscheiden das Tier von anderen Gattungsvertretern. Der diploide Chromosomensatz besteht aus 28 Chromosomen (2n=28).
Verbreitung und Lebensweise Alle Funde stammen aus dem oben genannten Bundesstaat bis auf einen Fund im Bundesstaat Bahia. In der feuchteren Region Mata Atlântica entdeckte Tiere zählen zu der neu beschriebenen Art Lonchophylla peracchii. Die Bokermann-Nektarfledermaus bewohnt das Hügel und Bergland zwischen 720 und 1130 Meter Höhe. Der Anteil von Gräsern, Sträuchern, kleinen Bäumen und Kräutern variiert je nach Feuchtigkeit. Die Nahrung besteht aus Früchten, Nektar und Pollen sowie aus wenigen Ameisen. Die Fledermaus ist wichtig für die Bestäubung von Blüten von Bauhinia rufa (Hülsenfrüchtler) und Encholirium glaziovii (Bromeliengewächse). Diese Pflanze hat keinen Stamm und der Blütenstand wird 1,5 bis 1,8 Meter lang. Die Nektarfledermaus besucht die Pflanze 30 bis 60 Minuten nach der Dämmerung und umkreist diese anfänglich. Danach besucht sie 5 bis 40 Minuten lang die Blüten und schwebt dabei vor ihnen, während sie Nektar saugt. Manchmal warten bis zu 6 Exemplare in kleinen Bäumen in der Nähe, bis sie an der Reihe sind.
Am Tage ruht die Bokermann-Nektarfledermaus in Kalksteinhöhlen und bildet Paare oder kleine Gruppen mit bis zu neun Mitgliedern. Der späteste Abflug aus dem Versteck war 22 Uhr. In einem verlassenen Bergbaustollen befanden sich gemischte Gruppen mit der Brillenblattnase und der Pallas-Blütenfledermaus. Das Weibchen aus Bahia war im Januar trächtig.
Gefährdung Die geeigneten Habitate sind aufgrund von Landschaftsveränderungen disjunkt und klein. Zusammen sind sie maximal 5.000 km² groß. Die IUCN listet die Bokermann-Nektarfledermaus als stark gefährdet (endangered).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Blattnasen Kategorie:Endemisches Säugetier Brasiliens