Louis Cousin (Lebensdaten unbekannt, aktiv im frühen 20. Jahrhundert) war ein belgischer Ingenieur und Erfinder aus Brüssel. Er gilt als einer der maßgeblichen Pioniere in der Entwicklungsgeschichte der Klemmbausteine. Auf seine Erfindung geht das frühe Bausystem Batima zurück, das bereits in den 1920er Jahren Konzepte der formschlüssigen Bausteinverbindung vorwegnahm.
Leben und Wirken Über das Leben von Louis Cousin abseits seiner patentierten Erfindungen liegen in der spielzeughistorischen Fachliteratur kaum biografische Daten vor. Seine historische Relevanz ergibt sich primär aus seinen Beiträgen zur Entwicklung von Konstruktionsspielzeug in den 1920er Jahren.
Am 6. Juni 1923 meldete der in Brüssel ansässige Ingenieur Cousin in Belgien ein Patent für ein neuartiges Baukastensystem an. Ein korrespondierendes britisches Patent wurde 1925 unter Verweis auf das belgische Ursprungsdatum erteilt (GB 217,243). In Sammlerkreisen gab es in der Vergangenheit oft Debatten über die genaue Urheberschaft des Systems, die durch die Original-Patentschrift jedoch zweifelsfrei geklärt wird: Da unabhängige Erfinder zu dieser Zeit selten über die finanziellen Mittel für Produktion und Vertrieb verfügten, kooperierte Cousin mit dem Brüsseler Unternehmer Joseph Girlot (häufig als F. Girlot firmierend). In der Patentschrift ist Cousin eindeutig als der rechtmäßige Erfinder (Inventeur) eingetragen, während Girlot als offizieller Anmelder (Demandeur) und kommerzieller Verleger auftrat.
Das Batima-Bausystem Das auf Cousins erdachte Material System wurde unter dem Markennamen Batima (vertrieben als „Batima. Grand jeu de construction scientifique“) bekannt. Es handelte sich um eines der frühesten dokumentierten Spielzeuge, das das Prinzip von Noppen auf der Oberseite und passenden Aussparungen auf der Unterseite der Bausteine nutzte.
Die Besonderheiten von Cousins Erfindung umfassten zwei wesentliche Aspekte: Material: In der Patentschrift beschrieb Cousin das verwendete Material als „Steinpappe“ (carton pierre). Er hob die Haptik explizit als Vorteil gegenüber klassischen Baukästen hervor und beschrieb die Steine als „nicht wie Stein, schwer und kalt“ (not, like stone, heavy and cold).Vgl. Patentschrift GB 217243 (A), S. 1. In der späteren Serienproduktion wurden die Blöcke oftmals aus Galalith gefertigt, einem frühen duroplastischen Kunststoff auf Basis von Kasein (Milcheiweiß). Konstruktion und Klemmkraft: Lange Zeit wurde angenommen, die Batima-Steine besäßen keine inhärente Klemmkraft und hielten allein durch ihr Eigengewicht. Cousins Patent belegt jedoch einen frühen Lösungsansatz für eine echte formschlüssige Verbindung (Interlocking): Im zweiten Patentanspruch (Claim 2) beschreibt Cousin explizit den Einsatz von elastischen Einlagen aus Filz oder Naturgummi (india-rubber).Vgl. Patentschrift GB 217243 (A), Claim 2. Diese Einlagen sollten für einen „festen Sitz“ (tight fitting) der Noppen in den Aussparungen sorgen. Damit erfand Cousin ein frühes Konzept der aktiven Klemmkraft, bereits Jahrzehnte bevor Hersteller wie Kiddicraft oder Lego dieses Problem durch die reine Reibung hochpräziser Kunststoff-Spritzgussteile lösten.
Die Produktion des von Cousin entwickelten Systems wurde in den 1930er Jahren eingestellt. Das System erlebte jedoch im Jahr 1954 eine kurze Renaissance, als die belgische Spielzeugfirma Nazaire Beeusaert aus Deinze die alten Produktionsformen übernahm und die Steine erneut auf den Markt brachte. Die Produktion wurde 1959 endgültig eingestellt, da im Jahr 1958 die modernen, stabileren und wasserfesten Bausteine aus Dänemark den belgischen Markt erreichten, gegen die das Batima-System nicht mehr konkurrieren konnte.
Rezeption und Bedeutung Cousins Entwurf markiert den konzeptionellen Übergang von klassischen, losen Holz- und Steinbaukästen wie den Ankersteinen hin zu Systembausteinen mit Noppenverbindung. Die Batima-Steine besaßen an der Oberseite leicht kegelförmige Noppen und an der Unterseite passende Löcher; die Verbindung diente allein der horizontalen Stabilisierung, eine Klemmkraft besaßen die Steine aus dem duroplastischen Kunststoff Galalith nicht.
In der spielzeuggeschichtlichen Betrachtung gilt Cousin damit als Wegbereiter des Noppenbausteins. Das eigentliche Klemmprinzip (Interlocking) entwickelten erst spätere Konstrukteure auf Basis elastischer Werkstoffe: Ernest E. Tompkins mit den Bild-o-Brik-Steinen aus Gummi (Patent 1932), Hilary Fisher Page mit den Self-Locking Building Bricks aus Kunststoff (Patent 1947) und schließlich Lego, dessen 1958 patentiertes Röhrenprinzip den modernen Klemmbaustein begründete.
Werkstoff Als Material für seine Bausteine verwendete Cousin den Kasein-Kunststoff Galalith, den er selbst „Steinpappe“ nannte. Es handelt sich um einen Duroplast, der durch Polykondensation von Kasein aus Milch mit Formaldehyd entsteht: Das Formaldehyd verknüpft freie Aminogruppen benachbarter Proteinketten unter Abspaltung von Wasser über Methylenbrücken (–CH2–) zu einem dreidimensionalen Netzwerk. Vereinfacht lässt sich der vernetzende Schritt darstellen als
R–NH2 + CH2O + H2N–R′ → R–NH–CH2–NH–R′ + H2O
wobei R und R′ für benachbarte Proteinketten stehen. Die Formgebung war dabei auf das noch unvernetzte, thermoplastisch verarbeitbare Rohkasein beschränkt; nach der Härtung im Formaldehydbad ist der Werkstoff unschmelzbar und nicht mehr umformbar.
Einzelnachweise
Weblinks Eintrag zu Batima im Museum für ältere Techniken (het MOT), Belgien Historische Übersicht und Bildmaterial zu Batima auf RetroBuildingToys Historische Übersicht Erklärung zum Material
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