mini|hochkant|Justin Vivian Bond bei der Meer­jung­frauen­parade 2022 Justin Vivian Bond (* 9. Mai 1963) ist eine US-amerikanische transgender Künstlerin, Sängerin, Schauspielerin und Aktivistin, die durch Installationen und Auftritte an öffentlichen Orten, auf Theaterbühnen, der Kinoleinwand, beim Fernsehen, in Nachtclubs und bei Konzerten weltweit bekannt wurde.

Leben Bond war eine geborene Stanley Huffman Bond III, wuchs in Hagerstown, Maryland auf, erhielt dort Gesangsunterricht und war im Kirchenchor und dem lokalen Gemeindetheater in Stücken wie Brigadoon und The Sound of Music aktiv dabei.

Bond studierte Theater in der Adelphi University auf Long Island von 1981 bis 1985, zog 1988 nach San Francisco, bemerkte laut Eigenaussage die mangelnde Achtung gegenüber Menschen mit der von Bond gelebten sexuellen Ausrichtung dort und gleichzeitig, dass durch Kunst aller Art ein finanziell erfolgreiches Leben von diesem Standort aus möglich erschien. Der Ort war in den Augen von Bond gleichzeitig ein Ort der Sicherheit zur damaligen Zeit.

Im Jahr 1994 zog Bond nach New York City, weil die Künstlerin nach Eigenaussage größere Träume hatte als die, die sich in San Francisco erfüllen ließen. Im selben Jahr hatte Bond hier den ersten Auftritt als Schauspielerin im Drama Mod Fuck Explosion.

Bond hat einen Masterabschluss von 2005 in Performance-Kunst und Design vom Central Saint Martins College in London and unterrichtete Ausdruckskomposition und Live Kunstinstallation an der New York University und am Bard College.

Vivians Aktivitäten als Künstlerin und Aktivistin begannen in den 1990ern und werden aktuell – Mitte der 2020er – beibehalten. Die Künstlerin trat u. a. in der Carnegie Hall, dem Sydney Opera House und der Wiener Staatsoper auf.

Im Jahr 2011 nahm Bond den mittleren Namen Vivian auf und heißt seither korrekt Mx Justin Vivian Bond, was Bond als Balance der Geschlechter sieht. Mx steht anstelle der von anderen Personen verwendeten Abkürzungen Mr., Mrs., Ms. oder Miss und ist nicht-binär markiert.

In englischen Artikeln wird Bond respektvoll und wunschgemäß mit den Pronomina they, them, theirs gekennzeichnet, was den deutschen Neopronomina dey, deren, demm entspricht oder durch einen der tatsächlichen Namen der Person ersetzt werden kann.

Bond lebt in East Village (New York) und im Hudson Valley.

Werk und Wirken (Auswahl)

Kiki & Herb: 1993 bis 2007 Justin Vivian Bond wurde zuerst als Teil des Duos Kiki & Herb unter dem Künstlernamen Kiki DuRane in den 1990ern bekannt, wo das Duo in den Jahren des Höhepunkts von AIDS versuchte, durch Lieder und Aufführungen die erlebten mannigfaltigen Gefühlswelten wie Wut, Liebe, Erschöpfung, Ruhm und Durchhaltevermögen künstlerisch zu verarbeiten und vor Publikum zu zeigen. Die beiden wurden zum Kultduo und traten an zahlreichen Orten wie am Broadway oder der Carnegie Hall und mit weiteren Künstlern auf.

Solokarriere: 1993 bis zur Gegenwart mini|hochkant|Justin Vivian Bond (2018) Vor dem altersbedingten Karriereende des Duopartners trat Justin Vivian Bond unter dem Namen Justin Bond auch alleine auf und wurde als Solokünstlerin als vielseitig, witzig und klug im Gewinnen von Publikum beschrieben. Von Bonds zahlreichen Auftritten sind einige verzeichnet:

Bond debütierte 1997 in der Great American Music Hall (San Francisco) in einem Konzert. Vivian war Mitbegründerin der Varietéshow Weimar New York ab 2007.

2010 fing die jährliche Show Christmas Spells im Abrons Art Center (Manhattan) an.

Im Jahr 2011 kam Bonds Sachbuch Tango: My Childhood Backwards and in High Heels heraus, in der die Erfahrungen des Andersseins, der Kampf um die eigene Identität und der Umgang der Umwelt mit Justin Vivian Bond dargestellt wird.

Im Februar 2014 war Bond mit der Darbietung Love is crazy im Théâtre National de Chaillot (Paris). Im gleichen Jahr performte die Künstlerin in Bertolt Brechts Mann ist Mann Off-Broadway.

2015 war Vivian mit der Ausstellung My Model, MySelf: I’ll stand by you in der Vitrine in London.

Im März 2017 trat Bond in der Musical Adaptation von Armistead Maupins Tales of the City als erste transgender spielende Person der Transgenderfigur Anna Madrigal am Broadway auf.

Im Dezember 2019 debütierte die Künstlerin in der Wiener Staatsoper mit der Weltpremiere von Olga Neuwirths Adaptation von Virginia Woolfs Orlando als Orlandos Kind.

2025 war Bond mit Complications in Sue, einer neuen Oper der Opera Philadelphia mit einem Libretto von Michael R. Jackson zu erleben.

Aktivistin Bond war seit den 1990ern als Aktivistin tätig. So war 1998 das Künstlerduo auf der Gay Shame Parade in New York dabei. 2012 war Bond Teil eines Benefizkonzerts für die Opfer des Hurricane Sandy, um für die Angehörigen der 53 Todesopfer und das Lindern von Not Spenden zu generieren.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

2001: Nominierung für den Obie Award (= Off-Broadway Theater Award) 2004: Nominierung für den Bessie Award für Tanz, Performance 2007: Nominierung für den Tony Award und den Ethyl Eichelberger Preis 2012: Stipendium der Foundation for Contemporary Arts. 2014: Tango: My Childhood Backwards and in High Heels (Feminist Press) gewann den Lambda Literary Award als Transgender Sachbuch. 2024: Ernennung zum MacArthur Fellow. 2025: Ehrendoktorwürde im Bereich der Schönen Künste vom Bard College. 2025: Audie Award für die beste Vertonung der Sachbucherzählung Candy Darling: Dreamer, Icon, Superstar.

Werke (Auswahl)

Ausstellungen

Fall of the House of Whimsy (2011) Temporäre Kunstinstallationen im New Museum of Contemporary Art (USA) und in der Vitrine (London, 2015). Dauerhafte Sammlung im Victoria and Albert Museum (London).

Sachbuch

Tango: My Childhood Backwards and in High Heels (2011).

Filmografie Bond wirkte in zahlreichen Filmen mit, unter anderem in: 1994: Mod Fuck Explosion 1995: Fanci’s Persuasion 2004: Imaginary Heroes 2006: John Cameron Mitchells Shortbus 2010: Ugly Betty (Fernsehserie, Folge 4x13) 2012: Sunset Stories 2012: She’s Living for this (TV) 2016: After Louie 2017: The Get Down (Fernsehserie, Folge 1x11) 2018: Can you ever forgive me? 2019: Orlando 2021–2022: Wolfboy and the Everything Factory (Fernsehserie, Folgen 1x02, 2x06)

Live-Aufführungen 2004: Kiki & Herb Will Die For You in der Carnegie Hall 2022: Only an Octave Apart (Decca Records): Eine Kollaboration von Anthony Roth Costanzo, produziert von Thomas Bartlett mit Arrangements von Nico Muhly. 2025/26: Heated Revelry in New York City

Tonträger Als Kiki & Herb entstanden zum Beispiel: 2000: Do You Hear What We Hear? 2024: Candy Darling: Dreamer, Icon, Superstar

Als Solokünstlerin sprach Bond die Audible Adaptationen von The Sandman in den 2020ern.

Literatur (Auswahl)

Sachbuch

Tango: My Childhood Backwards and in High Heels. The Feminist Press, New York 2016, ISBN 978-1-55861-754-4. (aktuelle Ausgabe) Cynthia Carr: Candy Darling: Dreamer, Icon, Superstar. St. Martin's Press, New York 2024, ISBN 978-1-250-06635-0.

Tonträger

Do You Hear What We Hear? Kiki and Herb Will Die For You at Carnegie Hall. Evolver, ASIN B0007 65I5 O. Candy Darling: Dreamer, Icon, Superstar. Gesprochen von Justin Vivian Bond. MacMillan Audio, 2024, Dauer: 14 h 2 min (Hörbuch), ASIN B0 C6 B15 CT Y.

Weblinks

Offizielle Homepage von Justin Vivian Bond Interview mit J.V. Bond (Full Episode) | Shut Up Evan Podcast auf YouTube (2025), 55.49 Min. Anthony Roth Costanzo and Justin Vivian Bond: Tiny Desk (Home) Concert auf YouTube (2022), 14:18 Min.

Einzelnachweise

Kategorie:Künstler (Vereinigte Staaten) Kategorie:Sänger Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Aktivist Kategorie:Autor Kategorie:Transgeschlechtliche Person Kategorie:MacArthur Fellow Kategorie:Ehrendoktor Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1963 Kategorie:Frau