ArgentinofobiaOmar Santana: ¿Argentinofobia? El mundo mira con sospecha el camino de Argentina en el Mundial (spanisch; Artikel vom 8. Juli 2026) bezeichnet eine Abneigung gegen Argentinien, die in vielen Ländern Lateinamerikas verbreitet ist und vor allem beim Fußball zum Ausdruck kommt, wenn viele Fußballfans aus anderen lateinamerikanischen Ländern darauf hoffen, dass die „Albiceleste“ verliert.¿Por qué hay latinos que quieren que España le gane a Argentina? (spanisch; Artikel vom 18. Juli 2026)
Hintergrund Obwohl einige Quellen davon berichten, dass dieser Trend verstärkt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zu beobachten war, bestehen die Abneigungen bereits seit längerer Zeit. So resultieren die Abneigungen zwischen Argentinien und Chile aus dem Beagle-Konflikt und die zwischen Argentinien und Brasilien aus dem Argentinisch-Brasilianischen Krieg, der zwischen 1825 und 1828 ausgetragen wurde. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein rivalisierten Argentinien und Brasilien um die regionale Vorherrschaft in Südamerika; eine Dominanz, die auch in Bezug auf gewonnene Fußball-Weltmeisterschaften zum Ausdruck kommt.
Obwohl geografisch weit voneinander entfernt, besteht auch eine Abneigung zwischen vielen argentinischen und mexikanischen Fußballfans. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 sollen viele Mexikaner den jeweiligen Gegner Argentiniens unterstützt haben, mit Ausnahme im Spiel Argentiniens gegen England. In den Folgejahren fügte die argentinische Nationalmannschaft der mexikanischen bei mehreren Turnieren empfindliche Niederlagen bei. Zusätzliches „Öl ins Feuer“ goss der bekannte argentinische Journalist Eduardo Feinmann, der in einer Sendung sagte: „Ich verabscheue die Mexikaner, ich verabscheue sie aus tiefster Seele. … Sie sind neidisch auf uns, nicht nur im Fußball, sondern in allem.“Santiago Ospina Celis: Latin American Fans Are Turning Their Backs on Argentina (englisch; Artikel vom 10. Juli 2026)
Eine Kontroverse zwischen Argentinien und anderen lateinamerikanischen Nationen liegt auch im argentinischen Selbstidentifikations-Mythos, das europäischste der lateinamerikanischen Länder zu sein. Damit grenzt sich Argentinien in selbsterhöhender Weise von seinen Nachbarstaaten ab. Dieser Mythos wird bereits seit Domingo Faustino Sarmientos Werk Barbarei und Zivilisation (1845) propagiert und wird bis heute tradiert, unter anderem noch 2021 durch den damaligen Präsidenten Alberto Fernández.
Derartige Äußerungen führen dazu, dass Argentinier für arrogant und rassistisch gehalten werden, zumal viele Argentinier sich aufgrund ihrer europäischen Abstammung tatsächlich für besser halten als die anderen Lateinamerikaner.Patrick J. McDonnell, Kate Linthicum, Jad El Reda and Cecilia Sánchez Vidal (Los Angeles Times): Why so many Latin Americans are rooting against Argentina in the World Cup (englisch; Artikel vom 15. Juli 2026)Argentina es el país más odiado de América Latina por su cultura y sociedad (spanisch; Artikel vom 18. August 2025)
Daher ist zwar üblicherweise eine „lateinamerikanische Solidarität“ zwischen verschiedenen Nationen Lateinamerikas zu beobachten, jedoch seltener gegenüber Argentiniern, was sich auch in spöttischen Fangesangen wie „América Latina menos Argentina“ (dt. Lateinamerika ohne Argentinien) ausdrückt."América Latina, menos Argentina": El enfrentamiento entre hinchas mexicanos y argentinos en un bus en Qatar (spanisch; Artikel vom 25. November 2022)Brasilianische Fans singen „América Latina menos Argentina“ bei der WM 2014 in Brasilien auf YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Kultur (Lateinamerika) Kategorie:Ethnophaulismus Kategorie:Demonym Kategorie:Fußballfankultur