Henry Edward Garrett (* 27. Januar 1894 in Clover, Virginia; † 26. Juni 1973 in Charlottesville, Virginia) war ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor an der Columbia University.Henry E. Garrett, Psychologist, Dies New York Times vom 28. Juni 1973, abgerufen am 19. Juli 2026.
Leben Er besuchte die öffentlichen Schulen in Richmond und die University of Richmond. Hier erwarb er 1915 seinen Bachelor-Abschluss. Während des Ersten Weltkriegs unterrichtete er Mathematik im Ausbildungszentrum der Küstenartillerie in Fort Monroe und war Leiter der Mathematikabteilung an der John Marshall High School in Richmond. In den Sommern 1916 und 1919 belegte er an der Columbia University in New York Kurse in Psychologie, hauptsächlich bei Albert Theodore Poffenberger. Dann bat er Robert S. Woodworth um eine Stelle als Assistent sowie die Möglichkeit, sein Promotionsstudium fortzusetzen. Woodworth stimmte zu, und er schrieb sich an der Columbia University in Vollzeit ein und erlangte seinen Mastertitel. 1923 promovierte er hier mit einer Dissertation über den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit bei psychophysischen Urteilen und motorischen Fähigkeiten. Von 1920 bis 1956 war er Mitglied des Fachbereichs Psychologie der Columbia University, seit 1943 Lehrstuhlinhaber und von 1941 bis 1955 dessen Vorsitzender des Fachbereichs Psychologie. Nach seiner Emeritierung 1956 war er bis 1964 Gastprofessor an der University of Virginia im Fachbereich Erziehungswissenschaften, wie wohl seine frühere Bewerbung um eine Professur im Fachbereich Psychologie an der University of Virginia von den Mitgliedern des Fachbereichs kategorisch abgelehnt worden war.
Werk Er wurde unter den Psychologen für sein Statistiklehrbuch und für sein Werk „Great Experiments in Psychology“ bekannt. Bereits zu Beginn seiner Karriere an der Columbia University veröffentlichte er auch Arbeiten zu Rassen- und ethnischen Unterschieden. Überraschenderweise kam er damals zu dem Schluss, dass die Ursache für die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen in Intelligenztests eine ungeklärte Frage sei. Anfang der 1940er Jahre war er auch bereit, die Doktorarbeit der afroamerikanischen Psychologin Mamie Phipps Clark zu betreuen. Deren später publizierte Arbeit über den „Doll Test“ belegte tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe und einen verinnerlichten Rassismus in der schwarzen Bevölkerung als Folge der Rassentrennung und trug dazu bei, dass der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Fall Brown v. Board of Education die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärte.
Mitte der 1940er Jahre änderte sich seine Position hinsichtlich der Rassentrennung und er kam zu dem Schluss, dass eine umweltbedingte Interpretation von Rassenunterschieden in Bezug auf Intelligenz ein ideologisch motivierter Trugschluss sei, während allein seine genetische Interpretation auf wissenschaftlichem Denken beruhe. In den 1950er Jahren half er bei der Organisation einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die sich der Verhinderung von Rassenmischung, der Aufrechterhaltung der Rassentrennung und der Förderung der Prinzipien der Eugenik sowie „Rassenhygiene“ des frühen 20. Jahrhunderts verschrieben hatten. Er wurde zu einer Führungsfigur im Kampf gegen die Integration und arbeitete mit jenen zusammen, die die Ideologie des Nationalsozialismus wiederbeleben wollten. Er war dabei in der International Association for the Advancement of Ethnology and Eugenics (IAAEE), der Zeitschrift „Mankind Quarterly“, der neofaschistischen Northern League und der rechtsextremen und antisemitischen politischen Gruppe Liberty Lobby aktiv.Andrew S. Winston: Science in the Service of the Far Right: Henry E. Garrett, the IAAEE, and the Liberty Lobby In: Journal of Social Issues, 1998, 4 (1), S. 179–210.
Ehrungen/Positionen 1946: Präsident der American Psychological Association 1944: Präsident der Eastern Psychological Association 1943: Präsident der Psychometric Society Fellow der American Association for the Advancement of Science (AAAS) Mitglied des National Research Council 1954: Ehrendoktorwürde der University of Richmond
Privates Er war verheiratet mit Mildred Burch, die ihn überlebt hat.
Publikationen (Auswahl) Monografien Statistics in Psychology and Education. Paragon International Publishers, Delhi 1982 (Nachdruck von 1926), ISBN 978-0313236532. Mit Richard M. Elliott: Great Experiments in Psychology. Tradd Street Press, Charleston 2026 (Nachdruck von 1930), ISBN 978-1025693934. Span. Ausgabe: Las grandes realizaciones en la psicología experimental. Fondo de Cultura Económica, Mexiko-Stadt 1958. General Psychology. Legare Street Press, New York 2023 (Nachdruck von 1955), ISBN 978-1022883222. Testing for Teachers. American Book Company, Knoxville 1959. Mit Matthew R. Schneck: Psychological Tests, Methods, and Results. Nabu Press, Charleston 2011 (Nachdruck von 1933), ISBN 978-1179602936. A Study of the Relation of Accuracy to Speed. Columbia University, New York 1922 (Diss.). I. Q. and Racial Differences. Historical Review Press, Cheltenham 1980 (Nachdruck von 1973), ISBN 978-0906879351.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge A study of the relation of accuracy to speed. Archives of Psychology, 1922, 8 (56). Jews and others: Some group differences in personality, intelligence and college. In: Personnel Journal, 1929, 7, S. 341–348. Differentiable mental traits. In: The Psychological Record, 1938, 2, S. 259–298. Comparison of Negro and White recruits on the Army tests given in 1917-–1918. In: Am. J. Psychol., 1945, 58, S. 480–495. Psychological differences as among races. In: Science, 1945, 101, S. 16–17. “Facts” and “interpretations” regarding race differences. In: Science, 1945, 101, S. 404–406. The effects of schooling upon IQ: A note on Lorge’s article. In: Psychological Bulletin, 1946, 43 (1), S. 72–76. Klineberg’s chapter on race and psychology: A review. In: Mankind Quarterly, 1960, 1 (1), S. 15. The equalitarian dogma. In: Mankind Quarterly, 1961, 1, S. 253–257. The scientific racism of Juan Comas. In: Mankind Quarterly, 1962, 2, S. 100–106. Racial differences and witch hunting. In: Science, 1962, 135, S. 982–983. The SPSSI and racial differences. In: American Psychologist, 1962, 1, S. 260–262.
Weblinks
Literatur A. S. Winston: Science in the service of the far right: Henry E. Garrett, the IAAEE, and the Liberty Lobby. In: Journal of Social Issues, 1998, 54 (1), S. 179–210.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Columbia University) Kategorie:Hochschullehrer (University of Virginia) Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann