Rudolf Frey (* 1846 in Württemberg; † 1908 in Wien) war ein Architekt und Eisenbahningenieur. Als Leiter der Hochbauabteilung der Österreichischen Nordwestbahn entwarf er Bahnhofs-, Wohn- und Betriebsgebäude. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Empfangsgebäude der Bahnhöfe Tetschen und Wildenschwert sowie der Wiener Zentralviehmarkt Sankt Marx mit der heute als Marx-Halle genutzten Rinderverkaufshalle.

Leben und Wirken

Frey stammte aus Württemberg und studierte an der Technischen Hochschule Stuttgart. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Burschenschaft Alemannia Stuttgart. In den frühen 1870er Jahren arbeitete er in der Hochbauabteilung der Österreichischen Nordwestbahn. Im Jahr 1873 übernahm er von Carl Schlimp die Leitung dieser Abteilung. Freys Name findet sich auf den Plänen zahlreicher Hochbauten der Bahngesellschaft, darunter Empfangsgebäude, Wohnhäuser und Bauten für Eisenbahnerkolonien. mini|Bahnhofsgebäude der Nordwestbahn Zu seinen frühen Hauptwerken gehörte das Empfangsgebäude des Grenzbahnhofs der Nordwestbahn in Tetschen, dem heutigen Bahnhof Děčín východ. Der Bau des etwa 120 Meter langen Gebäudes begann im Mai 1873. Die Anlage wurde für den internationalen Personenverkehr und die Zollabfertigung konzipiert und im Oktober 1874 eröffnet. Die Pläne waren von Frey und dem Baudirektor der Nordwestbahn, Wilhelm Hellwag, unterzeichnet. mini|Bahnhofgebäude Ústí nad Orlicí Ebenfalls 1874 entstand nach Freys Entwurf das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ústí nad Orlicí. Der Bau vereint klassizistische Gestaltungselemente mit Formen des sogenannten Schweizerstils und wird dem romantischen Historismus zugerechnet. Wegen seiner ungewöhnlichen Raumaufteilung und seines weitgehend authentisch erhaltenen Zustands gilt er als bedeutendes Beispiel der historischen Bahnhofsarchitektur in Tschechien.

Frey war außerdem an der Planung der zwischen 1872 und 1876 entstandenen Eisenbahnerkolonie in Nymburk beteiligt. Die Mehrzahl der erhaltenen Baupläne trägt seinen Namen. Da die Planung bereits unter seinem Vorgänger Carl Schlimp begonnen worden war, lässt sich der jeweilige Anteil beider Architekten an den einzelnen Gebäuden jedoch nicht abschließend bestimmen.

In Floridsdorf errichtete die Österreichische Nordwestbahn 1873 nach Freys Plänen acht miteinander verbundene Wohnhäuser für ihre Bediensteten. Die Anlage umfasste insgesamt 80 Wohnungen, die um einen gemeinschaftlich genutzten Hof mit Gärten und einem Waschhaus angeordnet waren.

Nach seiner Tätigkeit für die Nordwestbahn arbeitete Frey in Wien auch als selbstständiger Architekt und Bauunternehmer. Im Oktober 1879 erhielt er von der Stadt Wien den Auftrag zur Errichtung des neuen Zentralviehmarkts in Sankt Marx. Die von 1879 bis 1883 errichtete Anlage orientierte sich am Pariser Viehmarkt von La Villette. Ihr Mittelpunkt war eine große, aus zwei dreischiffigen Hallen und einem verbindenden Mittelschiff bestehende Rinderverkaufshalle. Die schmiedeeiserne Konstruktion bot bei ihrer Eröffnung Platz für etwa 4500 Rinder.

Die Rinderverkaufshalle ist der bedeutendste erhaltene Teil des ehemaligen Zentralviehmarkts. Sie steht unter Denkmalschutz und wird seit dem Ende des Viehmarktbetriebs als Veranstaltungsstätte unter dem Namen Marx-Halle genutzt.

Im Jahr 1882 entwarf Frey für den Wiener Trabrenn-Verein auf dessen Rennplatz nahe der Rotunde zwei Zuschauertribünen und ein dazwischenliegendes Totalisatorgebäude. Die Tribünen wurden als Eisenkonstruktionen mit gemauerten Rückwänden ausgeführt; das Totalisatorgebäude bestand aus Holz.

Bauten und Entwürfe

1872–1876: Bauten der Eisenbahnerkolonie in Nymburk, teilweise gemeinsam beziehungsweise in planerischer Überschneidung mit Carl Schlimp 1873: Wohnhäuser für Bedienstete der Österreichischen Nordwestbahn in Floridsdorf 1873–1874: Empfangsgebäude des Grenzbahnhofs Tetschen, heute Bahnhof Děčín východ, mit Wilhelm Hellwag 1874: Empfangsgebäude des Bahnhofs Ústí nad Orlicí 1879–1883: Zentralviehmarkt Sankt Marx in Wien, darunter die Rinderverkaufshalle 1882: Tribünen und Totalisatorgebäude des Wiener Trabrenn-Vereins

Veröffentlichungen

Der Grenzbahnhof Tetschen der österr. Nordwestbahn. In: Allgemeine Bauzeitung. Jahrgang 41, Wien 1876, S. 42–44, Tafeln 36–42. Die eisernen Hallen-Constructionen des neuen Wiener Central-Schlachtvieh-Marktes. In: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines. Jahrgang 35, Wien 1883, S. 84–97.

Literatur

Alžběta Jankulíková: Stopy železniční kolonie v Nymburce. In: Památky středních Čech. Band 36, Nr. 1, 2022, S. 40–59, doi:10.56112/psc.2022.1.04. Helmut Lackner: Ein „blutiges Geschäft“. Zur Geschichte kommunaler Vieh- und Schlachthöfe. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. 2003/2004, S. 805–828. Österreichischer Ingenieur- und Architekten-Verein (Hrsg.): Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Band 2, Gerlach & Wiedling, Wien 1905.

Einzelnachweise

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