Die Aéroplanes Hanriot et Cie. war ein vom französischen Flugpionier René Hanriot 1910 gegründeter Flugzeughersteller. Das Unternehmen entstand zunächst als Société des monoplans Hanriot, nahm aber danach verschiedene Namensbezeichnungen und Rechtsformen an.
Hanriot stellte während des Ersten Weltkriegs vor allem Jagdflugzeuge und Aufklärer her, die es ab 1916 mit dem Kürzel (HD.) für Hanriot-Dupont kennzeichnete.1936 fusionierte es mit dem Flugzeughersteller Farman zur Société Nationale de Constructions Aéronautiques du Centre (SNCAC).
Société des monoplans Hanriot mini|René Hanriot (11.6.1867 – 6.11.1925) 1912 in seinem Rennwagen Lorraine-Dietrich Type GP mini|René Hanriot, rechts, und sein Sohn Marcel (8.6.1894 – 31.3.1961) im Jahr 1911 mini|Werksanlagen der Société des monoplans Hanriot in Reims
Der prominente Rennfahrer René Hanriot begeisterte sich für Flugzeugen und baute 1907 in Chalons-sur-Marne seinen ersten Eindecker mit 50 PS-Buchet Sechszylinder-Reihenmotor. Im Februar 1909 gründete er die Firma Société des monoplans Hanriot und im Dezember d. J. eine Flugschule in Bétheny. Als Chefingenieur und Fluglehrer engagierte er den Flugpionier Emile Ruchonnet, der bereits in der Motorenfirma Société Antoinette als ausgebildeter Schreiner Erfahrung im Flugzeugbau gesammelt hatte. Als Testpilot gewann Hanriot seinen Rennfahrerkollegen Louis Wagner. Hanriot selbst machte auf einem Antoinette Eindecker seinen Flugschein, gefolgt von seinem 15-jährigen Sohn Marcel der mit seiner Fluglizenz N° 95 zeitweilig jüngster Pilot der Welt war.
1910 gründete Hanriot auch eine britische Vertriebsgesellschaft, die Hanriot Monoplane Company Ltd. in der Great Portland Street 143–145 in London. In England beeindruckte die Vorführung seines 40 PS-Clerget Hanriot-Eindeckers im Juli 1910 beim Flugmeeting in Bournemouth die Öffentlichkeit; die Zeitschrift The Aero schrieb am 20. Juli 1910: Die Maschine ist in der Luft sehr schön und schien prächtig stabil. Ihr Flug ist großartig, und das Flugzeug macht in der Luft ist eine wunderschöne Figur.
Im Frühjahr 1911 eröffnete Hanriot eine Flugschule in Brooklands, und im Sommer trat sein Eindecker mit Clerget 4-Zylinder-Motor zum französischen Militärflugzeugwettbewerb an. Danach gelang es Hanriot, den Chefkonstrukteur M. Pagny vom Wettbewerber und Favoriten Nieuport abzuwerben; das Design der eleganten Hanriots glich sich danach denen der Nieuports deutlich an.J.M. Bruce, Profile…, S. 3ff
Nachdem Hanriot in England inzwischen drei Flugzeuge bei der Firma Hewlett & Blondeau Ltd. hatte bauen lassen, eröffnete er in der Moorgate Station Chambers 412 in London das Flugzeugwerk Hanriot (England) Ltd. und nahm erfolgreich mit zwei von Pagny gebauten 100 PS-Einsitzern am britischen Militärflugzeugwettbewerb teil.
1913 zog sich Hanriot aufgrund finanzieller Probleme aus dem Geschäft zurück und veräußerte eine Firma mit Inventar und Anlagen an seinen bisherigen französischen Geschäftsdirektor Louis Alfred Ponnier, der damit die Société de Construction de Machines pour la Navigation Aérienne (CMNA) in Reims aufbaute.
Ponnier baute nach verschiedenen Modellen 1915 die M.1, ein Jagdflugzeug mit 80 PS Le-Rhône-Umlaufmotor und einem Lewis-MG. Das Flugzeug wurde vom französischen Militär jedoch abgewiesen, nachdem der Kampfflieger Charles Nungesser beim Testflug in Avord am 29. Januar 1916 völligen Bruch gemacht hatte und aufgrund seiner Verletzungen erst zwei Monate später wieder zu seiner Staffel N.65 zurückkehren konnte. Trotz dieses Vorfalls orderte die Aviation Militaire Belge aufgrund ihres dringenden Bedarfs 30 Ponnier M.1.J.M. Bruce, Profile…, S. 4ff
1913 wurde Marcel Hanriot zum Wehrdienst einberufen worden. Bei seinen Einsätzen als Pilot eines Bombenflugzeugs wurde er schwer verwundet. Nach seiner Genesung vom Militärdienst freigestellt, trat Marcel in die von seinem inzwischen Vater als Aeroplanes Hanriot et Cie in Levallois neugegründete Flugzeugfabrik ein, welche in Lizenz die britische Sopwith 1½ Strutter nachbaute.
Als erstes eigenes Modell des Betriebs erschien im Juni 1916 die vom neu eingestellten Konstrukteur Emile Dupont geschaffene einsitzige Hanriot HD.1 mit 110 PS Le Rhöne 9J-Umlaufmotor, die in ihrer kompakten Form den britischen Modellen Sopwith Pup and Bristol Scout auffallend ähnlich sah. Nicht nur die Belgier beschlossen, die HD.1 für die Aviation Militaire Belge zu beschaffen, sondern auch die Italienische Militärmission in Paris, die auf der Suche nach einem Nachfolger für die Nieuports der Squadriglie de Caccia war, zeigte sich an der Hanriot HD.1 interessiert. Bei einem Treffen vereinbarten der Vertreter der Militärmission Capitano Ermanno Beltramo mit René Hanriot und dessen Chefingenieur Dupont die Möglichkeit einer Lizenzproduktion der HD.1 in Italien, um das Flugzeug als Standardjagdflugzeug im Corpo Aeronautico Militare in großer Zahl einzuführen. Nach Vorstellung des Typs im Februar 1917 wurde entschieden, dass sowohl Hanriot als auch Nieuport-Macchi die Produktion der HD.1 aufnehmen sollten.vgl. J. Davilla
Als Varianten folgten u. a. die Wasserflugzeugversion HD.2 mit Schwimmern und der zweisitzige Aufklärer HD.3. Für die Massenproduktion errichtete Hanriot ein großes Werk in der Rue des Moulineaux Nr. 84 in Boulogne-Billancourt, das bis Kriegsende mit ca. 2.000 Mitarbeitern etwa 5.000 Flugzeuge herstellte. Zusätzlich baute Nieuport-Macchi in Varese etwa 900 HD.1 für das Corpo Aeronautico nach.
Nach dem Krieg produzierte Hanriot et Cie. neben des eigenen Fabrikaten Flugzeuge der britischen Sopwith Aviation Company in Lizenz nach und entwickelte nach un nach weitere Sport- und Jagdflugzeuge. 1924 verlegte die Firma nach Carrières-sur-Seine.
Nach dem Tode von René Hanriot 1925 setzten sein Sohn und seine Miterben Outhenin Chalandre als Geschäftsführer ein.
1930 wurde die Firma als Abteilung von der Societé General Aeronautique (SNCAC) übernommen und firmierte bis 1933 unter dem Namen Lorraine-Hanriot, wonach Marcel Hanriot erneut die Leitung der Firma als Familienunternehmer übernahm, um hochmoderne Kurier- und Metall-Jagdflugzeuge zu bauen.
1936 wurde das Unternehmen in das Programm von Luftfahrtminister Pierre Cot (1895–1977) aufgenommen, das auf die Nationalisierung der französischen Luftfahrtindustrie unter einheitlicher Regie hinarbeitete es 1937 mit Farman zur Société Nationale de Constructions Aéronautiques du Centre fusionierte. Im Gegensatz zu Maurice Farman, der sein Unternehmen aus Protest verließ, nahm Marcel Hanriot eine Position als Direktor an.Hanriot – All Aero https://all-aero.com/2025/01/14/hanriot/ (19.7.2026)
Flugzeugtypen mini|Hanriot-Pagny Eindecker 1912 mini|Jagdflugzeug Hanriot HD.1 der belgischen Aviation Militaire (1916) mini|Jagdflugzeug Hanriot HD.1 des italienischen Corpo Aeronautico Militare (1917) mini|Wasserflugzeug HD.2 der französischen Marine (1917) mini|HD.3 bei der Erprobung in Villacoublay (1918) mini|Jagdflugzeug Hanriot HD.15 (1922) mini|Jagdflugzeug Hanriot HD.15 (1933) mini|Jagdflugzeug Hanriot HD.182 der Fuerzas Aéreas de la República Española, Spanien, 1936
1908–1912 (Société des monoplans Hanriot) Hanriot-Eindecker 1907 Monoplane Hanriot I Hanriot Type II Hanriot III Hanriot IV 1911 Militär-Zweisitzer Hanriot V 1910 monoplane (Type V) Hanriot VI 1910 monoplane (Type VI) Hanriot VII Hanriot VIII 100 PS monoplane (Type VII) Hanriot IX
1912–1916 (Ponnier) Hanriot-Pagny monoplane1912 Ponnier M.1 – Jagdflugzeug 1915
1916–1918 (Aeroplanes Hanriot et Cie) Hanriot HD.1 – Jagdflugzeug 1916 Hanriot HD.2 - See-Jagdflugzeug 1916 Hanriot HD.3 C.2 - schweres Jagdflugzeug / CN.2 - Nachtjäger Hanriot HD.5 C.1/2 - Jagdflugzeug Hanriot HD.6 C.2 - schweres Jagdflugzeug Hanriot HD.7 C.1 - Jagdflugzeug Hanriot HD.8 AP.1 - Begleitjäger Hanriot HD.9 AP.1 - Begleitjäger Hanriot HD.12 C.1 - schweres See-Jagdflugzeug 1917
1919–1926 Hanriot HD.14 Hanriot HD.15 Hanriot HD.17 Hanriot HD.18 Hanriot HD.19 Hanriot HD.20 Hanriot HD.22 Hanriot HD.24 Hanriot H.25 Hanriot H.26 Hanriot HD.28 Hanriot H.31
1926–1930 (Lorraine-Hanriot) Hanriot HD.32 Hanriot H.33 Hanriot H.34 Hanriot H.35 Hanriot H.36 Hanriot H.38 Lorraine-Hanriot LH.10 Lorraine-Hanriot LH.21 Lorraine-Hanriot LH.30 Hanriot H.41 Hanriot H.43 Lorraine-Hanriot LH.60 Lorraine-Hanriot LH.70 Hanriot H.110 Hanriot H.115 Hanriot HD.120 Lorraine-Hanriot LH.130
1930–1933 (Lorraine-Dietrich)
Hanriot H.180/H.182 Hanriot H.220/SNCAC 600 Hanriot H.2300/H.232
Literatur Enzo Angelucci. Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg, Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, S. 225 J.M. Bruce: Hanriot HD.1, Windsock Datafile No. 12, Rimell, Raymond Laurence (Hrsg.), Albatros Productions Ltd., Berkhamsted 1992, ISBN 978-0-948414-14-5. J.M. Bruce: The Hanriot HD 1 Leatherhead: Profile Publications, 1966. James J. Davilla und Arthur M. Soltan: French Aircraft of the First World War. Stratford, Connecticut: Flying Machines Press, 1997. ISBN 0-9637110-4-0 Kenneth Munson: Pionierflugzeuge 1903-1914 Orell-Füssli, Zürich 1969. Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914-1918 Orell-Füssli, Zürich 1969. Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–18. München 1959. Leonard E. Opdycke: French Aeroplanes before the Great War. Atglen, PA: Schiffer, 1999. ISBN 0-7643-0752-5
Weblinks
Hanriot – All Aero https://all-aero.com/2025/01/14/hanriot/ (19.7.2026) Уголок неба ¦ Hanriot HD.1 - https://www.airwar.ru/enc/fww1/hd1.html (19.7.2026) J. Davilla - Italian Aviation in the First World War. Vol.2: Aircraft A-H /Centennial Perspective/ (74) https://flyingmachines.ru/Site2/Arts/Art63104.htm (19.7.2026) Video einer Hanriot 1910 Start und Landeabstellung einer belgischen HD.1
Einzelnachweise
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