Walzendruckpapier entsteht durch maschinellen Druck auf industriell erzeugtem RollenpapierSusanne Krause, Julia Rinck: Buntpapier – ein Bestimmungsbuch; Decorated Paper – A Guide Book; Sierpapier – Een gids. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hauswedell, Stuttgart 2016, S. 82. und finden als Buntpapier und als Tapete Verwendung. Es kann im Hochdruck- und auch im Tiefdruckverfahren hergestellt werden.Julia Rinck: Walzendruckpapier, in: Julia Rinck, Susanne Krause: Handbuch Buntpapier. Hauswedell, Stuttgart 2021, S. 281.

Das Walzendruckverfahren war in der englischen Textilindustrie entstanden und löste dort den englischen Handmodeldruck bei der Baumwollveredelung ab. Der Basler Professor Christoph Bernoulli hatte das deutschsprachige Publikum 1821 durch einen Beitrag im Polytechnischen Journal mit dem Verfahren vertraut gemacht und auch detailliert die Anfertigung der metallenen Druckwalzen erläutert, da „eine Beschreibung davon in der technologischen Literatur noch ganz zu fehlen scheint.“Christoph Bernoulli: Ueber Walzendrukmaschinen und Walzendruk in den Cattunfabriken, und der Verfertigung der Druckwalzen. In: Polytechnisches Journal, Band 6, Jahrgang (1821), Nr. XXI., S. 168. Online Abgerufen am 20. Juli 2026.

Es entstanden Walzendruckmaschinen, die mit vertieft gravierten Metallwalzen bis zu 12 Farben drucken konnten. Wilhelm Heinrich von Kurrer schilderte 1840 in seiner „Geschichte der Zeugdruckerei“ den starken Rationalisierungseffekt, den der mehrfarbige Walzendruck auslöste: „Dem Erfindungsgeiste der Engländer war es vorbehalten, nicht bei dem einfärbigen Walzendruck stehen zu bleiben. Man ist bald weitergegangen, indem man es möglich machte, 2, 3, 4, ja sogar 5 bis 6 gravirte Cylinder in derselben Maschine zu verbinden, so daß auf den Zeug sofort nach einander eben so viele verschiedene Farben durch eine Operation aufgetragen werden können, und daher in wenigen Minuten bewerkstelligte, was früher eintausend- oder zweitausendmaliges Aufdrucken einer Handform erfordert hätte. Die schnelle Produktion und die Zeitersparniß geht demnach ins Erstaunliche, und eine solche Maschine mit mehreren gravirten Walzen durch Dampf oder Wasserkraft in Bewegung gesetzt, leistet täglich mehr, als 100 Handdrucker mit eben so vielen Streichkindern.“Wilhelm H. von Kurrer: Geschichte der Zeugdruckerei, der dazu gehörigen Maschinen und Hilfswerkzeuge. Schrag, Nürnberg 1840, S. 114.

Es gab auch Konstruktionen für 20 verschiedenen Farben, wobei die Gravur erhaben geschnitten war.Wilhelm Exner: Die Tapeten- und Buntpapier-Industrie, 1869, S. 274. Diese Fähigkeit spielte vor allem im Tapetendruck eine bedeutende Rolle. In gleicher Weise löste der Walzendruck bei der Anfertigung sogenannter Kattunpapiere auf Grund seiner Wirtschaftlichkeit den Handmodeldruck ab: „Die Kattunpapiere können ebenso wie Tapeten durch Walzendruckmaschinen auf endlosem Papier erzeugt werden und kommen in Bogenform geschnitten in den Handel. Man geht dabei, wie überhaupt bei diesen Papieren, wohl selten über 8 Farben hinaus. Die Maschine muss dafür, wegen Kleinheit des Dessins, mit außerordentlicher Akkuratesse arbeiten.“Wilhelm Exner: Die Tapeten- und Buntpapier-Industrie, 1869, S. 349.

mini|Ein Musterheft der Actien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leim-Fabrikation, Aschaffenburg (Bayern), um 1910, führt als Sorte 601 N „Fein matt Walzenpapier“ (englisch Fine Calico Paper, französisch Papier Indienne fin), das im Lagerformat 51 × 61 cm erhältlich ist, wobei 1000 Bogen ca. 17 Kilo wiegen. Der Tiefdruck erlaubt nur den Druck feiner, meist linearer Ornamente. Der Hochdruck hingegen ermöglicht sowohl lineare als auch flächige Formen.Julia Rinck: Walzendruckpapier, S. 284. Entsprechend unterschiedlich waren auch die Anforderungen an die Konsistenz der Druckfarben und die Trockenvorrichtungen für die bedruckten Papierbahnen.August Weichelt: Buntpapier-Fabrikation. 3. Aufl., Berlin 1927, S. 291.

Der Walzendruck hatte zudem einen bedeutenden Effekt auf die Sortimentbildung der Buntpapierindustrie. Der Aschaffenburger Buntpapierfabrikant Franz Dessauer erwarb in den 1850er Jahren eine Druckmaschine mit einer Anzahl Kupferwalzen von einer Chemnitzer Kattunfabrik. 1881 konnte der Sohn Philipp Dessauer in einem Vortrag bei dem Verein der Papier- und Schreibwarenhändler berichten, dass die Firma im Lauf der Jahrzehnte mit 110 unterschiedlich gemusterten Walzen, zwölf Druckfarben und weißem beziehungsweise 15 farbigen Druckpapieren eine Sortiment mit mehr als 20.000 Nummern erstellen konnten.Frieder Schmidt: Buntpapier. In: Die Buchkultur im 19. Jahrhundert. Band 2/1: Monika Estermann und Frieder Schmidt: Zeitalter – Materialität – Gestaltung. Veröffentlichung der Maximilian-Gesellschaft für das Jahr 2016. Hamburg 2016, S. 427–484, hier S. 456.

Albert Stadelmann ordnet die Walzendruckmaschinen jenen Fabrikationsmaschinen der Buntpapierindustrie zu, die zu ihrer Bedienung einen älteren Arbeiter als Führer und 2 bis 3 Hilfsarbeiter benötigen: „Der Führer hat bei richtiger Pflichtauffassung ein ziemlich verantwortungsvolles Amt, weshalb man zu dieser Funktion verlässliche Leute wählt, die gewöhnlich von Jugend an an der Maschine beschäftigt waren. Den Hilfskräften, Jugendlichen beiderlei Geschlechts fällt die Aufgabe zu, die Maschine dauernd mit Papier und Farbe zu versorgen und die Aufrollvorrichtungen zu bedienen.“Albert Stadelmann: Die Buntpapierindustrie in Aschaffenburg. Würzburg, Univ., Diss., 1922, S. 100. Stadelmann weiß auch zu berichten, dass die Arbeiter der Einführung des Maschinenpapiers heftigen Widerstand entgegensetzten: „Nur mit grosser Mühe konnten sie an die Verarbeitung desselben gewöhnt werden.“Stadelmann, Die Buntpapierindustrie, S. 26.

Albert Haemmerle, der Doyen der deutschsprachigen Buntpapiergeschichtsforschung, charakterisierte die Anmutung dieser Erzeugnisse so:

Erste Walzendruckpapiere wurden für Spielkarten-Rückseiten hergestellt.Gabriele Grünebaum: Buntpapier. Geschichte – Herstellung – Verwendung. Dumont, Köln 1982, S. 54 und Farbabbildung 24. Bei den Vorsatzpapieren bildeten die mittels Walzendruck hergestellten die billigere Sorte, während die besseren durch lithographischen Druck gefertigt wurden.Paul Kersten: Das Buntpapier und seine Verwendung, besonders für Bucheinbände. In: Zeitschrift für Bücherfreunde 4. Jg. (1900/1901), Heft 5/6: Aug./Sept. 1900, S. 169–179, hier S. 173. Nach dem Urteil von Paul Kersten galt dies auch für die Gruppe der Fantasiepapiere. Er listete in seiner Zusammenstellung der Buntpapiersorten bei den Walzendruckpapieren folgende Sorten auf:

1. Matter Walzendruck 2. Glänzender Walzendruck 3. Mehrfarbiger Walzendruck 4. Cellulose-Walzendruck 5. Plakat-Walzendruck 6. Pergament-Walzendruck 7. Walzendruck-Kattun 8. Seidenartiger Walzendruck 9. Seiden-Imitation 10. Drellpapier.Kersten, Das Buntpapier und seine Verwendung, S. 174.

Enderli stellte fest, dass Buchbinder auf Grund der geringen Qualität Walzendruckpapiere eher selten verwendeten, während sie „besonders in der Kartonage-, Koffer- und Lederwarenindustrie für das Ausfüttern billiger Massenware verwendet“ wurden.Hans Enderli: Buntpapiere. Geschichte und Rezepte des Buntpapiers. Schneebeli, Winterthur 1971, S. 87. Auch die Spielwarenindustrie stattete ihre Erzeugnisse gezielt mit speziellen Walzendruckpapieren aus.Christina Nehrkorn-Stege: Perfekte Illusion – Ein Spielzeugmusterbuch und das tatsächliche Spielzeug im Vergleich, in: Irispapier 2 (2026), S. 15–18.

Walzendruckmaschinen wurden vornehmlich von Maschinenfabriken hergestellt, die sich auf die Ausstattung von Buntpapier- und Tapetenfabriken spezialisiert hatten:August Weichelt: Buntpapier-Fabrikation. 3. Aufl., Berlin 1927, S. 416. Gebr. Dörstling G. m. b. H., Coswig-Dresden Julius Fischer, Nordhausen Grahl und Hoehl, Dresden Maschinenfabrik Wilh. Frenzel, Radebeul-Dresden Maschinenfabrik Max Kroehnert G. m. b. H., Altona-Bahrenfeld Franz Rohwer, Neumünster in Holstein Vasanta A.-G., Dresden

Als Spezialist für Walzengravur hatte sich die 1849 gegründete Firma Joseph Eck & Söhne in Düsseldorf einen Namen gemacht.Annonce in Papierzeitung 6 (1881), Nr. 34, S. 816.August Weichelt: Buntpapier-Fabrikation. 3. Aufl., Berlin 1927, Annonce S. 439.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts empfiehlt H. W. O. Sperling in Leipzig als „Wichtigste Neuheit für Papier-, Buntpapier-, Tapeten-, Papierwaaren-, Pappen-, Cartonnagen-Fabriken etc.“ seine „Walzendruck-Maschinen mit Dessin-Walzen aus elastischem Kautschuk zum Druck farbiger Muster jeden Genres, z. B. Holzmaser, Blumen, Figuren, humor. Scenen, Streifen etc., auch Pappen, Carton, Papier aller Art und Stärke, in Rollen oder Bogen bei 1-, 2-, 3- oder 4farbigem gleichzeitigem Druck.“Annonce in Papierzeitung 22 (1897), Nr. 16, S. 548 und öfter.

Heinrich Thümmes erläutert 1911 in einem Artikel über „Fabrikation von Maschinen-Tüten und -Beuteln“ eine Zweifarbendruckmaschine mit elastischen Gummiwalzen von Sperling & Co., Berlin und geht ausführlich auf die Verfahren zur Anfertigung von Gummiwalzen ein. „Die Dessin-Walzen […] werden nach dem Vulkanisier-Verfahren hergestellt. Die Musterzeichnungen werden vorher auf Metallplatten graviert oder geätzt und diese in einer geeigneten Gipsmischung abgeformt, […] Nach dem Trocknen der Matrize wird unvulkanisierter Stempelgummi in Platten auf dieselbe gelegt und mit dieser in die Vulkanisierpresse gebracht, wo das Ganze bis zu 200° C., je nach der Art des verwendeten Gummis, unter starkem Druck erhitzt wird. […] Die so erhaltenen vulkanisierten Gummiplatten werden in passender Form zurecht geschnitten, aneinander gesetzt und auf dem Kern der Dessin-Walze mit geeignetem Klebemittel befestigt. Diese Arbeit erfordert größte Exaktheit, besonders bei geschlossenen Mustern, wo der Zusammenschluß nicht bemerkbar sein darf. Offene Dessins sind weniger schwierig.“Papierzeitung 36 (1911), Nr. 3, S. 82.

Thümmes gibt zudem aus der Sicht des Papierverarbeiters wertvolle Hinweise zum Einsatz der Walzendrucktechnik: „Außer dem Musterdruck für Tütenpapiere lassen sich die Walzendruckmaschinen auch zum Grundieren und Färben des Papiers sowie zum Bedrucken von Papier-Servietten, Blumen-, Plakat- und Flaschenpapieren, Papierlaternen sowie für den undurchsichtigen Druck der Innenseite von Briefhüllenpapieren usw. verwenden und können sowohl für Rollen wie für Bogendruck eingerichtet werden.“Papierzeitung 36 (1911), Nr. 3, S. 82.

Die 1929 im Papiersortenlexikon aufgeführten Bezeichnungen , und verweisen auf diesen Fall, dass Walzendruckmaschinen das Papier mittels Gummiwalzen mit Mustern, Dessins usw. versehen.Fritz Hoyer: Papiersortenlexikon. Ein Nachschlagewerk für die tägliche Praxis. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1929, S. 203.

Sammlungen Aschaffenburg, Museen der Stadt Aschaffenburg Berlin, Kunstbibliothek Den Haag, Koninklijke Bibliotheek Leipzig, Deutsches Buch- und Schriftmuseum München, Deutsches Museum Wien, Museum für angewandte Kunst (Wien)

Das Findbuch der Sammlung Hübel des Deutschen Museums bezeichnet die Actien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation, Aschaffenburg, die Akt.-Ges. für Buntpapier, Aschaffenburg, Ferdinand Emil Jagenberg in Düsseldorf und Hochstein & Weinberg in Berlin als Hersteller der darin enthaltenen Walzendruckpapiere.Deutsches Museum, Archiv: Findbuch des Archivs des Deutschen Museums, München, PhS 02 Buntpapiersammlung Felix Hübel, Stand: 09.08.2023, S. 1400–1482. PDF

Literatur Wilhelm Franz Exner: Die Tapeten- und Buntpapier-Industrie für Fabrikanten und Gewerbtreibende, sowie für technische Institute. Voigt, Weimar 1869 (Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, 25). Digitalisat Textband digital.onb.ac.at, Digitalisat Atlas digital.onb.ac.at Heirich Thümmes: Fabrikation von Maschinen-Tüten und –Beuteln. Hilfsmaschinen zur Tüten- und Beutelfabrikation, in: Papierzeitung 36 (1911), Nr. 3, S. 82–84.