Die Choleraepidemie 1869 in Bathurst war Teil der vierten weltweiten Cholerapandemie und kostete 1869 etwa 1.700 von 4.000 bis 5.000 Einwohnern in Bathurst (heute Banjul) das Leben. Dies entspricht einer der verheerendsten dokumentierten Sterberaten (ca. 40 %) in der westafrikanischen Seuchengeschichte.

Verlauf mini|hochkant|Denkmal auf dem MacCarthy Square für die Offiziere und Unteroffiziere, die während der Cholera-Epidemie von 1869 ums Leben kamen – als ein Viertel der gesamten Bevölkerung von Bathurst starb. – Bathurst, Gambia – Dezember 1910

Die globale Vorgeschichte und die Route nach Westafrika (1865–1868) Die vierte Cholera-Pandemie brach um 1863 im Gangesdelta aus und breitete sich über Mekka-Pilger um 1866 im Nahen Osten und Nordafrika aus. Die Seuche erreichte 1867 Algerien (mit ca. 80.000 Tote) und wird 1868 über transsaharische Karawanenrouten nach Marokko getragen. Marokkanische Händler und Reisende schleppten im späten 1868 den Erreger (Vibrio cholerae) an den Senegal-Fluss im französischen Kolonialgebiet ein. Die Krankheit brach zuerst in Podor aus und wanderte flussabwärts in die Handelsmetropole Saint-Louis.

Der Weg nach Gambia über MacCarthy Island (Anfang 1869) Über den regionalen Bootsverkehr entlang der westafrikanischen Küste und Flusssysteme drang die Cholera im Frühjahr 1869 in das britische Territorium (engl. Gambia Colony and Protectorate) am Gambia-Fluss ein. Bevor die Seuche die Küstenhauptstadt erreichte, flackerte sie im Landesinneren auf MacCarthy Island (heute Janjanbureh Island) auf, einem wichtigen britischen Außenposten Georgetown (heute Janjanbureh) und Knotenpunkt für den Erdnusshandel.

Der Ausbruch in Bathurst (Mai–Juni 1869) Die ersten Infektionen wurden in Bathurst im Mai 1869 registriert. Die geografische Lage der Stadt erwies sich als Todesfalle: Die Siedlung liegt auf einer flachen Sandbank (St. Mary’s Island), die von Mangroven-Sümpfen umgeben ist und über keinerlei Abwassersystem verfügte. Die Epidemie erreichte im Juni 1869 ihren Höhepunkt. Aufgrund der dichten Besiedlung und der Kontamination von einfachen Brunnen mit fäkaler Bakterien verbreitete sich die Seuche explosionsartig. Besonders hart traf es das dicht bevölkerte Armen- und Migrantenviertel Mocam Town im Südosten der Stadt, wo innerhalb weniger Wochen über 1.100 Menschen starben.

Die militärischen Abriegelungsmaßnahmen (Juni–Juli 1869) Um das vollständige Überspringen der Seuche auf das gambische Hinterland, dem Protektorat, und die britischen Militärposten im Umland zu verhindern, verhängte die Kolonialverwaltung unter Gouverneur George Abbas Kooli D’Arcy drastische Quarantäneregeln: Reise- und Verkehrsverbote: Den Bewohnern von Bathurst wurde streng verboten, die Insel zu verlassen oder in die benachbarte Region Kombo zu fliehen. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Brücken zum Festland gibt (die Denton Bridge wurde später gebaut), konnte diese Isolation rigoros kontrolliert werden. Handelsblockade für Flussschiffe: Sämtliche Frachtboote, die landwirtschaftliche Erzeugnisse (vor allem Erdnüsse) aus den wichtigen Flusshäfen Kuntaur, Georgetown oder Fatoto anliefern wollten, wurden rigoros gestoppt und erhielten Anlegeverbot. Der gesamte regionale Handel brach abrupt zusammen.

Logistischer Kollaps und Massengräber (Juli–August 1869) Das Bestattungswesen brach wegen Überlastung komplett zusammen. Es gab nicht mehr genug Überlebende oder gesunde Helfer, um für die schiere Masse an Toten Einzelgräber auszuheben. Um die extreme Ansteckungsgefahr durch die hochinfektiösen Leichen einzudämmen, erließen die Behörden den Befehl zu unzeremoniellen Massenbestattungen. Entlang der Marina Parade (der heutigen Küstenstraße im Norden Banjuls) wurden riesige Gruben ausgehoben, in denen die Toten gemeinschaftlich verscharrt wurde. Nach dem verheerenden Sommer flaut die Krankheitswelle im Spätsommer 1869 allmählich ab, da der Großteil der vulnerablen Bevölkerung entweder verstorben oder immunisiert ist.

Unmittelbare historische Folgen Die Entstehung von „Half Die“ Aufgrund der Tatsache, dass im am härtesten getroffenen Viertel Mocam Town sprichwörtlich die Hälfte der Bevölkerung verstarb, bürgerte sich im lokalen Sprachgebrauch der Name Half Die (wörtlich in dt.: Halb Gestorben) ein. Dieser Name wurde später offiziell für diesen Stadtteil von Banjul übernommen und existiert bis heute.

Das koloniale Denkmal Nach dem Ende der Epidemie ließen die Kolonialbehörden auf dem MacCarthy Square einen weißen Obelisken errichten. Das Monument (unter dem Namen Cholera Epidemic Obelisk bekannt; ) wurde kritisiert, da es namentlich ausschließlich den 17 verstorbenen weißen Europäern der Kolonialverwaltung gewidmet war, während die rund 1.700 einheimischen afrikanischen Opfer unerwähnt blieben.

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