Paul Jacobs (* 22. Juni 1930 in New York City; † 25. September 1983 in New York City) war ein US-amerikanischer Pianist, Cembalist und Musikpädagoge.

Leben Jacobs galt als musikalisches Wunderkind und gab schon als Jugendlicher große Recitals (u. a. mit der Chamber Arts Society) in New York. Er studierte am Third Street Music School Settlement und dann an der Juilliard School bei Ernest Hutcheson und Beveridge Webster und ging nach seinem Abschluss und seinem offiziellen Debütkonzert in New York 1951 nach Paris.

Dort schloss er sich der avantgardistischen Musikszene an und trat u. a. in Pierre Boulez’ Domaine Musical, bei den Darmstädter Ferienkursen und bei der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Italien und Österreich auf, unternahm Konzertreisen durch Frankreich und hatte Auftritte im Hörfunk. 1956 spielte er als Erster in einem Konzert das gesamte Werk Arnold Schönbergs für Klavier solo und nahm es beim Label Véga auf.

Nach seiner Rückkehr nach New York 1960 unterrichtete er an der Manhattan School of Music und am Mannes College of Music, außerdem am Berkshire Music Center in Tanglewood, ab 1968 (bis zu seinem Tod) auch am Brooklyn College der City University of New York. Er nahm im Sommer 1960 am Seminar in Advanced Music Studies der Princeton University teil und trat als Solist sowie mit Ensembles für Neue Musik wie Gunther Schullers Contemporary Innovations, Arthur Weisbergs Contemporary Chamber Ensemble und den Fromm Fellowship Players in Tanglewood auf. Leonard Bernstein ernannte ihn 1962 zum offiziellen Pianisten, 1964 auch zum offiziellen Cembalisten des New York Philharmonic Orchestra; beide Positionen hatte er bis zu seinem Tod inne.

In den 1960er und 1970er Jahren gab Jacobs zahlreiche Konzerte in den USA und im Ausland. Im Mittelpunkt seines Repertoires standen die Werke von Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Ferruccio Busoni, Elliott Carter, Aaron Copland, Frederic Rzewski, Mario Davidovsky, George Crumb, John Cage, William Bolcom, Roger Sessions, Arnold Schönberg, Karlheinz Stockhausen, Erik Satie, Virgil Thomson, Pierre Boulez, Olivier Messiaen, Béla Bartók und Arthur Victor Berger.

Als Cembalist des New York Philharmonic Orchestra spielte er den Solo- oder Continuopart bei der Aufführung von Barockwerken, z. B. von Bachs Fünftem Brandenburgischen Konzert und Händels Messiah. Aber auch hier galt sein besonderes Interesse der zeitgenössischen Musik. So übernahm er bereits 1962 von Ralph Kirkpatrick den Cembalopart in Elliott Cartes Double Concerto for Harpsichord and Piano with Two Orchestra, das dieser im Vorjahr mit dem Pianisten Charles Rosen uraufgeführt hatte.

In seinen letzten zehn Lebensjahren nahm Jacobs bei Nonesuch Records sämtliche Etüden, Préludes und "Estampes" von Claude Debussy, das gesamte Klavierwerk Schönbergs, drei Alben mit Klaviermusik Eliott Carters, ein Album mit Werken von Virgil Thomson sowie mit Ursula Oppens zwei Alben mit Werken für Klavier zu vier Händen von Igor Strawinski (darunter Petruschka in einer Bearbeitung des Komponisten) auf. 1982 erkrankte er an einer mystery disease, die zu dieser Zeit als AIDS definiert wurde und wurde im Folgejahr eines der ersten prominenten Opfer der Krankheit.

Quellen

Arbiter Records: Paul Jacobs. The Legendary Busoni Recordings New York Times, 26. September 1983: Paul Jacobs, Harpsicordist and Pianist of Philharmonic

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